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Manchester Orchestra
Manchester Orchestra: Simple Math

Eigentlich ist es ja beinahe eine Schande, dass die 2005 gegründete Band Manchester Orchestra hierzulande bisher kaum gebürtige Beachtung fand, ist "Simple Math" doch ihr bereits dritter Langspieler. Und auch dieser hat es wieder in sich, wobei sich in der kurzen Zeit nach dem furiosen Zweitwerk "Mean Everything To Nothing" musikalisch einiges getan hat: Waren die ersten beiden Alben noch von schroffem Rock á la Brand New geprägt, wird dieses Mal dicker aufgetragen. So machen die fünf Amerikaner ihrem Namen erstmals zumindest zur Hälfte alle Ehre: Den Mannen um Andy Hull steht nun ein 15-köpfiges Streicher-Ensemble zur Seite, das der Musik einen neuen Anstrich gibt, die Trademarks der Band jedoch niemals außer Acht lässt.
Manchester Orchestra - "Simple Math"
Anders als beim energetischen Vorgänger schleicht sich die Musik von Manchester Orchestra anno 2011 mit dem halbakustischen Opener "Deer" zunächst hintergründig in die Gehörgänge. Bereits hier wird ersichtlich, dass diese Scheibe eine Herzensangelegenheit ist, wenn Hull "dear everybody that has paid to see my band / it's still confusing / we'll never understand" ins Mikrofon säuselt. Im Laufe der Spielzeit nimmt das Album zunehmend an Fahrt auf und der orchestrale Einschlag sorgt Song um Song für große Gesten. Hull bleibt gesanglich dennoch auf dem Teppich und macht einen Bogen um kitschige Arrangements und peinliche Stadionrock-Attitüden. Gemeinsam mit den wohlüberlegten Lyrics klingt das alles zunächst nach "Runde Sache", ist bei näherem Hinhören aber noch viel, viel mehr.
Ganz so einfach wie bei der eingangs aufgestellten Gleichung macht man es sich nämlich nicht. So gestaltet sich "Simple Math" als intimes Konzeptalbum des gerade einmal 25-jährigen Frontmanns. Mit Herzblut erschaffen, gehören die Songs dieses Albums zu den persönlichsten und gleichzeitig auch prachtvollsten der Bandgeschichte - trotz des merklich gedrosselten Tempos. Besonders beim Titelstück, das ganz nebenbei mit einem der eindrucksvollsten Videoclips des bisherigen Jahres daherkommt, scheint jeder einzelne Ton genau dort zu sitzen wo er hingehört. Dieses Album erfordert vom Hörer definitiv mehr Aufmerksamkeit als seine Vorgänger, stellt damit einen konsequenten Schritt nach vorne dar und lässt sicher noch mit einigen Überraschungen in der Zukunft rechnen.
Danilo Rößger
VÖ: 13.05.2011
Label: Favorite Gentlemen/Sony
Tracklist:
01. Deer
02. Mighty
03. Pensacola
04. April Fool
05. Pale Black Eye
06. Virgin
07. Simple Math
08. Leave It Alone
09. Apprehension
10. Leaky Breaks

