MALKucken!

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Vom Motor Digital der Vorwoche zur Neuentdeckung dieser: Malk und ihr Kampf den "Technow" zu etablieren.

Wer seinen Namen aus einer Folge der "Simpsons" entleiht, kann eigentlich kein schlechter Mensch oder Musiker sein, nicht wahr? Okay, Fall Out Boy sind nicht so doll und als Gegenbeispiel schnell zur Hand. Aber um die Simpsons geht es hier ja nicht, sondern um Malk. "'Malk'?
Was hat denn das mit den 'Simpsons' zu tun?
" Mehr als dieser Artikel mit Fall Out Boy, soviel steht mal fest: "Malk" ist nämlich der mit "Vitamin R" angereicherte Milch-Ersatz, den es in der Grundschule von Springfield aus Spargründen anstelle von "Milk" zu trinken gibt.

Man muss aber schon sehr genau hingeschaut haben, um die Sekunde nicht zu verpassen, in der Bart Simpson das "Malk"-Tetrapak verdutzt in die Kamera hält. David Hasert, Jeannel und Jan a.k.a. Teen.Age.Angst haben offenbar genau hingeschaut, und deswegen heißen sie jetzt auch Malk. Zumindest immer dann, wenn sie zu dritt musizieren. Das tun die jungen Kölner schon eine ganze Weile, haben aber ihre jeweiligen Einzelambitionen deshalb nicht drangegeben. Die klingen zwar alle nicht so ganz anders als das, was sie als Trio gemeinsam fabrizieren, aber dennoch ist Malk wohl größer als die berühmte Summe der Einzelteilchen.

"Technow" benennen sie ihren Sound, und tatsächlich ist das, was da zwischen den Songtitel gebenden "Extremen" namens "Dancing Beat" und "Zu Zweit" zweisprachig abgearbeitet wird, ein interessantes Update zu "Indie-tronics" aus Deutschland. Jenseits von stumpfem Geballere aber auch weit entfernt von gefühlsduseliger Nabelschau. "I'm okay/ I'm alright - just for one night...", heißt es da etwa ungläubig im Floorfiller "Bubbles", und legt damit die Brüche offen, die sich durch die längst nicht mehr so lustige "Spaßgesellschaft" ziehen und so ziemlich jeden angehen, der sich in irgendeiner Weise durchs Leben treiben lässt.

Eine ganze Weile mag man da den Verlockungen der "Dancing Beats" erliegen, aber ebenso wird kaum jemandem die Problematik fremd sein, die in "Zu Zweit" verhandelt wird: "Du musst immer rausgeh'n/ Nie bist Du zuhause [...] Gönnst Dir keine Pause/ Abends bist Du immer weg / denn Du könntest etwas verpassen. [...] Feiern, feiern tust Du immer/ aber das macht Dich doch nicht glücklich. Tanzen auf der Oberfläche..." Und das alles intoniert die stoische Stimme von Jeannel zu - welch Überraschung: super-tanzbaren Beats. Nicht zu hart für Mia.-Fans, nicht zu soft für "richtige" Technoidos; Indie genug für die Nerds und eingängig genug für die Charts - genau richtig eben!

Doch dass die Musik von Malk nicht hauptsächlich oder gar nur im deutschen Sprachraum funktioniert, dafür sorgt nicht nur der Anteil englischsprachiger Songs. Es ist wohl auch die Atmosphäre der Stücke, die über jegliche linguistische Barrieren in ihren Bann zieht. So spielten die Drei schon begeistert aufgenommene Shows in England (wohlgemerkt vor Veröffentlichung von physischen Tonträgern, wofür sie sich dann in Interviews auch ganz artig bei Tim Berners-Lee, dem Erfinder des Internet bedanken) und dem Vernehmen nach ist auch das japanische Label "Pilot" interessiert daran, die Westfalen gar auf einem anderen Kontinent zu veröffentlichen. Dann dürften Konzerte dort auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. From Böcklemünd to Budokan, sozusagen!

Ralph Schlegel


MALK - DANCING BEAT

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