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Jamie Bell im Interview: Keinen Sex mit der Mutter

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    Jamie Bell im Interview: Keinen Sex mit der Mutter

    Eben war er noch ein kleiner Knirps und tanzte sich als „Billy Elliott“ in die Herzen eines Millionenpublikums, jetzt ist Jamie Bell schon richtig erwachsen. Man hatte es schon ahnen können, als er Jagd auf „King Kong“ machte, sich von Clint Eastwood für „Flags of Our Fathers“ in den Krieg schicken ließ und im echten Leben seine Freundin Evan Rachel Wood an Marilyn Manson verlor. Doch mit seinem Film „Hallam Foe“ räumt der 21jährige Brite endgültig sämtliche Zweifel an seiner Reife aus und legt nicht nur seine Stiefmutter flach, sondern stellt auch seiner Chefin nach, die seiner verstorbenen Mutter zum Verwechseln ähnlich sieht. Natürlich nur im Film, wie Jamie im Interview glaubhaft versichert!

    In Deinem neuen Film schlägst Du Dich zunächst als Küchenjunge durch. Da Du ja schon seit Jahren als Schauspieler arbeitest, hast Du mit solchen Aushilfsjobs wahrscheinlich gar keine Erfahrung, oder?

    Das war übrigens wirklich ekelhaft! Mir war vorher gar nicht klar, wie widerlich es in solchen Küchen zugehen kann. Aber es stimmt: ich habe natürlich nie einen solchen Job gehabt und musste mir alles vom Regisseur David Mackenzie zeigen lassen. Wahrscheinlich wollte er es mir extra schwer machen, weil ich diese Erfahrungen nie selbst gemacht habe. Jedenfalls hat er für die Szenen immer das Geschirr und die Reste vom Mittagessen in eine Schüssel gepackt und ich musste dann alles saubermachen. Ohne Handschuhe und mit bloßen Händen. Ich war noch nie so kurz davor zu kotzen während die Kamera läuft! Mir wird heute noch schlecht, wenn ich an den Geruch und das Geschmiere denke.

    Hast Du es jemals vermisst, solche Erfahrungen nicht selbst gemacht und eben keine normale Jugend gehabt zu haben?
    Vielleicht manchmal, aber alles in allem haben mir meine Kindheit und Jugend eigentlich ziemlich gut gefallen. Immerhin bin ich schon um die ganze Welt gereist. Der Job hat es irgendwie mit sich gebracht, dass ich ziemlich schnell klüger und besonnen geworden bin, und natürlich wäre ich ohne diesen Beruf nicht der, der ich heute bin. Aber es gibt schon Momente, in denen man sich auch danach sehnt, ein ganz normales College-Leben zu führen, nebenbei einen Aushilfsjob zum Geldverdienen zu haben und die Freundin jeden Tag sehen zu können. Wenn ich dann allerdings länger drüber nachdenke, klingt das alles doch nicht so wirklich spannend. Ich brauche eher Aufgaben, die mich wirklich herausfordern und weiterbringen.

    Hallam ist ein ziemlich schräger Vogel, nicht wahr? Findest Du Dich selbst ähnlich seltsam und wild?
    Ein Junge, der über den Dächern der Stadt wohnt und eine Frau beobachtet, die aussieht wie seine Mutter, weil er eine Beziehung mit ihr möchte – das ist schon ziemlich verrückt und durchgeknallt. Aber davor habe ich einen Pazifisten gespielt, der in Waffen verliebt ist, das ist nicht weniger verrückt. Und wahrscheinlich sagt es auch etwas über mich aus, dass ich mich von solchen Rollen angezogen fühle. Aber vor allem bin ich ein 21jähriger Kerl – da ist das Leben ohnehin oft ziemlich animalisch und merkwürdig...

    Du würdest Dich also als ganz normal bezeichnen?

    Klar, warum nicht? Ich trage enge schwarze Jeans, das ist schon das Hippste, was ich tue. Ansonsten trinke ich nur moderat, höre Punkrock und bin auch sonst keine gequälte Seele. Also alles ziemlich durchschnittlich.

    Hast Du Dich mit 17 Jahren auch mal so verloren gefühlt wie Hallam?
    Vielleicht für einen kurzen Zeitraum. Die meiste Zeit habe ich ja Filme gedreht, deswegen war ich beschäftigt und eingebettet in festere Strukturen. Aber selbst heute gibt es noch das Gefühl von Verlorenheit. Ich bin 21 Jahre alt, da weiß ich noch nicht immer genau was und wohin ich im Leben will. Das ist wahrscheinlich nie einfach, egal in welchem Alter.

    Genau wie Deine Rolle bist Du auch nicht in durchschnittlichen Zuständen aufgewachsen. Gibt es denn Parallelen?
    Naja, nicht wirklich. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter – und habe vor allem keinen Sex mit ihr, was ich auch sehr gut finde. Aber ich kenne das Gefühl, anders zu sein. Ich bin in einer kleinen Stadt im Nordosten von England aufgewachsen, die sehr rau und maskulin war. Dort wollte ich als Kind Tänzer werden, was natürlich höchst selten war – und so wurde ich eben beschimpft oder auch mal verprügelt.

    Hast Du heute viele Freunde im Showbusiness?
    Ich gebe mich gerne mit Leuten ab, die nicht nur an ihre Karriere denken. Denn wenn man davon besessen ist, wird es schnell langweilig. Ich halte es wirklich für gefährlich, wenn man an nichts anderes denkt. Wir sind doch nicht viel mehr als Kinder, also sollten wir uns auch so benehmen – und zum Beispiel „Matrix Mouse“ auf YouTube gucken. Immer nur darüber nachzudenken, auf welchem Cover man noch zu sehen sein könnte oder mit wem man sich am besten verabredet, ist grauenvoll.

    Mit Kollegen bist Du also gar nicht befreundet?

    Kaum, denn ich verbringe nicht viel Zeit mit anderen Schauspielern. Einer meiner engsten Freunde, Max Minghella, ist zwar auch Schauspieler, aber er geht auch zur Uni und ist im Moment an der Columbia University. Er hat also ein echtes Leben – und das ist genau, was vielen meiner jungen Kollegen fehlt. Sie drehen nur einen Film nach dem nächsten, aber dazwischen gibt es keine Art der Entwicklung, denn sie lernen noch nicht einmal etwas über ihre Schauspieltechnik dazu.

    Wo wir gerade von Schauspieltechnik sprechen: in „Hallam Foe“ stehst Du nackt vor der Kamera. War das leicht zu drehen?
    Früher oder später musste es wohl mal soweit sein, denn eigentlich kommt man da ja als aufgeschlossener Schauspieler gar nicht drum herum, wenn man die 20 hinter sich gelassen hat. Mir gefiel aber, dass in „Hallam Foe“ diese Szenen immer noch eine gewisse Unschuld verströmen. David verpasst ihnen genau die richtige Mischung aus Aufmerksamkeit, Dezenz und Animalität. Trotzdem hatte ich natürlich totale Panik. Ich habe sogar gefragt, ob ich eine dieser komischen fleischfarbenen Socken über meinen Schwanz ziehen könne, aber da hat David nur gelacht. Es ging dann auch so – nicht zuletzt, weil der Dreh einer solchen Szene auf erschreckende Weise unerotisch ist.

    Interview: Patrick Heidmann
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