Black And White America

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Und wieder nichts. Rock-Veteran Lenny Kravitz versucht sich mit Album Nummer neun vergeblich auf altbewährte Qualitäten zu besinnen.

Als Lenny Kravitz im Jahr 1989 auf seinem Debüt "Let Love Rule" Funk mit Rock paarte, stand die Musikwelt für einen Moment still. Weltweit huldigten Kritiker und Jünger gleichermaßen dem innovativen Groove des New Yorkers. Der Verbund von alt und neu, schwarz und weiß und laut und leise hievte den Multiinstrumentalisten über Nacht in den Olymp des Rock. Es folgten "Mama Said" und das fulminante "Are You Gonna Go My Way", welche den Superstar-Status des Sängers weiter festigten. Leider konnte der Ausnahme-Entertainer das selbst geschaffene Level nicht halten und beliefert seitdem seine immer noch zahlreichen Anhänger eher mit musikalischer Magerkost. Wie ein abgewrackter Fußball-Star läuft Lenny Kravitz seit nunmehr fast fünfzehn Jahren seiner Form hinterher. Auch wenn es über die Jahre immer wieder zu vereinzelten Chart-Erfolgen reichte, den Spirit und den unvergleichlichen Vibe seiner Anfangstage hatte keines der letzten fünf Alben vorzuweisen.

Lenny Kravitz - "Black And White America" (live)


Nun meldet sich Lenny Kravitz mit "Black And White America" abermals zurück, auf der Suche nach den Wurzeln, die ihn vor zwanzig Jahren ausgezeichnet haben. Funkig geht es mit dem Titeltrack los, der inhaltlich Protest und Hoffnungsträger zugleich sein will. Lenny schwingt sich den "Shaft-Mantel" um und schlängelt sich im Gran Torino von Starsky & Hutch durch die dunklen Gassen dieser Welt. Ein unerwarteter, aber beeindruckender Beginn. Es folgen "Come On Get It" und "In The Black", zwei angezerrte Rocker, die den verschollen geglaubten Groove des Altmeisters wieder zu Tage fördern und für erste Wallungen sorgen.

Doch die Freude über zurückgewonnene Stärken beugt sich mit zunehmender Spielzeit dem Frust über das Verfallen in alte künstlerische Muster, die seine letzten Outputs davon abhielten mit seinen Anfangswerken zu konkurrieren. Airplay-Hooks und Mainstream-Songwriting machen sich breit und katapultieren Songs wie "Rockstar City Life", "Superlove" oder "Stand" weit weg vom Niveau des Anfangs. Die Krone der Belanglosigkeit bildet der Track "Boongie Drop". Sperrige Beats und Effekte sorgen zwar für einen zeitgemäßen Background, stehen dem erdigen Erscheinungsbild eines Lenny Kravitz aber ungefähr so gut zu Gesicht, wie Synthie-Flächen einem Ramones-Album. Die überflüssigen Sprechgesang-Ergüsse von Jay-Z & DJ Military wirken dabei wie ein Todesstoß für einen Song, der auch ohne ihr Dazutun kaum eine Überlebenschance hat.

Lenny Kravitz - "Stand"

Einzig die beiden Songs "Push" und die Ballade "Dream" bringen das Gesamtpaket am Ende noch kurzweilig zum Aufhellen. Von Wiedergutmachung kann aber keine Rede sein, denn zu durchschnittlich und gehaltlos präsentiert sich das Gros an Material auf "Black And White America". Letztlich bleibt zu resümieren, dass ein weiterer Versuch, die Geister der Vergangenheit zu beschwören, fehlgeschlagen ist. Ein Album, welches sich nahtlos einreiht in die Riege seines dürftigen Schaffens der letzten fünfzehn Jahre, auch wenn der Anfang vielversprechend war. "Black And White America" spiegelt in trauriger Art und Weise den Verlauf einer Karriere eines außergewöhnlich talentierten Musikers wider. Deckungsgleich wird zu Beginn qualitativ hochwertig vorgelegt, um alsbald in durchschnittlicher Belanglosigkeit zu versinken. Schade drum.

Kai Butterweck

VÖ: 19.08.2011

Label: Roadrunner

Tracklist:

01. Black And White America
02. Come On Get It
03. In The Black
04. Liquid Jesus
05. Rock Star City Life
06. Boongie Drop
07. Stand
08. Superlove
09. Everything
10. I Can`t Be Without You
11. Looking Back On Love
12. Life Ain`t Ever Been Better
13. Than It Is Now
14. The Faith Of A Child
15. Sunflower
16. Dream
17. Push



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