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Jennifer Rostock
Jennifer Rostock: PRO & KONTRA: Mit Haut Und Haar
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Erneut hat die Redaktion eine ganze Woche mit sich gerungen; Für und Wider einer Platte abgewogen, die Fans begeistert, viele jedoch auch erschaudern lässt. Der dritte Streich von Jennifer Rostock heißt "Mit Haut Und Haar" und wie es der Titel bereits andeutet, wird man dieses Album wohl entweder lieben oder hassen. Hier nun also unser folgerichtiges PRO und KONTRA:
Dem Titel der Platte erweisen sie alle Ehre: erstmals haben die Berliner den Ideen aller Bandmitglieder Bedeutung beigemessen und dabei weder Kosten noch Mühen gescheut. So wurden kurzerhand zum Neujahr 2011 die Koffer gepackt und New York übergangsweise zur Wahlheimat erklärt. An Produzent Chris Badami (Midtown, The Dillinger Escape Plan) war es dann, den Songs das passende Klanggewand zu verleihen.
Jennifer Rostock - "Mein Mikrofon"
Insgesamt besticht die Platte durch auffallend viel Dynamik. Auf eine Ballade im klassischen Sinne wurde gänzlich verzichtet, wobei Titel wie "Ich kann nicht mehr" und "Zwischen Laken und Lügen" eher an diese Kategorie heranführen sollen. Der Unterschied besteht darin, dass vor allem im Refrain auf rockige, energiegeladene Passagen nicht verzichtet werden sollte. Jennifer Rostock beweisen, dass man Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, Angst und Leid auch ohne (ermüdende) seichte, eintönige Klänge ausdrücken kann und das ganz bewusst: Emotionen stehen für Leidenschaft, die man am besten hinausschreien möchte; ehrlich, wütend und frei von Selbstmitleid ist die Devise, welche hier äußerst gelungen vermittelt wird.
Mit dem Opener "Der Kapitän" und dem darauf folgenden "Mein Mikrofon" rechnet die Band mit der Musikindustrie, ihrer Oberflächlichkeit und dem aufgedrückten Perfektionismus ihrer Vertreter ab. Synthesizer-Einsätze, harte Gitarrenarbeit und energische Drums verdeutlichen den Ärger und den daraus schöpfenden Mut der Band großartig. In "Es war nicht alles schlecht" zeigt die Band ihr volles Potenzial. Frau Weist besingt das Abschließen eines Lebensabschnittes, wobei sie als klare Siegerin hervorgeht und mit ihrem charakterschwachen Gegenüber abrechnet. Der Hörer bekommt ein Gitarrenbrett entgegengeschleudert, das mit kräftigen Drums und verspielten Synthies umso schlagfertiger wird. Höhepunkt des Titels ist der Gastauftritt des Hardcore-Sängers Nico Webers (War From A Harlots Mouth), der mit Jennifer im Duett zum Gänsehaut-lastigen Finale prescht.
Jennifer Rostock - "Es War Nicht Alles Schlecht"
Es fällt schwer, den Sound dieser Band zu beschreiben, denn kreativlos sind diese fünf Berliner keineswegs. Eine Punk-Rock-Pop-Elektro-Platte dürfte es wohl in etwa eingrenzen. Es zeigt, dass so ziemlich Jeder auf seine Kosten kommen kann. Auch bisherige Jennifer Rostock-Fans erkennen eines wieder: die Berliner Schnauze Madame Weists und ihre wunderbar ehrlichen Texte.
Stefanie Deiß
"Ich will mich nicht verschanzen / Ich will tanzen auf den Mauern" heißt es in der ersten Single-Auskopplung "Mein Mikrofon". Niemand verbietet Front-Trompete Jennifer ihre Meinung oder hindert sie an der Äußerung selbiger. Wer sich aber ein Mikrofon vor das Gesicht hält und seine Nichtigkeiten derart hinausposaunt, der kann bedauerlicherweise nur schwer überhört werden. Und einen besonderen Grund, ihr zuzuhören, liefert Fräulein Weist zu kaum einem Zeitpunkt der Platte. Bei einer Steilvorlage wie "Niemand nimmt mir mein Mikrofon!" ist man schlichtweg versucht, in Gedanken ein lapidares "Leider!" anzuhängen. Da der lyrische Auswurf aber eh nicht über das Niveau von "Eckstein, Eckstein, alles muss perfekt sein. Ich pfeif' drauf, ich pfeif' mir lieber noch 'n Sekt rein!" hinauskommt, erübrigt sich jede weitere Analyse. Das steht alles schon ganz gut für sich und wer sich hier intellektuell stimuliert fühlt, dem sei der Spaß am Stück nicht genommen.
Jennifer Rostock - "Der Kapitän"
Musikalisch wagt sich die Kombo wenigstens etwas in ungewohnte Gewässer, wenngleich diese doch genauso seicht bleiben. Neben pop-rockenden, stets vorhersehbaren Dutzend-Songs werden hier und da ein paar mehr Synthies und ungelenk-unterkühlte Electronica-Ausflüge eingestreut. Peinliche Experimente wie die Shouts von War From A Harlots Mouth-Brüllaffe Nico Webers bei "Es war nicht alles schlecht" gibt es noch gratis oben drauf - ganz ehrlich? Jede Whiskas-Werbung vermittelt mehr Aggressivität.
Was den Grad an lyrischer Belanglosigkeit und die Dichte austauschbarer Pop-Stücke anbelangt, unterscheidet Jennifer Rostock letztlich nichts von Silbermond, Juli und Co. Sie bräuchten also nicht weiter so zu tun, als wären sie laut, dreckig und unverstanden. Dafür ist die Präsentation viel zu sauber, der Inhalt viel zu glatt und "Mit Haut Und Haar" insgesamt zu simpel.
Henning Grabow
VÖ: 29.07.2011
Label: Warner Music Group
Tracklist:
01. Der Kapitän
02. Mein Mikrofon
03. Ich kann nicht mehr
04. Lügen haben schöne Beine
05. Es war nicht alles schlecht
06. Insekten im Eis
07. Fuchsteufelswild
08. Wasser bis zum Hals
09. Mach dich aus dem Staub
10. Der Horizont
11. Zwischen Laken und Lügen
12. Hier werd ich nicht alt
Jennifer und Joe. Richtig.
Und was ist mit Rest?
Jemand der vorher nie ein Instrument in der Hand hatte soll authentisch sein? Ich glaube nicht.
Live sehr cool. Rotzig, dreckig, super.
Aber darüber reden wir hier ja nicht.
Es geht um "Haut und Haar".
Gut arrangiert alles, top Stimme.
Aber alles sehr "erwachsen" geworden find ich.
Mh. Alles mehr oder weniger Geschmackssache.
Achja, und dass die Band gecastet ist, wäre mir neu, Jennifer und Joe machen schon seit ihrer Schulzeit zusammen Musik ;o)
Wer Jennifer einmal live erlebt hat (und das sollte man, um zu urteilen), sollte wissen, dass sie laut und dreckig ist. Geil würde ich noch dran hängen. Und authentisch.
Nun ja. Zunächst einmal sind die Umstände, die zu einem Album oder Gründung einer Band führen sekundär. Überzeugen kann es ja möglicherweise trotzdem..da ist es mir persönlich dann auch erstmal egal, wer da was kontrolliert. Doch das Ergebnis ist hier einfach..lächerlich. Und ärgerlich. Folgerichtig gibt's Kontra :) Jedenfalls vielen Dank für die Anmerkung und das Lob. Es geht immer weiter! ;)
...gute Rezension,doch teilweise zu oberflächlich analysiert. Erst zum Schluß der Contra-Seite kommt wirklich etwas Contra. Vielleicht sollte man doch mal erwähnen das diese Band gecastet ist, der Bassist vorher nie einen Bass in der Hand hatte und sowieso alles kontrolliert wird von einigen wenigen Köpfen bei Warner Music.
Richtig erkannt: "unterscheidet Jennifer Rostock letztlich nichts von Silbermond, Juli und Co. Sie bräuchten also nicht weiter so zu tun, als wären sie laut, dreckig und unverstanden. Dafür ist die Präsentation viel zu sauber, der Inhalt viel zu glatt und "Mit Und Haar" insgesamt zu simpel."
Weitermachen Herr Grabow! :)





Hallo Hanswurst-bin zufällig hier gelandet. Du scheinst dich im Metier gut auszukennen; bemängelst oberflächliche Analyse. Die Bandmitglieder von JR sind deiner intensiven Recherche nach also einfach so vom Himmel gefallen!
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