The Angst And The Money

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Der neue Hedonismus oder was nach Blumfeld, Tocotronic & Co. zu beantworten wäre: Ja, Panik ziehen alle Register und entwerfen mit "The Angst And The Money" den Deutschrock 2.0.


Eine Englisch-Deutsch singende Wiener Band, die auch noch ein Komma im Namen hat - die Kritikerschar war sich einig: Ja, Panik - da steckt niemand dahinter, der weiß wie's läuft. Und wirklich, ihr gleichnamiges Debüt wirkte ungelenk und wollte einfach zu viel des Guten. Eine Antwort auf Tocotronic liefern, den Geist von Mark E. Smith atmen und dann noch Punk sein. Das funktionierte nicht und verpuffte schneller als gedacht.

Zum Glück rückte das zweite, vor einem Jahr veröffentlichte Album "The Taste And The Money" alles gerade und zeigte, welch famoser Kopf Sänger Andreas Spechtl ist: Die Texte zeichneten sich durch Aggressivität, Verbitterung und Sozialkritik aus. Die Musik geriet kantig, nerdig und rauer als alles, was Blumfeld in ihren Anfangstagen veröffentlichten. Eines der besten deutschsprachigen Alben der vergangenen zehn Jahre; nicht mehr, nicht weniger.
Nun kommt es noch dicker. "The Angst And The Money" schafft das Unmögliche: Das Niveau des Vorgänger zu halten, ohne dabei dem Schema F zu folgen - obwohl die geballte Faust in der Tasche geblieben ist. Spechtl mag sie nicht länger für sich allein stehen lassen und philosophiert über Gott und die Welt. Vielmehr: Was uns im Inneren zusammenhält. Kein Eso-Scheiß, sondern das, was Ja, Panik derzeit wie niemand sonst beherrschen: Ein Hochschulseminar auf Albumlänge zu pressen.

Der Sound hingegen ist gediegener, möchte man meinen. Zumindest schaltet es die Band auf "The Angst And The Money" einen Gang zurück. Was den Songs nie schadet, denn die Wucht des Vorgängers ist geblieben. Nur wurde sie ausgearbeitet, weiterentwickelt und mit breiteren Arrangements verfeinert. All das lässt den Schluss zu, dass wir noch weitere Meisterwerke von dieser meisterlichen Band erwarten können.

Allein der Status Quo macht glücklich: Andreas Spechtl und seine vier Mitstreiter haben die Konsolidierung geschafft. Ja, Panik bleiben ein Ereignis, das für sich steht und keinerlei Lobhudelei braucht. Punkt aus.

Marcus Willfroth

: 25.9.09
Label: Staatsakt/Rough Trade

Tracklist:
1. Alles Hin, Hin, Hin
2. Tür Auf, Tür Zu
3. Die Luft Ist Dünn
4. Ja, Es Stimmt
5. Dynamite
6. Pardon
7. Blue Eyes
8. Als Habe Ich... 1000 Times
9. Nevermore
10. The Golden Handshake

Ja, Panik - Alles hin, hin, hin


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