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Jazzanova
Jazzanova: Upside Down
Fast Beamten-artig dokumentieren Jazzanova ihre Entwicklung als Remix-Artists und schließen mit "Upside Down" die Lücke im eigenen Back-Katalog.

(Foto: Rian Heller)
Ohne despektierlich wirken zu wollen, muss schon festgehalten werden, dass Jazzanova ihren Ruf allen voran durch Remix-Aufträge erlangt haben – dabei waren ihnen Genregrenzen stets ein Graus und so arbeitete sich das Berliner Kollektiv in den vergangenen zwei Dekaden u.a. an Calexico, UFO, 4 Hero und artverwandten Künstlern wie Ian Pooley ab. Beinahe mühelos gelang dabei fast jede Neuinterpretation und doch haperte es 2002 ein wenig, als das erste eigene Werk "In Between" erschien – welches am Ende nicht wirklich die Entwicklung der Band in den voranliegenden Jahren wiederspielte, sondern bewusst neue Wege ausprobierte und dabei leider wirkte, als ob jemand etwas über die Deadline hinaus an den Tracks gearbeitet hätte.
Immerhin schafften Jazzanova 2009 den Turnaround, ersetzen im Studio diverse Samples durch echte Instrumente und holten sich massenhaft Musiker hinzu – um mit dem zweiten Album "Of All The Things" ihre ganz eigene Version von Groove-basierten Soul einzuspielen. Elektronisch klang es somit weniger und natürlich ist man nun erfreut, dass Jazzanova zumindest abseits des Tagesgeschäfts einmal mehr eine Compilation veröffentlichen, welche "Upside Down" betitelt, die liebgewonnene Remix-Kunst des Quintetts der letzten Jahre präsentiert – und sogleich die Lücke schließt, die im Schaffen bislang nicht als Zusammenstellung veröffentlicht wurde.
Jazzanova - "Look What You're Doin' To Me" (Motor City Drum Ensemble Remix)
Spannend sind dabei die Neu-Interpretationen der Songs ihrer letzten Studioplatte: Wie zum Beispiel das im Original sehr nah an den Beatles in ihrer Magical Mystery-Phase angelehnte "Lie (feat. Thief)", welches hier vom Projekt Soldiers Of House umgewandelt wird und ein Uptempo geprägtes Stück Softhouse ergibt. Oder die sachte Balladen-Nummer "Little Bird (feat. José James)", die sich Jazzanova-Mitglied Alex Barck vorknöpft und bei der am Ende schon klar wird, aus welcher Ecke dieses Fünfergespann eigentlich kommt: Aus dem Lounge, der Mitte der Neunziger Jazz-orientiert der heißeste Shit der westlichen Hemisphäre war – und heute an einen wundervollen Tagebucheintrag längst vergangener Zeiten erinnert.
Jazzanova - "Little Bird feat. José James" (Alex Barck Remix) (Snippet)
Was bezogen auf viele weitere Beiträge von "Upside Down" nicht kritisch zu verstehen ist, sondern sich anfühlt, als würde man ein Fotoalbum durchblättern und mit Jazzanova auf alte Bekannte stoßen. Den Hauch kompositorischer Qualität, den gute Remixe stets inne haben, scheinen die Berliner derweil so sehr zu inhalieren, dass man ihnen jedes Traditionsdenken zugesteht – auch dann, wenn klar ist, dass inzwischen andere Acts im Wind der Coolness segeln.
Aber wie das mit den Äpfeln und Birnen so ist, darf "Upside Down" fairerweise auch nur als Jazzanova-Release gewertet werden und aus diesem Standpunkt heraus, sind dem Kollektiv in den vergangen Jahren einmal mehr wundervolle Remixe gelungen.
Marcus Willfroth
VÖ: 30.01.12
Label: Sonar Kollektiv/Alive
Tracklist:
01. Little Bird feat. José James (Alex Barck Remix)
02. Let Me Show Ya feat. Paul Randolph (Henrik Schwarz Remix)
03. Glow & Glare (Âme Remix)
04. I Can See feat. Ben Westbeech (Ye:Solar Remix)
05. Dance The Dance (Atjazz Remix)
06. Lie feat. Thief (Soldiers Of House AB Reworked Remix)
07. Boom Clicky Boom Clack (Mr. Scruff Vocal Mix)
08. Look What You’re Doin’ To Me (Motor City Drum Ensemble Remix)
09. I Can See feat. Ben Westbeech (Midnight Marauders House Your Father Dub)
10. Lucky Girl feat. Paul Randolph (Neve Naive Remix)

(Foto: Rian Heller)
Ohne despektierlich wirken zu wollen, muss schon festgehalten werden, dass Jazzanova ihren Ruf allen voran durch Remix-Aufträge erlangt haben – dabei waren ihnen Genregrenzen stets ein Graus und so arbeitete sich das Berliner Kollektiv in den vergangenen zwei Dekaden u.a. an Calexico, UFO, 4 Hero und artverwandten Künstlern wie Ian Pooley ab. Beinahe mühelos gelang dabei fast jede Neuinterpretation und doch haperte es 2002 ein wenig, als das erste eigene Werk "In Between" erschien – welches am Ende nicht wirklich die Entwicklung der Band in den voranliegenden Jahren wiederspielte, sondern bewusst neue Wege ausprobierte und dabei leider wirkte, als ob jemand etwas über die Deadline hinaus an den Tracks gearbeitet hätte.
Immerhin schafften Jazzanova 2009 den Turnaround, ersetzen im Studio diverse Samples durch echte Instrumente und holten sich massenhaft Musiker hinzu – um mit dem zweiten Album "Of All The Things" ihre ganz eigene Version von Groove-basierten Soul einzuspielen. Elektronisch klang es somit weniger und natürlich ist man nun erfreut, dass Jazzanova zumindest abseits des Tagesgeschäfts einmal mehr eine Compilation veröffentlichen, welche "Upside Down" betitelt, die liebgewonnene Remix-Kunst des Quintetts der letzten Jahre präsentiert – und sogleich die Lücke schließt, die im Schaffen bislang nicht als Zusammenstellung veröffentlicht wurde.
Jazzanova - "Look What You're Doin' To Me" (Motor City Drum Ensemble Remix)
Spannend sind dabei die Neu-Interpretationen der Songs ihrer letzten Studioplatte: Wie zum Beispiel das im Original sehr nah an den Beatles in ihrer Magical Mystery-Phase angelehnte "Lie (feat. Thief)", welches hier vom Projekt Soldiers Of House umgewandelt wird und ein Uptempo geprägtes Stück Softhouse ergibt. Oder die sachte Balladen-Nummer "Little Bird (feat. José James)", die sich Jazzanova-Mitglied Alex Barck vorknöpft und bei der am Ende schon klar wird, aus welcher Ecke dieses Fünfergespann eigentlich kommt: Aus dem Lounge, der Mitte der Neunziger Jazz-orientiert der heißeste Shit der westlichen Hemisphäre war – und heute an einen wundervollen Tagebucheintrag längst vergangener Zeiten erinnert.
Jazzanova - "Little Bird feat. José James" (Alex Barck Remix) (Snippet)
Was bezogen auf viele weitere Beiträge von "Upside Down" nicht kritisch zu verstehen ist, sondern sich anfühlt, als würde man ein Fotoalbum durchblättern und mit Jazzanova auf alte Bekannte stoßen. Den Hauch kompositorischer Qualität, den gute Remixe stets inne haben, scheinen die Berliner derweil so sehr zu inhalieren, dass man ihnen jedes Traditionsdenken zugesteht – auch dann, wenn klar ist, dass inzwischen andere Acts im Wind der Coolness segeln.
Aber wie das mit den Äpfeln und Birnen so ist, darf "Upside Down" fairerweise auch nur als Jazzanova-Release gewertet werden und aus diesem Standpunkt heraus, sind dem Kollektiv in den vergangen Jahren einmal mehr wundervolle Remixe gelungen.
Marcus Willfroth
VÖ: 30.01.12
Label: Sonar Kollektiv/Alive
Tracklist:
01. Little Bird feat. José James (Alex Barck Remix)
02. Let Me Show Ya feat. Paul Randolph (Henrik Schwarz Remix)
03. Glow & Glare (Âme Remix)
04. I Can See feat. Ben Westbeech (Ye:Solar Remix)
05. Dance The Dance (Atjazz Remix)
06. Lie feat. Thief (Soldiers Of House AB Reworked Remix)
07. Boom Clicky Boom Clack (Mr. Scruff Vocal Mix)
08. Look What You’re Doin’ To Me (Motor City Drum Ensemble Remix)
09. I Can See feat. Ben Westbeech (Midnight Marauders House Your Father Dub)
10. Lucky Girl feat. Paul Randolph (Neve Naive Remix)
Links


Also ich finde, alle Remixer haben den Arbeitsauftrag sehr gut erfüllt, die Sachen von Jazzanova völlig auf den Kopf zu stellen, "upside down" halt.
Dass Neve Naive zum Beispiel das Original völlig zerstört und dann mit Miss Flint aus weiblicher Sicht interpretiert haben, ist schon sehr cool.
Mehr zu meiner Sicht auf das Album unter: http://popshot.over-blog.de/article-jazzanova-upside-down-97490296.html
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