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Keane
Keane: Night Train EP
Es fährt ein Zug nach irgendwo – Keane verlieren sich in musikalischer Beliebigkeit und Soundspielereien.

Keane erlebten seit ihrer Gründung das, was man als Coldplayisierung bezeichnen könnte. Ähnlich wie Chris Martin und Co. wurden sie mit ihrer ersten Single „Somewhere Only We Know“ – zumindest in Deutschland –, noch als Geheimtipp gehandelt, der sogar bei Charlotte Roches „Fast Forward“ gefeaturet wurde. Nach der Veröffentlichung des Debüts „Hopes And Fears“, das durch schöne Popmelodien und vor allem den Verzicht auf jegliche Gitarren bestach, ging es straight Richtung große Arenen, inklusive feuerzeugschwenkender Sekretärinnen in der ersten Reihe. Diese ließen sich auch vom relativ düsteren Zweitling „Under The Iron Sea“ nicht abschrecken und wurden mit dem jüngsten Werk, dem vor allem aus 80ies-Verirrungen bestehenden „Perfect Symmetry“, wieder besser bedient. In wenigen Jahren von schüchternen Indiepoppern zu Stadionmusikern mit großen Gesten – doch ähnlich wie bei Coldplay schienen Keane dabei ihre Seele ein wenig verloren zu haben.
Wo bereits das letzte Album eine gewisse Unentschlossenheit und vielleicht auch Unsicherheit über den weiteren musikalischen Weg des Trios zu dokumentieren schien, setzt sich dies auch auf der aktuellen EP „Night Train“ fort. Zwischen dem pianolastigen Pop des Debüts und der synthiegeschwängerten Retroatmosphäre von „Perfect Symmetry“ changierend, wirkt die Platte ziellos. Sie schwebt im luftleeren Raum, ohne eine erkennbare Haftung an eine stringente Idee oder einen Soundentwurf zu besitzen. Verkrampft und gewollt progressiv wirkt dabei der Versuch, neuen Input einzubauen – auf zwei Stücken ist der HipHopper K’naan zu hören. Doch auch diese Tracks – bei „Looking Back“ wurde gar ein Sample des „Rocky“-Titelthemas verwendet – wirken zu gewollt.
Wie von einer Band, die es allen Recht machen will, den HipHopper genauso wie den Indierocker und den Discotänzer abholen will, aber dabei keinem der genannten gerecht wird. „Your Love“ verliert sich in dicker Keyboard-Cheesiness, „Ishin Denshin (You’ve Got To Help Yourself)“ zusammen mit der japanischen Baile-Funk-Rapperin Tigarah erinnert von der Instrumentierung her fast an ein Stück der Flippers. Einzig „Clear Skies“ weiß zu überzeugen, indem es sich auf eine Akustikgitarre verlässt und die Synthesizer zurückhaltend einsetzt, was dem Song sehr zugute kommt.
Coldplay besannen sich bei ihrem letzten Album wieder auf frühere Stärken, Keane scheinen sich immer mehr von ihnen zu entfernen. Weder die Klarheit des ersten noch die umwallende Melancholie des zweiten Albums sind mehr zu finden. Die Band verliert sich in Soundspielereien und Möchtegern-Innovationen, bei denen das aus dem Fokus gerät, was wirklich zählt – gutes Songwriting.
Eric Bauer
VÖ: 07.05.2010
Label: Universal
Tracklist:
01. House Lights
02. Back In Time
03. Stop For A Minute (feat. K'naan)
04. Clear Skies
05. Ishin Denshin (You've Got To Help Yourself) (feat. Tigarah)
06. Your Love
07. Looking Back (feat. K'naan)
08. My Shadow

Keane erlebten seit ihrer Gründung das, was man als Coldplayisierung bezeichnen könnte. Ähnlich wie Chris Martin und Co. wurden sie mit ihrer ersten Single „Somewhere Only We Know“ – zumindest in Deutschland –, noch als Geheimtipp gehandelt, der sogar bei Charlotte Roches „Fast Forward“ gefeaturet wurde. Nach der Veröffentlichung des Debüts „Hopes And Fears“, das durch schöne Popmelodien und vor allem den Verzicht auf jegliche Gitarren bestach, ging es straight Richtung große Arenen, inklusive feuerzeugschwenkender Sekretärinnen in der ersten Reihe. Diese ließen sich auch vom relativ düsteren Zweitling „Under The Iron Sea“ nicht abschrecken und wurden mit dem jüngsten Werk, dem vor allem aus 80ies-Verirrungen bestehenden „Perfect Symmetry“, wieder besser bedient. In wenigen Jahren von schüchternen Indiepoppern zu Stadionmusikern mit großen Gesten – doch ähnlich wie bei Coldplay schienen Keane dabei ihre Seele ein wenig verloren zu haben.
Wo bereits das letzte Album eine gewisse Unentschlossenheit und vielleicht auch Unsicherheit über den weiteren musikalischen Weg des Trios zu dokumentieren schien, setzt sich dies auch auf der aktuellen EP „Night Train“ fort. Zwischen dem pianolastigen Pop des Debüts und der synthiegeschwängerten Retroatmosphäre von „Perfect Symmetry“ changierend, wirkt die Platte ziellos. Sie schwebt im luftleeren Raum, ohne eine erkennbare Haftung an eine stringente Idee oder einen Soundentwurf zu besitzen. Verkrampft und gewollt progressiv wirkt dabei der Versuch, neuen Input einzubauen – auf zwei Stücken ist der HipHopper K’naan zu hören. Doch auch diese Tracks – bei „Looking Back“ wurde gar ein Sample des „Rocky“-Titelthemas verwendet – wirken zu gewollt.
Wie von einer Band, die es allen Recht machen will, den HipHopper genauso wie den Indierocker und den Discotänzer abholen will, aber dabei keinem der genannten gerecht wird. „Your Love“ verliert sich in dicker Keyboard-Cheesiness, „Ishin Denshin (You’ve Got To Help Yourself)“ zusammen mit der japanischen Baile-Funk-Rapperin Tigarah erinnert von der Instrumentierung her fast an ein Stück der Flippers. Einzig „Clear Skies“ weiß zu überzeugen, indem es sich auf eine Akustikgitarre verlässt und die Synthesizer zurückhaltend einsetzt, was dem Song sehr zugute kommt.
Coldplay besannen sich bei ihrem letzten Album wieder auf frühere Stärken, Keane scheinen sich immer mehr von ihnen zu entfernen. Weder die Klarheit des ersten noch die umwallende Melancholie des zweiten Albums sind mehr zu finden. Die Band verliert sich in Soundspielereien und Möchtegern-Innovationen, bei denen das aus dem Fokus gerät, was wirklich zählt – gutes Songwriting.
Eric Bauer
VÖ: 07.05.2010
Label: Universal
Tracklist:
01. House Lights
02. Back In Time
03. Stop For A Minute (feat. K'naan)
04. Clear Skies
05. Ishin Denshin (You've Got To Help Yourself) (feat. Tigarah)
06. Your Love
07. Looking Back (feat. K'naan)
08. My Shadow
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