Jazz hat's. ... Nicht.

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Jazz hat's. ... Nicht.

Eine Petition und sehr viele sehr große Forderungen – nur helfen wird das dem deutschen Jazz bestimmt nicht. 

Julia Hülsmann ist Jazzpianistin und hat eine Petition geschrieben. Roger Cicero macht inzwischen lieber Schlager. 

"Liebe Jazzmusiker", möchte man ihnen am Liebsten zurufen, "ja, ihr habt Recht, die Welt ist schlecht. Und früher war alles besser." Schon aus reiner Kulturbetriebs-Solidarität, denn gerade wer eher popmusikalisch sozialisiert ist, kann sich jetzt ein starkes Déjà-vu bescheren, indem er den Aufruf "Initiative für einen starken Jazz in Deutschland" liest. Grund zum Jammern gibt es für Musiker genug: Zu wenig Auftrittsmöglichkeiten mit überdies lächerlichen Konzertgagen, Geringschätzung von Seiten der Kulturpolitik, Verteilungsungerechtigkeit zu Gunsten der "Hochkultur", zu viel teuer qualifiziertes Künstlerpersonal mit zu wenig Förderung, internationale Bedeutungslosigkeit – und natürlich der zeitlose Klassiker jeder urbanen Szene: fehlende Proberäume. Kurz: Die Lage des Jazz in Deutschland ist alles andere als rosig und schon der Eröffnungssatz der Petition klingt wie eine Mischung aus Pfeifen im Wald und einer Rede eines beliebigen Kulturstaatssekretärs: "Jazz aus Deutschland ist lebendig, vielfältig und spannend." Na klar!

"Jazz hat's!" hieß das früher schon mal – schön naiv aber immerhin sehr viel prägnanter – in den Siebzigern und Achtzigern im Osten, es war der Werbespruch der Leipziger Jazztage, die damals unbestritten das interessanteste Jazzfestival der DDR waren. Und tatsächlich: Mehr noch als jenseits der Mauer ging es dem Jazz damals vergleichsweise gut, zumindest, wenn man damit die Kultursparte meint. Dem Menschen an sich, auch dem Jazzer, ging es den Umständen entsprechend deutlich schlechter, was zum Beispiel die renommierten Ostjazzer Uschi Brüning oder Ernst-Ludwig Petrowsky noch wissen werden. Die gehören zu den Erstunterzeichnern des aktuellen Aufrufs. Nun war Leipzig damals – mit wenigen, allerdings denkwürdigen Ausnahmen – nicht unbedingt ein Hort des internationalen Jazz-Jetsets, der Charme des Festivals bestand vor allem darin, dass die Toleranz des – aus heutiger Sicht überdies auch noch traumhaft zahlreichen und jungen – Publikums praktisch nicht zu erschöpfen war, im Gegenteil: Je wilder, experimenteller und natürlich auch langnächtiger die Konzerte ausuferten, desto größer die Begeisterung.

Peter Brötzmann (hier mit Hamid Drake) hat früher auch nicht für Mindestgage gespielt. 

Man kann – und jetzt kommt natürlich der Haken an der Sache – diese Popularität von Jazz selbstredend nicht von den bedrückenden gesellschaftlichen Umständen trennen. Jazz hatte einerseits den Vorteil, dass er Genre-bedingt weniger als Revolte-verdächtig galt und so etwas mehr offizielle Freiräume genießen durfte, die denn auch oft genug weit ausgereizt wurden. Und es galt natürlich auch: Man hatte ja sonst nix! Jazz war eine Art Ersatzbefriedigung, die sich schnell als solche herausstellte, sobald die Schranken des Systems fielen. Die Leipziger Jazztage gibt es heute noch, sie gelten nicht als wirklich wichtiges Festival und versuchen seit Jahr und Tag ein neues, irgendwie attraktives Profil zu finden. So wie der Jazz halt insgesamt. Ihm ist die Relevanz abhanden gekommen.

Jazz ist – anders als in den Fünfzigern des Westens oder den Achtzigern des Ostens – nur noch eine kleine Nische im Kulturbetrieb, die es nicht in den Kanon des offiziösen bürgerlichen Kulturbetriebs geschafft hat und die im Vergleich zur Popmusik noch nicht einmal die – wenn auch vage – Verheißung von Ruhm und Reichtum gewähren kann. Und "sexy" ist deutscher Jazz im Moment wohl auch nicht gerade. Das legt zumindest ein Blick in die Petition sehr nahe. Selten las man ein drögeres Gejammer, einen berechenbareren Forderungskatalog, ein peinlicheres Heranwanzen an die vermeintlichen Honigtöpfe öffentlicher Förderung. Ein wenig unwürdig wirkt das, bescheinigt sich selbst erstmal eine "Randexistenz", ist aber immerhin noch trotzig genug, genau daraus eine Wunschliste abzuleiten, die man nur utopisch nennen kann. Der Staat solle doch bitte schön alles wieder in Ordnung bringen: Neben jedes Opernhaus gehört eine Jazz-Spielstätte, Auslandstouren müssen bezahlt werden, Jazz-Vertreter müssen in die "relevanten Gremien, die über Fördermittel oder Rahmenbedingungen entscheiden", Jazz gehört in die Schullehrpläne und eine "erschwingliche Rechtsschutzversicherung" bei der Künstlersozialkasse darf es dann auch noch sein. An einer der zentralen Forderungen (Mindestgage) zweifelt sogar Szene-Altvater Peter Brötzmann in der Süddeutschen Zeitung, die ihren Artikel – und das ist fast schon wieder lustig – "Wir haben genug gelitten!" betitelt.

"Liebe Jazzmusiker", möchte man rufen, "am Artwork müsst ihr aber echt noch arbeiten!"

Nur um das festzuhalten: Natürlich ist die Kulturpolitik dieses Landes dem Geist des 19. näher als dem des 21. Jahrhunderts – klar, jeder sollte ein Mindesteinkommen beziehen oder wenigstens Mindestlohn und Kunst – auch Jazz – ist ein hohes, wertvolles Gut. Aber – und da schauen wir doch mal auf die vielbeneidete Hochkultur – deren tatsächlich irrsinnig verhältnislose Subventionierung ist kein Ausweis von Vitalität oder Attraktivität sondern deren Substitution. Es wird vielleicht ein paar Musikern besser gehen unter den Fittichen der Institutionen oder unter der Fuchtel städtischer Kulturdezernenten. Dem Jazz an sich wird das nicht helfen.

Es wird keinen Besucher davon überzeugen, vielleicht doch gern mehr als fünf oder zehn Euro für ein Konzertticket eines hoffnungsvollen Musikers zu bezahlen, weil man unbedingt sehen und hören möchte, was da vorn auf der Bühne passiert. Es wird keiner noch so engagierten Plattenfirma dazu verhelfen, mehr deutschen Jazz zu verkaufen. Es wird kein renommiertes Festival der Welt dazu zwingen, statt auf mehr oder weniger abgehalfterte Rockgrößen oder billigen "NuJazz"-Euphemismus wieder auf die pure Freude an hemmungsloser Improvisation zu setzen. Schon gar nicht auf deutsche. Woher man das weiß? Gabs alles schon. Vor gut zwanzig Jahren. In der Popmusik. Die Institutionen hießen "Rockbüro" oder "Rockbeauftragter". Es gibt sie nicht umsonst nicht mehr. Und noch eine – allerdings erstmal wenig trostreiche – Erfahrung hat die Popkultur zu bieten. Sie hatte ihre besten Phasen immer dann, wenn es den Akteuren sonst eher dreckig ging. So gesehen, darf man die Hoffnung für den deutschen Jazz nicht aufgeben. Denn es wird ihm noch sehr lange nicht gut gehen.


Augsburg


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Hillmer vor 137d 15h 

Danke für diesen Artikel. Er lässt uns über den heutigen Jazz - reden, nachdenken und diskutieren. Ich hoffe, dass in den nächsten Jahren wieder gute Jazzmusik veröffentlicht wird, denn für mich persönlich hat er potential!!

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B.Quehm
B.Quehm vor 138d 1h 

Ich finde der deutsche Blues könnte auch so eine Petition gebrauchen!

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peter vor 138d 14h 

Du hast dich wirklich schlecht mit dem Thema ausernandergesetzt Ausburg. Würdest du da mal ein wenig forschen hättest du diesen überflüssigen und vor Polemik triefenden Text gar nicht erst geschrieben.. Scheint so als seist du nur ein ziemlicher idiot. "Jazz ist tot." nein ist er nicht. Beschreibend dafür ist die ganze Dynamik in sämtlichen Jugendorganisationen: Landesjugendjazzorchester, Bujazzo, etc. Bitte Befasse dich einmal mit dem Thema. Du bleibst leider Respektlos und Extrem Polemisch. Schade dass man Initiativen immer erstmal völlig kaputtreden muss bevor man sich mit ihnen tatsächlich beschäftigt.

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Nachbar vor 138d 22h 

Hat denn der Autor die Initianten gefragt, was sie mit ihrem Aufruf bezwecken?
Meiner Meinung nach macht es Sinn, Maximalforderungen zu formulieren, wenn auch nicht alle innert Wochenfrist erfüllt werden. Als ein "Gejammer" würde ich den Aufruf schon gar nicht bezeichnen, im Gegenteil.
Ob Förderung in der Popmusik schadet, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich teilen diese Ansicht die wenigsten Exponenten dieser Szene.
Im Jazz jedoch gibt es deutliche Beispiele aus europäischen Ländern (allen voran Norwegen), die belegen, dass eine ganzheitliche Förderung (in der Ausbildung, über Werkbeiträge und in der Vermittlung) sowohl die künstlerische Qualität, das internationale Renommee und auch den kommerziellen Erfolg nachhaltig steigert.
Was ich persönlich jedoch nicht mehr unbedingt hören muss, ist wie schwer es unsere Grosseltern hatten und dass Künstler besser sind, wenn es ihnen dreckig geht.

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reed vor 139d 36min 

augsburg ist einfach ein idiot!!!!!!!!!!!
sehr sehr traurig!

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jimmyhendrix vor 139d 1h 

Helge,
Die Realität sieht folgendermaßen aus: Berlin ist in den letzten Jahren zur Jazzmetropole Europas gewachsen, dort kannst Du jeden Abend 5 Konzerte hören, die Dich umhauen. Aber niemand weiß das. Weil diese Form des Jazz im "Untergrund" passiert.
Auch der Autor weiß das offensichtlich nicht. Allein die Überschrift oder sein Amüsement über das -zugegebener Maßen - schlechte Design zeigen, daß er keine Ahnung hat und an der Oberfläche kratzt.
Wäre ich Jazzmusiker, würde ich mich von diesem Artikel
angegriffen fühlen!!!
Erbärmlich auch, daß MOTOR keine angemessenere Reaktion auf diese Initiative eingefallen ist.
PEACE

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Helge Schneider vor 139d 2h 

Jimmy,
weil es eine Petition gibt, die bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen fordert, sollen nun alle jubeln? Das verstehe ich nicht. Ich finde der Artikel ist weder diffarmierend noch beleidigend. Dass hier und dort pauschalisiert wird, gehört doch leider wohl oder übel dazu.

Aber Frieden auf Erden: Ja, der Jazz ist nicht derartig weichgespült, wie Pop-Musik sein kann. Dennoch glaube ich nicht, dass du die Intention des Artikels verstanden hast. Es geht darum, die Situation des Jazz in Deutschland zu reflektieren. Das schafft der Artikel, dass was dich stört, ist wohl mehr die Realität. Die Petition ist ein wenig lachhaft, wenn du sie wirklich mal vollständig durchlesen würdest. Und dein aggressiver Ton, der ist erbärmlich. Warum kommentierst du überhaupt, dein Verhalten finde ich erbärmlicher – gerade, weil der Artikel doch auch auf die Schwachstellen hinweist.

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jimmyhendrix vor 139d 4h 

Helge,
bitte lies den Artikel ein nocheinmal aufmerksam und Du wirst feststellen müssen, daß hier tausende von Musikern pauschal und auf respektloseste Art beleidigt werden. Da versuchen erstmalig seit Jahrzenten MUSIKER, bessere Lebens - und Arbeitsbedingungen zu schaffen und sich nicht noch mehr vom Markt zerstören zu lassen! Das sollte bejubelt werden!
(Es ist doch uns allen klar, daß Jazz nicht dieser weichgespühlte Dreck ist, der von den großen Labels gehypt wird... dem Autor offensichtlich aber nicht)
Erbärmlich!

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Augsburg
Augsburg vor 139d 4h 

Der Autor heißt Augsburg. Also genau so, wie es der Autorenname über und unter dem Artikel behauptet.
(Und er denkt ganz bestimmt nicht daran, nicht zu seiner Meinung zu stehen;-)

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tillman brunner vor 139d 4h 

Wie heißt denn der Autor dieses Artikels?
Traut er sich nicht, mit seinem Namen zu diesen Worten zu stehen?

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Helge Schneider vor 139d 4h 

Jimmy, was für ein Schmarn, der Autor fasst die Situation zusammen, denen Jazz-Musiker ausgesetzt sind. Er kritisiert doch nicht die Musiker, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen eben nicht nur Jazzmusiker leider.

Und ehrlihc, Seeed und Peter Fox? Boah, bleib mir damit weg, selbst wenn da Jazz-Musiker am Start sind, gerade aufgrund dieser Künstler hat es Jazz auch nicht gerade leichter.

Danke für die Debatte, motor.de – ihr seid spitze!

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jimmyhendrix vor 139d 5h 

Dieser Artikel ist voller Hass und Unwissenheit!
Es sind Jazzmusiker, die bei Seed und Peter Fox die Musik spielen...
Wovor hat der Autor Angst??
Erbärmlich, so respektlos über Musiker zu schreiben.

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JazzMusikerAufruf vor 139d 6h 

Wir freuen uns über alle Beiträge, die die Diskussion beflügeln, die der Jazzmusikeraufruf auslösen soll!

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