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Kraftklub
Kraftklub: Mit K
Nach dem Journalisten-Bashing auf der Debüt-EP kommt jetzt die nonchalante Retourkutsche, Jungs: Ganz schön viel Popappeal!

Geburtsort: Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz – Das schreiben die fünf Jungs von Kraftklub in ihren Bewerbungen. Die Nächte in der sächsischen "Stadt der Moderne", in der das No-Future an den Betonwänden klebt, sind lang und dreckig. Zumindest im Club Atomino, den die Band in der ersten Zeile ihres Debüts besingt. Dort an der Bar bekommen sie nämlich nicht mit, wie ihre Hits im Radio laufen. 2010 den New Music Award eingeheimst, den sich 2008 Bonaparte in die Schrankwand stellen durften, startete die Neon Blocks plus Bass Boy-Ehe seitdem durch. Ausverkaufte Konzerte, die erste EP ist längst nicht mehr erhältlich, Plattenvertrag und Höllentour selbstverständlich. Nun wurde es Zeit, die Lorbeerernte mit einem ersten Langspieler zu maximieren.
Spätestens seit Casper wissen wir, dass Rap und Gitarren auch in der deutschen HipHop-Szene bestens funktionieren. So wie der Shootingstar greifen auch Kraftklub auf Größen der Indieszene zurück: Da wird Beck zitiert ("Ich bin aus Karl-Marx-Stadt, ich bin ein Loser Baby, Original Ostler"), die Utopie einer Reunion der Gallagher-Brüder heraufbeschworen ("Wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam") und die Lovesong-Qualitäten von Robert Smith und Morrissey beneidet. Zum Hüpfen animierender Off-Beat paart sich mit Indiemelodien, darüber rappt Felix Brummer a.k.a. Bass Boy schlaue Wortspiele im Rahmen eines Soundtracks zum Erwachsenwerden.
Kraftklub – "Ich Will Nicht Nach Berlin"
Mehr Video von Kraftklub findet ihr auf tape.tv!
Zu "Scheissindiedisko", "Zu Jung" und "Liebe" gesellen sich zehn neue Songs. Doch das nach dem Erstling erwartete Fäkalhumor-Karussell dreht sich auf "Mit K" nicht nennenswert weiter. Schade eigentlich, schließlich gehören ausgefuchste verbale Tiefschläge Richtung Gülleschüssel zum erheiternden Markenzeichen der Jungs. Ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit, ein bisschen Melancholie haben sie draufgepackt – die Bodenhaftung scheint jedoch noch in weiter Ferne. Angesichts ihrer bisherigen Erfolge und des eingängigen und kurzweiligen Albums dürfen sie allerdings auch schweben.
Während die Karl-Marx-Städter auf "Adonis Maximus" noch meinten, sie würden auf die Hives scheißen, lassen sich weiterhin auch abseits der uniformen Körpertextilien gewisse Analogien zu den Schweden nicht von der Hand weisen: Angefangen bei Riffklau über jugendlichen Wahnsinn bis hin zu übermenschlichen Egobatzen. Zeilen wie „Wir sind eure neue Lieblingsband“ zeugen davon. Recht einfach gestrickte Songs wie "Ritalin/Medikinet" oder "Mein Leben" mit flachen Lyrics und selbstreflexiven Blödsinn haben es leider auch auf das Album geschafft. Verhöhnte Glitzerpop-Größen wie Lady Gaga, Black Eyed Peas und Hitradio-Gedudel ohne Anspruch sind davon nicht weit entfernt.
Kraftklub – "Songs Für Liam" (Live)
Mehr Video von Kraftklub findet ihr auf tape.tv!
Doch echte Perlen wie "Kein Liebeslied", "Wieder Winter" oder "Songs für Liam" können das neben den bewährten EP-Krachern mehr als ausbügeln. In der Mitte pegelt sich die Chemnitz-Hymne "Karl-Marx-Stadt" irgendwo zwischen dem verliebten Lokalpatriotismus á la Kastelruther Spatzen, übersetzt auf Ironie und Seeeds Coolness ein. Vorurteile, Kraftklub sei ein Provinz-Sido mit Pseudo-Hives im Nacken, kann man getrost streichen und auch gleich das Bild der Verlierer verbrennen. "Mit K" zusammengefasst: Mit dieser Platte drücken sie uns ihre dicken Eier mit Glitzerglasur in die Ohrmuscheln. Oder wie sie es selbst sagen: "Kraftklub - Sex auf Deutsch!"
Julia Kindel
VÖ: 20.01.2012
Label: Vertigo/Universal
Tracklist:
01. Eure Mädchen
02. Ritalin/Medikinet
03. Ich will nicht nach Berlin
04. Liebe
05. Melancholie
06. Karl Marx Stadt
07. Songs für Liam
08. Kein Liebeslied
09. Lieblingsband (Oh Yeah)
10. Mein Leben
11. Scheissindiedisko
12. Zu Jung
13. Wieder Winter
(Foto: Universal Music)

Geburtsort: Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz – Das schreiben die fünf Jungs von Kraftklub in ihren Bewerbungen. Die Nächte in der sächsischen "Stadt der Moderne", in der das No-Future an den Betonwänden klebt, sind lang und dreckig. Zumindest im Club Atomino, den die Band in der ersten Zeile ihres Debüts besingt. Dort an der Bar bekommen sie nämlich nicht mit, wie ihre Hits im Radio laufen. 2010 den New Music Award eingeheimst, den sich 2008 Bonaparte in die Schrankwand stellen durften, startete die Neon Blocks plus Bass Boy-Ehe seitdem durch. Ausverkaufte Konzerte, die erste EP ist längst nicht mehr erhältlich, Plattenvertrag und Höllentour selbstverständlich. Nun wurde es Zeit, die Lorbeerernte mit einem ersten Langspieler zu maximieren.
Spätestens seit Casper wissen wir, dass Rap und Gitarren auch in der deutschen HipHop-Szene bestens funktionieren. So wie der Shootingstar greifen auch Kraftklub auf Größen der Indieszene zurück: Da wird Beck zitiert ("Ich bin aus Karl-Marx-Stadt, ich bin ein Loser Baby, Original Ostler"), die Utopie einer Reunion der Gallagher-Brüder heraufbeschworen ("Wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam") und die Lovesong-Qualitäten von Robert Smith und Morrissey beneidet. Zum Hüpfen animierender Off-Beat paart sich mit Indiemelodien, darüber rappt Felix Brummer a.k.a. Bass Boy schlaue Wortspiele im Rahmen eines Soundtracks zum Erwachsenwerden.
Kraftklub – "Ich Will Nicht Nach Berlin"
Mehr Video von Kraftklub findet ihr auf tape.tv!
Zu "Scheissindiedisko", "Zu Jung" und "Liebe" gesellen sich zehn neue Songs. Doch das nach dem Erstling erwartete Fäkalhumor-Karussell dreht sich auf "Mit K" nicht nennenswert weiter. Schade eigentlich, schließlich gehören ausgefuchste verbale Tiefschläge Richtung Gülleschüssel zum erheiternden Markenzeichen der Jungs. Ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit, ein bisschen Melancholie haben sie draufgepackt – die Bodenhaftung scheint jedoch noch in weiter Ferne. Angesichts ihrer bisherigen Erfolge und des eingängigen und kurzweiligen Albums dürfen sie allerdings auch schweben.
Während die Karl-Marx-Städter auf "Adonis Maximus" noch meinten, sie würden auf die Hives scheißen, lassen sich weiterhin auch abseits der uniformen Körpertextilien gewisse Analogien zu den Schweden nicht von der Hand weisen: Angefangen bei Riffklau über jugendlichen Wahnsinn bis hin zu übermenschlichen Egobatzen. Zeilen wie „Wir sind eure neue Lieblingsband“ zeugen davon. Recht einfach gestrickte Songs wie "Ritalin/Medikinet" oder "Mein Leben" mit flachen Lyrics und selbstreflexiven Blödsinn haben es leider auch auf das Album geschafft. Verhöhnte Glitzerpop-Größen wie Lady Gaga, Black Eyed Peas und Hitradio-Gedudel ohne Anspruch sind davon nicht weit entfernt.
Kraftklub – "Songs Für Liam" (Live)
Mehr Video von Kraftklub findet ihr auf tape.tv!
Doch echte Perlen wie "Kein Liebeslied", "Wieder Winter" oder "Songs für Liam" können das neben den bewährten EP-Krachern mehr als ausbügeln. In der Mitte pegelt sich die Chemnitz-Hymne "Karl-Marx-Stadt" irgendwo zwischen dem verliebten Lokalpatriotismus á la Kastelruther Spatzen, übersetzt auf Ironie und Seeeds Coolness ein. Vorurteile, Kraftklub sei ein Provinz-Sido mit Pseudo-Hives im Nacken, kann man getrost streichen und auch gleich das Bild der Verlierer verbrennen. "Mit K" zusammengefasst: Mit dieser Platte drücken sie uns ihre dicken Eier mit Glitzerglasur in die Ohrmuscheln. Oder wie sie es selbst sagen: "Kraftklub - Sex auf Deutsch!"
Julia Kindel
VÖ: 20.01.2012
Label: Vertigo/Universal
Tracklist:
01. Eure Mädchen
02. Ritalin/Medikinet
03. Ich will nicht nach Berlin
04. Liebe
05. Melancholie
06. Karl Marx Stadt
07. Songs für Liam
08. Kein Liebeslied
09. Lieblingsband (Oh Yeah)
10. Mein Leben
11. Scheissindiedisko
12. Zu Jung
13. Wieder Winter
(Foto: Universal Music)
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