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Maribel
Maribel: Reveries
Morbider Entschleunigungs-Pop trifft auf Sirenengesang: Das norwegische Quartett Maribel liefert ein wandlungsfähiges Zweitwerk zwischen Halbschlaf, Geduldsspiel und Paranoia.

(Foto: Ingrid Pop)
Träume sind nicht nur eine unerschöpfliche Quelle für Inspiration und Fantasie, sondern definitionsgetreu auch mit intensiven Gefühlen und lebhaften Bildern verbunden – insofern haben Maribel die hohen Ansprüche an ihren zweiten Langspieler "Reveries" tadellos erfüllt. Ob es sich bei den neuen Songs um Wunsch- oder Alpträume handelt, verbirgt die Band jedoch unter der Ägide eines rätselhaften Schleiers, der weder einen Anflug von Gefahr noch seine schützende Obhut erkennen lässt.
So weihen Maribel ihr zweites Album passenderweise mit gebetsgleichen Gesängen ein, die sie mit groben Schlagzeug-Beats und hallgereicherter Fuzz-Gitarre unterlegen. Obwohl die leise hauchende Stimme aus dem Hintergrund für eine artgerechte Untermalung sorgt, wirkt das Ganze wie ein knapp arrangiertes Instrumentalwerk, das sich bewusst in die Länge zieht – Apathie und Dauerdröhnung als mobiles Ticket in Traumwelten und Wahnvorstellungen. Deutlich ruppiger und experimenteller schließt "Meow!" an, hier trifft Drum'n'Bass-Rhythmik auf paranoides Deutsch-Geflüster und gegen Ende zelebrieren fragile Gitarrenmelodien mit nachhaltigen Piano-Einsprengseln einen Höhepunkt der Platte.
Maribel – "Jezebel Jive"
Als Grundlage ihrer realitätsentrückten Idee ließen sich Maribel wohl von den Kompositionen eines Ennio Morricone inspirieren, was der Platte durchaus anzuhören ist. Zu den ausufernden Momenten im Stile von My Bloody Valentine gesellt sich eine gewisse Film-Ästhetik, die man tendenziell unter der Kategorie "Psychothriller" verbuchen könnte. Das wirkt einerseits beängstigend, andererseits entwickelt die schleichende Monotonie im Laufe der Zeit etwas Vertrautes, dem man sich nur schwer entziehen kann.
So sehr man sich von diesem säuselden Kopfgesang doch immer wieder gefangen nehmen lässt, umso mehr gefällt die eigentliche Stimmpracht von Frontfrau Rebekka Markstein, die sich beispielsweise in "Pretty Nights" mit ihren akzentuierten Höhen facettenreicher als zuvor angenommen offenbart – hitverdächtiger Pop-Charakter, der durch den nachhallenden Wortklang bewusst zerstört wird.
Maribel - "You Bring the Sadness"
Tim Schedler
VÖ: 10.02.2012
Label: Splendour/Soulfood Music
Tracklist:
01. Falling Down The Stairs
02. Jezebel Jive
03. Meow!
04. You Bring The Sadness
05. Pretty Nights
06. Perfumed
07. Slumber Street
08. Devil's Sigh
09. The Thief

(Foto: Ingrid Pop)
Träume sind nicht nur eine unerschöpfliche Quelle für Inspiration und Fantasie, sondern definitionsgetreu auch mit intensiven Gefühlen und lebhaften Bildern verbunden – insofern haben Maribel die hohen Ansprüche an ihren zweiten Langspieler "Reveries" tadellos erfüllt. Ob es sich bei den neuen Songs um Wunsch- oder Alpträume handelt, verbirgt die Band jedoch unter der Ägide eines rätselhaften Schleiers, der weder einen Anflug von Gefahr noch seine schützende Obhut erkennen lässt.
So weihen Maribel ihr zweites Album passenderweise mit gebetsgleichen Gesängen ein, die sie mit groben Schlagzeug-Beats und hallgereicherter Fuzz-Gitarre unterlegen. Obwohl die leise hauchende Stimme aus dem Hintergrund für eine artgerechte Untermalung sorgt, wirkt das Ganze wie ein knapp arrangiertes Instrumentalwerk, das sich bewusst in die Länge zieht – Apathie und Dauerdröhnung als mobiles Ticket in Traumwelten und Wahnvorstellungen. Deutlich ruppiger und experimenteller schließt "Meow!" an, hier trifft Drum'n'Bass-Rhythmik auf paranoides Deutsch-Geflüster und gegen Ende zelebrieren fragile Gitarrenmelodien mit nachhaltigen Piano-Einsprengseln einen Höhepunkt der Platte.
Maribel – "Jezebel Jive"
Als Grundlage ihrer realitätsentrückten Idee ließen sich Maribel wohl von den Kompositionen eines Ennio Morricone inspirieren, was der Platte durchaus anzuhören ist. Zu den ausufernden Momenten im Stile von My Bloody Valentine gesellt sich eine gewisse Film-Ästhetik, die man tendenziell unter der Kategorie "Psychothriller" verbuchen könnte. Das wirkt einerseits beängstigend, andererseits entwickelt die schleichende Monotonie im Laufe der Zeit etwas Vertrautes, dem man sich nur schwer entziehen kann.
So sehr man sich von diesem säuselden Kopfgesang doch immer wieder gefangen nehmen lässt, umso mehr gefällt die eigentliche Stimmpracht von Frontfrau Rebekka Markstein, die sich beispielsweise in "Pretty Nights" mit ihren akzentuierten Höhen facettenreicher als zuvor angenommen offenbart – hitverdächtiger Pop-Charakter, der durch den nachhallenden Wortklang bewusst zerstört wird.
Maribel - "You Bring the Sadness"
Maribel verlieren sich gleichwohl nicht in der Monotonie, vielmehr füllen sie den Raum zwischen nervenaufreibender Dramaturgie und aufstrebender Reduktions-Ästhetik. Mit "Reveries" haben sie diesem Kunstprojekt einen Namen gegeben, auf welchen die Bezeichnung "Dream Pop" nicht besser anzuwenden ist.
Tim Schedler
VÖ: 10.02.2012
Label: Splendour/Soulfood Music
Tracklist:
01. Falling Down The Stairs
02. Jezebel Jive
03. Meow!
04. You Bring The Sadness
05. Pretty Nights
06. Perfumed
07. Slumber Street
08. Devil's Sigh
09. The Thief



