Kings Of Leon sind eine große Band. Dass sie jedoch all ihre Experimentierfreude verloren haben, beweisen sie nun mit „Come Around Sundown“.



Ihr fünftes Album „Come Around Sundown“ soll sie zurück zu ihren Wurzeln führen. Das heißt aber nicht, dass Kings of Leon wieder so klingen wie zu alten „Youth And Young Manhood“- Zeiten. Der Erfolg hat ihre Musik verändert, vielleicht wurde sie auch von selbst massentauglicher - wahrscheinlich war es letztendlich eine Symbiose aus beidem. Nach ihrem Zweitling „Aha Shake Heartbreak“ wurde die Band plötzlich glatter und damit der Erfolg größer. Was folgte, wissen wir. Sie verloren viele Fans, umso mehr jedoch kamen dazu. Die Kings Of Leon werden wohl nie mehr das sein, was sie einmal waren - jedenfalls vorerst nicht. Also betrachte man sie als eine große und erfolgreiche, stadienfüllende Rockband, die auf allen Radiosendern zwischen Titeln diverser Popsternchen hoch und runter läuft, die ihr Image auf Kosten ihrer Kreativität geändert und den vergangenen Tagen immer mehr den Rücken zugewendet hat. Sehen wir sie nicht mehr als diese vier Kerle mit langen Haaren, Bärten, bluesigen Rocksongs und einer rotzigen Attitüde. Denn das sind sie schon lange nicht mehr.

Die große Rockband Kings Of Leon hat 2010 kein gelungenes Album, sondern nur noch eine gute Single zu bieten. Das schnelle Tremolo am Beginn von „Radioactive“ nimmt den Hörer sofort gefangen. Der Song entstand noch zu „Aha Shake Heartbreak“-Zeiten und ist einer dieser typischen, packenden Kings Of Leon-Powersongs. Außerdem stellt „Radioactive“ die auf dem Album oft thematisierte Heimatverbundenheit der Band sofort in den Vordergrund: „It's in the water/ It's where you came from“, singt Caleb Followill im Refrain über einen Spiritual, der den Geschwistern schon seit Kindertagen vertraut ist. „Pyro“, auf der Platte direkt nach „Radioactive“, wiederum stellt hier den neuen Sound der Band dar. Eine Ballade über einen Menschen, der die Welt, in der er lebt, nicht perfekt findet und sie deswegen niederbrennt. Hochmütig steht dieser Track am Anfang ihres neuesten Werkes. Bei der letzten Bridge zum finalen Refrain, verstummen langsam alle Instrumente, Calebs klagende Stimme singt über der letzten ausklingenden Note „Watch her roll/ can you feel it...“. Dann tosen die Gitarren und das Schlagzeug wieder los. Man kann sich die Band geradezu bei einem Gig in einer übergroßen, ausverkauften Halle vorstellen, die im richtigen Moment in grelles Licht getaucht wird, während Glitzer von der Decke fällt und die Massen toben.

Kings Of Leon - "Radioactive"


Bis auf diese zwei Songs jedoch, finden sich auf „Come Around Sundown“ kaum Titel, die hängen bleiben. Ein Großteil der Spielzeit plätschert nur unscheinbar dahin, als dass sie den Hörer wirklich gefangen nimmt. Auf „Because Of The Times“ waren Kings Of Leon noch mutig, experimentierten mit Sound, Zählzeiten, Effekten und progressivem Zusammenspiel. Sie verliehen ihren Gitarren Druck, neigten stets zu Überraschungen und präsentierten die charakteristische Stimme des Frontmanns gelegentlich auch noch von einer rauen Seite. Im Vergleich dazu trauen sie sich heute mit „Come Around Sundown“ überhaupt nichts mehr. Die Platte ist nur insoweit experimentell, dass sich auf ihr wirklich Country-Klänge inklusive Geigen, Mundharmonikas und Slide-Gitarren finden. Vor allem der Song „Back Down South“ ist eine Ode an dieses Genre und behandelt die Rückkehr in die alte Heimat der Jungs. Für eine Band, die solch einen großen Erfolg vorweisen kann und seit Jahren nur unterwegs ist, ist dies nach wie vor ein wichtiges Thema. „Babe I'm kicking off now/ If you want to go I'm gonna go/ I'm going back down south now“, singt Caleb erst solo, später dann mit ganzer Band und Crew. Eine große Familienbande sind sie und das gute alte Tennessee liegt ihnen immer noch am Herzen. So heißt es in „The Face“ auch „If you give up New York/ I'll give you Tennessee/ The only place to be.“ Viele der Texte handeln vom Reisen und dem Heimkommen, dem Weggehen, dem Zusammensein und dem Leben irgendwo. Kings Of Leon scheinen nicht zur Ruhe zu kommen.

Trotz aller Enttäuschung leuchten dennoch zeitweise Hoffnungsschimmer auf: Der letzte Titel „Pick Up Truck“ ist ein verschlafenes Stück mit einer Basslinie im Vordergrund. Es erinnert an alte Qualitäten - ein starker Refrain, spärlich instrumentierte Strophen mit starker Stimme. Doch über die alten Zeiten wollten wir ja nicht mehr reden. Immerhin: Kings of Leon haben versucht ihr Spektrum zu erweitern. Doch leider bleibt es bei dem Versuch. Und dieser scheitert in seiner poppigen Belanglosigkeit, die sich nach Innovation und Experimenten sehnt und noch nicht einmal mit den Stadionrock-Qualitäten des Vorgängers mithalten kann.

Laureen Kornemann


: 15.10.2010

Label: Sony Music

Tracklist:

01. The End
02. Radioactive
03. Pyro
04. Mary
05. The Face
06. The Immortals
07. Back Down South
08. Beach Side
09. No Money
10. Pony Up
11. Birthday
12. Mi Amigo
13. Pickup Truck

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robbbi vor 213d 3h 

bin gerade auf etwas sehr cooles gestoßen.
das unternehmen bene büromöbel lässt von anderen firmen jedes monat eine playlist zusammenstellen, die einem den büroalltag verschönern soll. dabei stehen alle ausgewählen songs zum kostenlosen download zur verfügung.
viel spaß damit ;)

http://bene.com/bueromoebel/bene-office.playlist-by-reinhard-herok-gugler/

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