Mr. M

Alben von Lambchop

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Makellose Melancholie, schwelgerische Schwermut, elegische Eleganz – Lambchop are Lambchop are Lambchop. Kann sonst keiner.

(Foto: Bill Steber, City Slang)

"Don’t know what the fuck they talk about"
, sind die ersten Worte auf diesem elften Lambchop-Album, intoniert werden sie von einem wie immer bestechend eindringlich leisen Kurt Wagner, vorausgegangen ist ihnen ein Intro, das an Opulenz nichts zu wünschen übrig lässt mit seiner breit daherwalzenden Soundtrack-Ästhetik, mit Streichern getränkt ist nicht nur der Opener. Es ist diese makellose Melancholie, die das Schaffen der Ur-alt.americana-Band seit jeher ausmacht, mal bodenständiger, mal sphärisch durchhauchter oder mit einem angedeuteten Funk-Gestus unterfüttert. Diesmal wird es ausgesprochen schwelgerisch. Und detailverliebt.

Lambchop - "Gone Tomorrow"

Man kann das bestimmende Prinzip von "Mr. M" vielleicht sogar am Besten an einem der beiden Intrumentals festmachen, ungestört vom sonoren Organ Wagners, der bei aller dezenten Unterkühltheit eine omnipräsente Dominanz entwickelt. "Gar" aber entwickelt sich ganz ohne diese prägende Stimme zum – für dieses Album – idealtypischen Lambchop-Stück. Es liefert schmuseweiche "Uhuhuuu"-Chöre, von kecken Flöten konterkariert, irgendwo verliert sich ein Piano zwischen Klimpern und Orgeln, eine Mundharmonika schluchzt. Es sind allesamt musikalische Bausteine, die anderen Bands unweigerlich zur Kitschbombe gerieten, die bei Lambchop aber einfach nur organische Schönheit generieren. Es ist die enorme Detailverliebtheit, die dies ermöglicht, die unermüdliche Geduld, jedem einzelnen Ton jedes einzelnen Instruments genügend Raum zur freien Entfaltung zu lassen. Es ist eine konsequente – eher ideell als buchstäblich tempobezogen agierende – Entschleunigung, die nicht eben neu für Lambchop ist, aber hier noch einen Deut weiter an die Grenze des Machbaren geht (zumindest, wenn man nicht die Sphären der Bohren & Der Club Of Gore erreichen will).

Natürlich gibt es auch die noch einen Hauch klassisch anmutenden Lambchop-Songs mit ihren Hit-Qualitäten ganz eigener Liga. Ein "Mr. Met" entfaltet sich in gebremster Melodik mit nur angedeuteten Background-Sirenen und einer diesmal fiddelig aufspielenden Geige. "Gone Tomorrow" gibt sich als countryseliger – fast schon – Sing-a-long-Schmachtfetzen, der allerdings unversehens zum Westcoast-Psychedelica-Experiment umschwenkt. "Never My Love", der finale Song, ist hingegen eine zart anrührende, angenehm schmerzliche Sehnsuchtsballade, der Kollegin Cortney Tidwell (mit der er vor zwei Jahren noch als Kort durch die Lande zog und die auf der aktuellen Lambchop-Tour den Edel-Support gibt) ein angemessen leidendes Hauchen verleiht.

(Foto: Michael Schmelling, City Slang)

"Mr. M" ist ein mehr als solides Lambchop-Album, müßig der Versuch, es irgendwo in einer imaginären Qualitäts-Skala ihrer Platten einzuordnen. Es ist nicht "Is A Woman", soviel ist klar. Aber das wäre auch ein unfairer Vergleich, zu sehr kennt man Kurt Wagner inzwischen, zu viel müsste man von einem erwarten, der doch schon alles geleistet hat, was man sich vorstellen kann. Es ist ein Album, das beim ersten Durchhören fast schon zu träge dahinfließt, und das ob seiner Detailverliebtheit eine genauere Beschäftigung benötigt, zumindest, wenn man nicht mit der einfachen Verehrung von größtmöglicher Elegie schon zu begeistern ist. Und es ist selbstredend ein Album, das sonst niemand auf der Welt einzuspielen in der Lage ist.


Augsburg


VÖ: 24.2.2012

Label: City Slang

Tracklist:

01. If Not I'll Just Die
02. 2B2
03. Gone Tomorrow
04. Mr. Met
05. Gar
06. Nice Without Mercy
07. Buttons
08. The Good Life (Is Wasted)
09. Kind Of
10. Betty's Overture
11. Never My Love


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