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Interpol
Interpol: Our Love To Admire
Man könnte, ohnehin ein deutsches Phänomen, auf hohem Niveau jammern und lamentieren: Dass Interpol auf dem dritten Album vielleicht mal langsam ihr ja doch recht enges stilistisches Korsett - Joy Division für die Nuller und so - vorsichtig hätten erweitern sollen, da ja im Prinzip mit "Antics" schon alles gesagt war.

Hier die zweite Möglichkeit: Einfach gefangen nehmen lassen. Dauert länger, zumindest als beim letzten Mal, lohnt sich aber! Dass man sich damit zunächst etwas schwer tut, liegt daran, dass sich die elf neuen Songs nicht so demonstrativ in den Mittelpunkt spielen wie ihre direkten Vorgänger und neben dem unbestreitbar vorhandenen Talent für unabgegriffene Melodien die eigentliche Stärke der Truppe offensichtlicher machen: Das Schaffen in Stil, Sound und Performance erhabener Klangarchitekturen durch konsequente Reduktion auf die Essenz - diese Band baut Kathedralen. Und die weise Demonstration der Tatsache, dass man eben manchmal mehr sagt mit dem, was man nicht sagt: Kein Gramm Fett ist hier zuviel, kein Ton nur zufällig da gelandet, wo er jetzt ist. Im alles überragenden Opener "Pioneer To The Falls" führen Bass, Gitarre, Schlagzeug und Stimme eigentlich ein chirurgisch voneinander getrenntes Eigenleben und ergeben vielleicht gerade deshalb dennoch eine unschlagbare Einheit, weil nichts dem Zufall überlassen wird. Noch was: Wenn Paul Banks in der ersten Single "The Heinrich Manöver" singt "today my heart swings", sollte man das nicht gleich als fatalistischen Zynismus deuten wollen. Diese Band aufs Schwarzseherische zu reduzieren, würde ihr so wenig gerecht wie sie immer noch an Joy Division zu messen. Vielmehr sind diese Songs von einer sich aus der Akzeptanz des Lebens in all seiner schillernden und natürlich manchmal schmerzhaften Widersprüchlichkeit ergebenden lebensbejahenden Kraft beseelt, die doch um vieles aufrichtiger erscheint als die heuchlerisch-rockistische "having a good time"-Maxime, die im Rock sonst allgemein mit positiven Denkansätzen verbunden wird. Auch deshalb lässt sich ein Song wie "Rest My Chemistry" beim besten Willen nicht tothören. Man kann dieses Album hundert Mal auflegen und entdeckt zwar nichts Neues, aber das bereits Bekannte will einfach keine Abnutzungserscheinungen zeigen - und gräbt sich so immer tiefer ins Herz. Und da bleibt es dann.
Text: Torsten Groß
VÖ: 06.07.2007
Label: Parlophone/EMI
Tracklist:
01.: Pioneer to the falls
02.: No I in threesome
03.: The scale
04.: The Heinrich maneuver
05.: Mammoth
06.: Pace is the trick
07.: All fired up
08.: Rest my chemistry
09.: Who do you think
10.: Wrecking ball
11.: The lighthouse

Hier die zweite Möglichkeit: Einfach gefangen nehmen lassen. Dauert länger, zumindest als beim letzten Mal, lohnt sich aber! Dass man sich damit zunächst etwas schwer tut, liegt daran, dass sich die elf neuen Songs nicht so demonstrativ in den Mittelpunkt spielen wie ihre direkten Vorgänger und neben dem unbestreitbar vorhandenen Talent für unabgegriffene Melodien die eigentliche Stärke der Truppe offensichtlicher machen: Das Schaffen in Stil, Sound und Performance erhabener Klangarchitekturen durch konsequente Reduktion auf die Essenz - diese Band baut Kathedralen. Und die weise Demonstration der Tatsache, dass man eben manchmal mehr sagt mit dem, was man nicht sagt: Kein Gramm Fett ist hier zuviel, kein Ton nur zufällig da gelandet, wo er jetzt ist. Im alles überragenden Opener "Pioneer To The Falls" führen Bass, Gitarre, Schlagzeug und Stimme eigentlich ein chirurgisch voneinander getrenntes Eigenleben und ergeben vielleicht gerade deshalb dennoch eine unschlagbare Einheit, weil nichts dem Zufall überlassen wird. Noch was: Wenn Paul Banks in der ersten Single "The Heinrich Manöver" singt "today my heart swings", sollte man das nicht gleich als fatalistischen Zynismus deuten wollen. Diese Band aufs Schwarzseherische zu reduzieren, würde ihr so wenig gerecht wie sie immer noch an Joy Division zu messen. Vielmehr sind diese Songs von einer sich aus der Akzeptanz des Lebens in all seiner schillernden und natürlich manchmal schmerzhaften Widersprüchlichkeit ergebenden lebensbejahenden Kraft beseelt, die doch um vieles aufrichtiger erscheint als die heuchlerisch-rockistische "having a good time"-Maxime, die im Rock sonst allgemein mit positiven Denkansätzen verbunden wird. Auch deshalb lässt sich ein Song wie "Rest My Chemistry" beim besten Willen nicht tothören. Man kann dieses Album hundert Mal auflegen und entdeckt zwar nichts Neues, aber das bereits Bekannte will einfach keine Abnutzungserscheinungen zeigen - und gräbt sich so immer tiefer ins Herz. Und da bleibt es dann.
Text: Torsten Groß
VÖ: 06.07.2007
Label: Parlophone/EMI
Tracklist:
01.: Pioneer to the falls
02.: No I in threesome
03.: The scale
04.: The Heinrich maneuver
05.: Mammoth
06.: Pace is the trick
07.: All fired up
08.: Rest my chemistry
09.: Who do you think
10.: Wrecking ball
11.: The lighthouse
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