Hahnenkampf

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2005 veröffentlichten K.I.Z. ihr Debütalbum 'Das Rapdeutschlandkettensägenmassaker' und legten schon ein Jahr später 'Böhse Enkelz' nach. In dem Takt haben die Berliner fleißig weitergearbeitet, so dass nun bereits 'Hahnenkampf' folgt.
Tarek, Nico aka Euro 8000, Maxim und Sil-Yan aka DJ Craft behalten dabei die altbewährten Zutaten einfach bei: Humor, Provokation, Sex und Gewalt.

Schnell mal in komprimierter Form präsentiert wird das Ganze auf der ersten Single 'Geld Essen': „Du heulst 'rum, wenn einer Nutte oder Hurensohn sagt. Bist neidisch, weil ich deine Alte mit'm Nudelholz jag./ Was würden wir tun, wenn wir diese Fans nicht hätten, die das dritte Album kaufen, auf dem wir ausschließlich über Schwänze rappen.“

Neu ist das natürlich nicht. So beenden sie zum Beispiel bei 'Böhses Mädchen' den eigenen Text mit einem Zitat aus dem Stück 'Pimplegioneah' von Kool Savas, das fast zehn Jahre alt ist: „Ich wollt ein böses Mädchen, doch muss anfangen uffzupassen./ Sie wird zu böse. Ich hab langsam Angst, Schluss zu machen./ Ich sehe es schon kommen. Diese Frau ist ’ne Bekloppte./ [Sample:] Wenn ich sterbe, dann zumindest mit dem Puller in 'ner Fotze.“

Das Konzept geht allerdings mal mehr, mal weniger gut auf. Einige Stücke wie 'Spast' oder 'Seekuh' wirken einfach nur so runtergenudelt. Hingegen können sie insbesondere mit den Titeln punkten, die sich einzelne Themen vorknöpfen wie 'Klassenfahrt' oder 'Pauch It'. Bei dem einen machen sie einen Ausflug von der Großstadt ins Schullandheim, bei dem anderen nehmen sie Fans der Kippe auf die Schippe: „Schau, wie ich jeden Zeitungsladenbesitzer grüße./ Ich bin sexy, gelbe Zähne, gelbe Finger, schwarze Füße!

Mehr davon und K.I.Z. könnten vielleicht wirklich „Motörhead auf Beats“ oder „Die Ärzte des Rap“ werden, wie ihr Presseinfo vollmundig ankündigt. Noch rappen sie aber tatsächlich eher wie bei einem Hahnenkampf. Es wird sich nur ordentlich aufgeplustert, um das Gegenüber zu erschrecken.

Text: Holger Köhler

VÖ: 24.08.2007

Label: Universal

Tracklist:
01 Geld Essen (Ausgestopfte Rapper)
02 Klassenfahrt
03 Spast
04 Böhses Mädchen
05 Hahnenkampf
06 Lass Uns Feiern
07 11. Plage
08 Whirlpool
09 Wenn Es Brennt
10 Pauch It
11 Der Schöne Und Das Biest
12 Walpurgisnacht
13 Schwarz, Rot, Geld
14 Ellenbogengesellschaft (Pogen)
15 Herbstzeitblätter
16 Seekuh
17 Neuruppin
18 Der Durch Die Tür Geher
19 Klassenfahrt
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holger.köhler
holger.köhler vor 1754d 20h 

Sehr geehrte(r) blabla,

die Worte „so gut wie“ sollen bei meinem Kommentar anzeigen, dass sich K.I.Z. auch auf Gangsta HipHop beziehen, allerdings nur in für mein Verständnis geringem Maße. Battle Rap und Gangsta HipHop haben natürlich Überschneidungen, wobei sich K.I.Z. wohl er im Battle-Umfeld bewegen.

Die von Ihnen aufgeführten Beispiele zeigen natürlich gerade die Gangster-Bezüge auf. Dazu muss ich allerdings sagen, dass die erwähnte Zeile bei 'Geld Essen' auf der Promo-Version ausgeblendet war. Im Interview für die Backspin # 87 (August 2007) sagt Tarek, dass er „Ich-stech-dich-ab-HipHop“ wenigsten noch zum Trainieren hören könne, auf Spaßrap aber allergisch reagiere.

„Echte Gangster“ wie Bushido machen übrigens weder Rap noch brauchen sie Ketten, wie er in ’Nie Ein Rapper’ erklärt: „Denn ich war nie ein Rapper – ich trage nur Sachen, die passen./ Ein echter Mann braucht keine Kette, um den Harten zu machen. […].Denn ich war nie ein Rapper – und bin es immer noch nicht!“ Zudem gehört Kollegah bei Myspace zu ihren Topfreunden. K.I.Z. sind also demnach eher die längst fällige Dekonstruktion des deutschen Spaßrap! ;-)

Im Endeffekt spielt es aber absolut keine Rolle, ob sie sich zu 14 oder 33 oder 25 oder 47 Prozent auf Gangster HipHop beziehen. Es ist auf jeden Fall nicht das einzige und entscheidende Genre für sie. Letztendlich geht es bei der Rezension auch nicht um eine wissenschaftliche Analyse, sondern um eine persönliche Einschätzung der Platte. Der Leser muss dann schon selbst entscheiden, ob sie seinen Geschmack treffen könnte. Wobei ich davon überzeugt bin, dass dabei mein Text durchaus hilfreich ist.

Abschließend muss ich übrigens sagen, dass mir diese kritische Auseinandersetzung mit meiner Kritik sehr viel Spaß macht. 'Herbstzeitblätter' habe ich mir nur deswegen noch mal angehört und muss sagen, dass es wirklich sehr lustig ist – mehr aber eben auch nicht.

Wenn mir also noch jemand einzelne Titel ans Herz legen will, bitte hier Vorschläge machen.

antworten

blabla
blabla vor 1755d 15h 

Herr Holger Köhler,

haben Sie das Album gehört?
KIZ beziehen sich nicht auf das Gangsta Genre? Bitte?
Was Sie als Aufplustern bezeichnen entspringt doch direkt der ganzen Art des Battle-Rap, die unheimlich stark mit dem Gangsta Rap verwoben ist!
Ob der Chorus der Single "Geld Essen" ohne die Idee des Gangsta Rap es durch Geldmachen "zu etwas zu b ringen" so wäre wie sie ist, ist ebenfalls mehr als fraglich! Mal ganz abgesehen von der  ganzen  Wortwahl von KIZ  (Gang, ...), der Verarsche von Gangster Rappern wie Bushido, Fler und Kollegah in "Herbstzeitblätter" und so eindeutigen Bezügen wie:
"Kugeln treffen mich nicht, weil ich siebzig Goldketten trage." (Tarek in Geld Essen)

antworten

holger.köhler
holger.köhler vor 1762d 2h 

Sehr geehrte(r) jts,

bitte entschuldigen Sie die späte Rückmeldung.

Zuerst einmal herzlichen Dank für Ihren sachdienlichen Hinweis. Leider konnte ich Ihrem Schreiben nicht klar entnehmen, welches Anliegen Sie genau haben. Vielleicht haben Sie meine Rezension aber auch nicht verstanden?

- „Rumgeprolle“ und „Sarkasmus“ werden meiner Meinung nach bei mir mit den Begriffen „Provokation“ und „Humor“ umschrieben.

- Natürlich lese ich andere Rezensionen und Interviews. Meine eigene Wortwahl des von Ihnen zitierten Satzes ist durch das Interview in der Juice 07/2007 inspiriert. Darin sagt Maxim: „Das Bild eines Hahnenkampfes ist einfach passend, wenn es um HipHop geht. Dieses Aufplustern ist herrlich und lächerlich zugleich.“

- Wenn Sie diese Spiegel-Kritik  meinen, würde ich behaupten, dass diese etwas übers Ziel hinaus schießt. K.I.Z. sind weder die „Dekonstruktion des deutschen Gangsta HipHop“, noch wollen sie es sein. Diese Annahme ist meiner Meinung nach zu verkopft und geht daran vorbei, dass K.I.Z. sich so gut wie gar nicht auf dieses Genre beziehen.

- Grundsätzlich sollte es bei Musik nie darum gehen, sie zu „verstehen“, sondern etwas zu fühlen. Leider lösen einige Stücke von K.I.Z. bei mir nur Gähnen aus, während ich andere gerne abfeiere.

Soviel zur „Message“ meiner Rezension.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Holger K. Köhler

antworten

jts
jts vor 1767d 10h 

Holger Köhler, vielleicht solltest du das Album nochmal hören oder dir ggf. andere Rezensionen durchlesen. Scheinbar hast du die Message nicht wirklich verstanden.

Es wird sich ordentlich aufgeplustert

Das Album ist ein einziges "Rumgeprolle", aber irgendwie ist doch auch bekannt es vor Sarkasmus nur so trozt, oder?

Der Rezensist von spiegel online hat das Album jedenfalls verstanden ...

antworten

holger.köhler
holger.köhler vor 1769d 12h 

Hi,

wer übrigens das geniale "Hölle" sucht, sollte unbedingt http://www.royalbunker.de/audio/ für den kostenlosen Download checken. 

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