"Es ist immer noch beschissen!" - KORN im Interview

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KORN-Gitarrist James "Munky" Shaffer über das Musikbusiness, das neue KORN-Album "III: Remember Who U Are", den Ex-KORN-Bassisten Brian "Head" Welch und sein Nebenprojekt "Fear An The Nervous System".

Foto: Ben Pakalski

Die Nu-Metaller von KORN gaben sich am 2. Oktober 2010 im m:congress Center Rosengarten in Mannheim die Ehre. Die US-Amerikaner veröffentlichten im Frühjahr ihr neuntes Studioalbum "III-Remember Who U Are". motor.de hat den KORN-Gitarristen James "Munky" Scheffer getroffen und viel mit ihm gelacht - aber lest selbst.

motor.de: Euer neues Album trägt den Namen "III: Remember Who U Are". War es einfach, euch daran zu erinnern, wer ihr seid?

Munky:
(Überlegt) Ich denke es war eher so, dass wir darüber nicht groß nachgedacht haben - wir haben einfach das gespielt was wir gefühlt haben. Das ganze Herumexperimentieren mit Instrumenten, Arrangements, Sounds und dem ganzen Kram - es fühlte sich eher so an, als würden wir nochmal von vorne anfangen. Einfach nur Gitarre, Bass und Schlagzeug. Das war uns wichtig.

motor.de: Der Fokus lag also ganz puristisch nur auf Gitarre, Bass und Drums?

Munky: Ja. Das ist dieser „Grundsound“ von den ersten zwei Alben, der die Band eigentlich immer ausmachte. Das ist der Sound, auf den wir es wieder reduzieren wollten.
Es war echt ne Herausforderung an diesem Punkt über bestimmte Dinge nachzudenken, es aber eben gleichzeitig nicht überzubewerten und zu „Zerdenken“. Wir haben versucht, uns daran zu erinnern, wie es ist, aus dem Herzen heraus zu spielen, aus dem Gefühl heraus. Es geht mehr darum, eine Energie einzufangen und die dann genau so rüberzubringen.

motor.de:
Das Album ist sowohl positiv als auch negativ aufgenommen worden. Die einen sagen, dass ihr zu euren Wurzeln zurückgekehrt seid und wieder nach Nu Metal klingt. Andere wiederum behaupten, dass ihr etwas versucht habt, was ihr gar nicht könnt - was ist deine Meinung dazu? Denkst du, alles war so richtig, wie ihr es gemacht habt?

Munky: Immer wenn man eine CD aufnimmt, fängt man an, es zu hören und daran rumzukritisieren, nach dem Motto: Hätte ich das und das nur anders gemacht, oder das könnte noch besser klingen usw. Ich denke wir haben das erreicht, was wir wollten - für den Moment. Auch das Spielen mit unserem neuen Drummer eröffnete eine Art der kreativen Kommunikation zwischen ihm, mir, Fieldy und Jonathan. Weil das unser erstes Album war, das wir mit Ray aufgenommen haben - und genau das schafft eben eine gute Basis, um einen Neuanfang zu wagen.

Foto: Ben Pakalski

motor.de: Du hast gerade Ray erwähnt. Er galt aber zunächst nicht als festes Bandmitglied, sondern hat erstmal „nur so“ Schlagzeug bei euch gespielt? Warum hat es solange gedauert, bis er wirklich als vollwertiges neues Mitglied akzeptiert wurde?


Munky: Nun, ich denke, die fünf original Bandmitglieder - das ist schon was Besonderes. Ich glaube nicht, dass irgend jemand zu 100 Prozent ersetzt werden kann. Zum Beispiel, als das mit Brian war. Niemand wird je dazu in der Lage sein, Brian zu ersetzen. Es ist eine Position, die erst verdient werden muss. Und ich denke, Ray hat bewiesen, dass er das Zeug dazu hat. Er ist ein guter Schlagzeuger und ein toller Mensch, ich kenne ihn nun schon seit einigen Jahren und er steckt echt sein Herzblut in jede Show.

Foto: Ben Pakalski

motor.de: Hast du noch Kontakt mit Brian?


Munky:
Nein, ich rede nicht mit ihm. Ich würde ja gern, aber ich weiss nicht - er ging, und das war einfach scheisse, und das ist es auch heute noch. Aber letztlich bin ich an einen Punkt gekommen, an dem ich es akzeptiert habe. Ich war lange Zeit sauer, wütend, traurig - es war eine Achterbahn der Gefühle, aber inzwischen habe ich mich damit abgefunden.

motor.de: Hattest du diese extremen Gefühle, weil Brian sich für den christlichen Glauben entschieden hatte?


Munky: Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich vermisse ihn einfach nur. Als Freund. Er war über 20 Jahre lang eine der wichtigsten Personen in meinem Leben und plötzlich war er einfach weg.

motor.de: Von welcher Band war die erste Platte, die du dir gekauft hast?


Munky:
Von Black Sabbath: "We Sold Our Souls For Rock´n Roll"! Das war das Album, das die Tür für mich öffnete in dieses dunkle Etwas. Ich glaube, ich war damals 9 oder 10 Jahre alt. Es fühlte sich an als würde die Leere in mir plötzlich ausgefüllt werden. Diese Musik gab mir etwas, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es überhaupt vermisst hatte (lacht).
Das Tor zur Welt des Metal war geöffnet!

motor.de: Was war die letzte Platte, die du dir gekauft hast?

Munky:
Oh, das war erst vor einer Woche. Ich hab mir den Soundtrack zum Film "Snatch" geholt. Das ist ein wirklich toller Soundtrack, und der Film ist echt cool, den haben wir letztens erst im Tourbus auf DVD geschaut.

motor.de: Wie fühlt es sich denn für dich jetzt an, nach über 17 Jahren im Musikgeschäft?

Munky: Es ist immer noch genauso beschissen. (lacht laut)
Es ist pervers und auch hart, aber immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Ich denke wenn es einfach wäre dann würden wir das garnicht so durchziehen, wie wir es all die Jahre getan haben.
Ich meine, eigentlich ist es doch echt cool, Musiker sein zu dürfen und auf Tour zu gehen. Dieses Jahr zum Beispiel touren wir durch Länder, in denen wir vorher noch nie waren. Kolumbien, Peru, Ecuador, Guatemala, Costa Rica...Da gibt es tausende von Fans! Am Flughafen von Lima standen um die 300 Leute. Das war echt verrückt. Danach kommt Mexico, Japan und Australien, und das alles noch vor Ende des Jahres.

Foto: Ben Pakalski

motor.de: Du hast dein eigenes Label gegründet, "Emotional Syphon Recordings". Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit auf der Bühne als Künstler und der Arbeit im Studio mit den Bands, also als Produzent? Ist Letzteres etwas, das ihr gern machen möchtet, wenn ihr älter werdet?

Munky:
Nein ist es nicht. Ich habe das Label mit der Intention gestartet, unbekannten Künstlern eine Chance zu geben. Ich wollte einfach etwas Gutes tun. Das war der Grund. Aber ich glaube, ich habe keinen besonders guten Geschäftssinn (lacht).


motor.de: Das ist definitiv eine gute Sache. Munky, du spielst in einer Band mit dem Namen Fear and the Nervous System mit Billy Gould von Faith No More, Wes Borland von Black Light Burns und Brooks Wackerman von Bad Religion.
Wie war die Zusammenarbeit?

Munky:
Wes und ich versuchten an einem Album zu arbeiten. Leider funktionierte das nicht so richtig, aber er hat das Album Cover gezeichnet, was echt geil geworden ist. Die Platte wird in die Richtung Gothic Rock mit richtig geilen Lyrics gehen...Ich sollte es einfach kostenlos auf eine Website laden, so wie es z.B. Radiohead getan haben. Nein im Ernst - ich will echt dass sich die Leute dieses Album anhören. Ich hab verdammt viel Kraft da rein gesteckt - und verdammt viel Geld. (lacht) Das Album wird wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres erscheinen.


Interview: Ben Pakalski
/Musikfotograf aus Mannheim




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