Old Ideas

Alben von Leonard Cohen

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Schlicht, großartig, entschlossen gelassen. Leonard Cohen klingt tatsächlich so, wie man sich Leonard Cohen in seinen allerbesten Momenten ausmalen möchte. Ohne Klischee-Falle, wohlgemerkt.

(Foto: Yann Orhan, Sony Music) 

Es ist natürlich ein gehöriges Maß an Selbstkoketterie dabei, man könnte freundlicherweise auch Selbstgewissheit sagen, es macht keinen Unterschied, denn das Recht dazu hat Leonard Cohen sowieso. "Old Ideas" heißt dieses erste neue Album seit acht Jahren – allein über die grundsympathisch-trotzige Kaltschnäuzigkeit dieser Titelwahl könnte man stundenlang philosophieren –, "Going Home" vieldeutig der erste Song darauf, "I’d love to speak with Leonard / he’s a sportsman and a shepard / he’s a lazy bastard living in a suit" sind die ersten – natürlich selbstreferenziellen – Zeilen. Es sind "spoken words", nicht wirklich gesungen, das ändert sich nicht mehr und es ist mit diesem drastisch entschleunigten Album mehr denn je zum Markenzeichen dieses inzwischen größten aller lebenden Song-Crooner geworden, über der eigenen Musik zu stehen, die durchaus Faxen machen darf, mal fröhlich perlend, mal die Orgel von der Leine lassend. Leonard Cohen selbst gibt dafür nur noch den Takt vor. Mit der Andeutung einer melodischen Grundfärbung in seiner mehr denn je sonoren Stimme dirigiert er diese fantastische Untermalung, die sich bei aller Reduktion erstaunlich punktuiert und zugleich freigängerisch gibt.

Leonard Cohen – "Darkness"


Es sind die kleinen Dinge, die "Old Ideas" zu einem wundervoll anzuhörenden Song-Reigen machen. Es sind die dezent akzentuierten Einsprengsel einer Mundharmonika, die stets im "old school"-Modus agierende Orgel, ein vor sich hin klimperndes Piano, vor allem natürlich der punktgenau eingesetzte Backgroundgesang mit seiner perfekt abgezirkelten Wirkungsspanne. Nichts von all dem ist überpräsent, überhaupt wirkt der Gesamtsound ungemein entspannt. Das mag zu einem guten Teil der allgemeinen Altersweisheit geschuldet sein, die man Leonard Cohen grundsätzlich immer zugesteht. Es mag auch daran liegen, dass er sich wirklich Zeit genommen hat für diese Songs, von denen er etliche über die ausgedehnte Spanne seines nahezu an Dylansche "neverending tour"-Verhältnisse heranreichenden Konzertmarathons immer weiter ausformuliert hat. Eine Art work in progress war das, die offensichtlich sehr wohltuend war.

(Foto: Dominique Issermann, Sony Music)

"Old Ideas" ist also weder so Hit-fordernd wie das "Comeback"-Album "Ten New Songs" vor einem guten Jahrzehnt, schon gar nicht so unentschlossen halbgar wie das skizzenhafte "Dear Heather" von 2004. Es ist schlicht und einfach ein rundum atemberaubend gelungenes Werk, bar jeder Effekthascherei – zumindest, wenn man Leonard Cohen nicht anrechnet, dass eben dies der gewünschte Effekt ist. Es ist ein Album, das man in seiner gelassenen Entschlossenheit einfach nur mögen – besser: schätzen – darf. Schlicht und großartig. Perfekt.


Augsburg

»Hier geht's zum Albumstream von "Old Ideas".

VÖ: 27.1.2012

Label: Sony Music

Tracklist:
1. Going Home
2. Amen
3. Show Me the Place
4. The Darkness
5. Anyhow
6. Crazy to Love You
7. Come Healing
8. Banjo
9. Lullaby
10. Different Sides


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