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Kaiser Chiefs
Kaiser Chiefs: The Future Is Medieval
Weder Fisch noch Fleisch, weder Ballermann noch Opernball; "The Future Is Medieval" will alles sein und ist deshalb irgendwie nichts.

Nach ihrem 2005er Debüt-Hit "Employment" schworen die Kaiser Chiefs Stein und Bein, dass sie nur zwei Alben veröffentlichen werden. Danach sei Schluss. Bereits mit "Yours Truly, Angry Mob", spätestens jedoch mit dem Bruch ihres Schwures, dem 2008 erschienenen "Off With Their Heads", hätte es manch ein Hörer bestimmt lieber gesehen, wenn sich die Herren an dieses Vorhaben gehalten hätten. Zu experimentell, zu dünn, zu sehr gewollt und nicht gekonnt war das, was die Kaiser Chiefs zuletzt anboten. Was folgte, waren drei Jahre Stille und dann vor kurzem die plötzliche Rückkehr mit dem Marketing-Gag des Jahres. Nachdem die Fans zu Gesellschaftern umfunktioniert und dazu angehalten wurden, ihr eigenes Kaiser Chiefs-Album zu basteln, kommt der Fünfer aus Leeds nun doch noch mit einem "offiziellen" Langspieler daher. Und diesem hört man das Bemühen, zu alter Stärke zurückzufinden, jederzeit an.
Es sei vorweg bemerkt, dass ihnen das nicht so recht gelingen mag. Die dreizehn neuen Songs sind kein neues "Employment". Auch gibt es hier keinen Song wie "Ruby", in dessen bierseelige Da-Da-Da's jedwede Ballermann-Brut noch mit einstimmen kann, egal in welchem Zustand sie sich befindet. Ob den Kaiser Chiefs Smash-Hits dieser Art einfach nicht mehr gelingen oder sie Alben wie ihren Erstling ganz bewusst nicht reproduzieren wollen, muss offen bleiben. Mit "The Future Is Medieval" versuchen sie sich jedenfalls an der Durchexerzierung sämtlicher Jahrzehnte des Britpop. Das Resultat klingt inzwischen mehr nach seinen Referenzen, als nach etwas Eigenständigem: Man hört Maximo Park in den rockigen Passagen, Hard-Fi in den poppigeren. Darüber hinaus aber auch des Öfteren Blur oder Oasis. Das Problem dabei: zitieren will gelernt sein. Natürlich kann sich jeder irgendwie mit den Beatles anfreunden, deshalb muss "When All Is Quiet" aber noch längst nicht dermaßen nach einem billigen Cover der Liverpooler Pilzköpfe klingen.
Kaiser Chiefs - "Little Shocks"
Und doch: diese Stunde Musik hinterlässt bisweilen sogar einen irgendwie gereiften Eindruck. Teils schleppend und sogar nachdenklich bis düster winden sich die Melodien eher langsam ins Bewusstsein. Nur selten drängt sich ein Stück so auf wie "Dead Or In Serious Trouble". Oft brodelt die Essenz eines Tracks dicht unter der Oberfläche, stets kurz vor der Eruption stehend, welche aber nicht mehr so selbstverständlich folgt, wie früher. Den Dingen wird inzwischen mehr Raum gegeben, einem Stück auch mal experimentell angehauchte Interludes oder kleine Details gestattet, die in einem Straßenfeger wie "I Predict A Riot" seinerzeit einfach untergegangen wären. Seien es die verspielten Gitarren in der Strophe des durchaus gelungenen "Long Way From Celebrating" oder die von Drummer Nick Hodgson gesungene Ballade "If You Will Have Me" am Ende des Albums: Die Kaiser Chiefs erlauben sich erstaunliche und manchmal sogar gelungene Experimente. Diese täuschen allerdings häufig eine Tiefe vor, welche der Grundstruktur der meisten Songs einfach nicht entspricht. Das klingt dann eben doch wieder nach gewollt und nicht gekonnt. Hinzu kommen unerträgliche Totalausfälle wie das furchtbar cheesige "Heard It Break" mit seiner unendlich stupiden und synthetischen 80er-Jahre-Sound-"Ästhetik". Als kosmetische Korrektur gedacht, geht diese Operation gründlich schief und hinterlässt nur noch eine entstellte Fratze von Song.
Kaiser Chiefs - "Dead Or In Serious Trouble"
Es steht zu befürchten, dass die Kaiser Chiefs mit "The Future Is Medieval" weder Fans ihrer alten Hits noch neue Hörerschichten werden überzeugen können. Jeder Band sei die Weiterentwicklung zugestanden, jedoch: zu bemüht wirkt die Stilvielfalt, zu vorhersehbar der rückwärts gewandte Griff in die Trickkiste des Britpop-Fundus. Vielleicht hat sich das Quintett aus Leeds etwas zu sehr der Bastel-Idee hingegeben. Wenn man schon collagiert, sollte nie der Blick für das Gesamtbild verloren gehen.
Henning Grabow
VÖ: 01.07.11
Label: Polydor (Universal)
Tracklist:
1. Little Shocks
2. Things Change
3. Long Way From Celebrating
4. Starts With Nothing
5. Out Of Focus
6. Dead Or In Serious Trouble
7. When All Is Quiet
8. Kinda Girl You Are
9. Man On Mars
10. Child Of The Jago
11. Heard It Break
12. Coming Up For Air
13. If You Will Have Me

Nach ihrem 2005er Debüt-Hit "Employment" schworen die Kaiser Chiefs Stein und Bein, dass sie nur zwei Alben veröffentlichen werden. Danach sei Schluss. Bereits mit "Yours Truly, Angry Mob", spätestens jedoch mit dem Bruch ihres Schwures, dem 2008 erschienenen "Off With Their Heads", hätte es manch ein Hörer bestimmt lieber gesehen, wenn sich die Herren an dieses Vorhaben gehalten hätten. Zu experimentell, zu dünn, zu sehr gewollt und nicht gekonnt war das, was die Kaiser Chiefs zuletzt anboten. Was folgte, waren drei Jahre Stille und dann vor kurzem die plötzliche Rückkehr mit dem Marketing-Gag des Jahres. Nachdem die Fans zu Gesellschaftern umfunktioniert und dazu angehalten wurden, ihr eigenes Kaiser Chiefs-Album zu basteln, kommt der Fünfer aus Leeds nun doch noch mit einem "offiziellen" Langspieler daher. Und diesem hört man das Bemühen, zu alter Stärke zurückzufinden, jederzeit an.
Es sei vorweg bemerkt, dass ihnen das nicht so recht gelingen mag. Die dreizehn neuen Songs sind kein neues "Employment". Auch gibt es hier keinen Song wie "Ruby", in dessen bierseelige Da-Da-Da's jedwede Ballermann-Brut noch mit einstimmen kann, egal in welchem Zustand sie sich befindet. Ob den Kaiser Chiefs Smash-Hits dieser Art einfach nicht mehr gelingen oder sie Alben wie ihren Erstling ganz bewusst nicht reproduzieren wollen, muss offen bleiben. Mit "The Future Is Medieval" versuchen sie sich jedenfalls an der Durchexerzierung sämtlicher Jahrzehnte des Britpop. Das Resultat klingt inzwischen mehr nach seinen Referenzen, als nach etwas Eigenständigem: Man hört Maximo Park in den rockigen Passagen, Hard-Fi in den poppigeren. Darüber hinaus aber auch des Öfteren Blur oder Oasis. Das Problem dabei: zitieren will gelernt sein. Natürlich kann sich jeder irgendwie mit den Beatles anfreunden, deshalb muss "When All Is Quiet" aber noch längst nicht dermaßen nach einem billigen Cover der Liverpooler Pilzköpfe klingen.
Kaiser Chiefs - "Little Shocks"
Und doch: diese Stunde Musik hinterlässt bisweilen sogar einen irgendwie gereiften Eindruck. Teils schleppend und sogar nachdenklich bis düster winden sich die Melodien eher langsam ins Bewusstsein. Nur selten drängt sich ein Stück so auf wie "Dead Or In Serious Trouble". Oft brodelt die Essenz eines Tracks dicht unter der Oberfläche, stets kurz vor der Eruption stehend, welche aber nicht mehr so selbstverständlich folgt, wie früher. Den Dingen wird inzwischen mehr Raum gegeben, einem Stück auch mal experimentell angehauchte Interludes oder kleine Details gestattet, die in einem Straßenfeger wie "I Predict A Riot" seinerzeit einfach untergegangen wären. Seien es die verspielten Gitarren in der Strophe des durchaus gelungenen "Long Way From Celebrating" oder die von Drummer Nick Hodgson gesungene Ballade "If You Will Have Me" am Ende des Albums: Die Kaiser Chiefs erlauben sich erstaunliche und manchmal sogar gelungene Experimente. Diese täuschen allerdings häufig eine Tiefe vor, welche der Grundstruktur der meisten Songs einfach nicht entspricht. Das klingt dann eben doch wieder nach gewollt und nicht gekonnt. Hinzu kommen unerträgliche Totalausfälle wie das furchtbar cheesige "Heard It Break" mit seiner unendlich stupiden und synthetischen 80er-Jahre-Sound-"Ästhetik". Als kosmetische Korrektur gedacht, geht diese Operation gründlich schief und hinterlässt nur noch eine entstellte Fratze von Song.
Kaiser Chiefs - "Dead Or In Serious Trouble"
Es steht zu befürchten, dass die Kaiser Chiefs mit "The Future Is Medieval" weder Fans ihrer alten Hits noch neue Hörerschichten werden überzeugen können. Jeder Band sei die Weiterentwicklung zugestanden, jedoch: zu bemüht wirkt die Stilvielfalt, zu vorhersehbar der rückwärts gewandte Griff in die Trickkiste des Britpop-Fundus. Vielleicht hat sich das Quintett aus Leeds etwas zu sehr der Bastel-Idee hingegeben. Wenn man schon collagiert, sollte nie der Blick für das Gesamtbild verloren gehen.
Henning Grabow
VÖ: 01.07.11
Label: Polydor (Universal)
Tracklist:
1. Little Shocks
2. Things Change
3. Long Way From Celebrating
4. Starts With Nothing
5. Out Of Focus
6. Dead Or In Serious Trouble
7. When All Is Quiet
8. Kinda Girl You Are
9. Man On Mars
10. Child Of The Jago
11. Heard It Break
12. Coming Up For Air
13. If You Will Have Me
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