224 online
Nicht nur die kleine Norwegerin mit Gitarre?

Alben von Marit Larsen

Empfohlen von

  • Dieser Artikel wurde noch nicht empfohlen.

Diesen Artikel bei Facebook empfehlen:

Tags

6 Links zu diesem Artikel

Marit Larsen: Nicht nur die kleine Norwegerin mit Gitarre?

Ein Interview mit einer sympathischen Singer/Songwriterin, die sich gern als Hobbypsychologin Ideen erschleicht und nicht mit anderen Künstlern verglichen werden will.

Im Gegensatz zu Deutschland ist die zierliche Norwegerin in ihrem Heimatland und den USA schon längst ein Star. Mit ihrem Sommerhit „If A Song Could Get me You“ war die 26-jährige fünf Wochen auf Platz eins. Das gleichnamige Album, was hierzulande im September letzten Jahres veröffentlicht wurde, ist eine Zusammenstellung mit den besten Songs der beiden in Norwegen erschienenen Vorgänger „Under The Surface“ und „The Chase“. Larsen, die als Mitglied des Girlie-Duos M2M im Alter von 16 Jahren ihre Karriere startete, und seit 2004 auf Solopfaden unterwegs ist, sieht gute Melodien zu schreiben als ihre Lebensaufgabe. Viel Zeit bleibt der Singer/Songwriterin nicht, denn im Moment hat sie alle Hände voll zu tun, um die Welt zu bereisen und ihre neue Single „Under The Surface“ zu promoten.

motor.de: Du hast ja eine Menge Termine vor dir – 19 Auftritte in nur einem Monat.
Marit:
Ja, ich fühle mich auch ziemlich gerädert, als wenn ich grad aus dem Bett komme. Einen ganzen Monat bin ich hier in Deutschland unterwegs. Bis jetzt lief alles großartig. Letzte Nacht waren wir in Dresden (Beatpol – Anmerkung der Red.). Es war fantastisch. Ich liebe diese Location, sie hat eine wirklich gute Akustik. Es war einfach ein toller Raum zum Singen. Die Leute hatten Lust und die Band ist sehr motiviert. Alle Konzerte sind so voll mit Leuten. Das ist wirklich ein gutes Gefühl.

motor.de: Du hast gerade deine zweite Single „Under The Surface“ veröffentlicht. Um was geht es in diesem Song?
Marit:
Es geht um ein kompliziertes Gefühl in einer neuen Beziehung. Und zwar, wenn man in Jemanden verliebt ist, der aber schon mal in jemand anderen verliebt war. Als ich diesen Song schrieb, war ich vorher nie in dieser Situation. Weißt du, ich habe immer gehofft, dass es die eine Person in meinem Leben geben wird, die ich liebe und mit der ich mein ganzes Leben verbringen werde. Nun, leider passiert das den wenigsten Menschen. Das Problem ist, dass man sich immer den Vergleich der vorherigen Person stellen muss. Ist sie lustiger oder hübscher als ich, all diese Dinge. Als ich den Song fertig geschrieben hatte, hat es sich im ersten Moment so angefühlt, dass es zu persönlich ist. Aber es ist auch tatsächlich der Song, bei dem das meiste Feedback vom Publikum kam.

motor.de: Also ist der Song autobiographisch?
Marit:
Ja, dieser ist autobiographisch. Eigentlich ist das der einzige Song, bei dem ich es auch nicht abstreiten könnte.

motor.de: Die Inspiration kam diesmal nicht vom Leben deiner Freunde? Du sagtest ja mal, dass deine Lieder oft von deinen Freunden handeln und du dir Stories quasi leihst.
Marit:
(lacht) Ja, es ist wirklich lustig, dass das so gut funktioniert. Als Songwriter suchst du immer diese eine einzigartige Geschichte, die es noch nie gegeben hat. Das ist natürlich auf Dauer wirklich schwer. Die meisten Geschichten, die ich schreibe, handeln tatsächlich von meinen Freunden. Die haben einfach ein viel interessanteres Leben als ich (lacht). Ich lebe zwar ein wirklich tolles Leben gerade, aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht wirklich darüber schreiben kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Publikum Songs von meinem Tourleben hören will.

Marit Larsen - If A Song Could Get Me You
(acoustic special for motor.de)


motor.de: Ist es dann nicht schwierig über Dinge zu schreiben, die du noch nie erlebt hast?
Marit:
Nun, das ist der Trick. Ich muss mich einfach in die jeweilige Situation hineinversetzen bis ich dann glaube, dass ich es wirklich so erlebt habe. Außerdem sind meine Freunde auch ziemlich genau in ihren Beschreibungen.

motor.de: Nervt es deine Freunde nicht Gegenstand deiner Songs zu sein?
Marit:
Nein! Naja, es gibt halt immer dieselbe Situation: ich bin mal wieder zu Hause in Norwegen und ich sitze mit Freunden zusammen und im Radio läuft meine Musik. Sie hören es sich an, schauen zu mir und fragen mich: "Ist dieser Song über mich?" Und dann antworte ich einfach immer dasselbe: Nein! (lacht)
Oftmals versuche ich mich auch in die Rolle eines Psychologen hineinzuversetzen, der sich mit Geschichten über Menschen, die er nicht kennt, auseinandersetzen muss. Es hört sich alles bestimmt sehr merkwürdig an, aber ich denke viele Songwriter machen das so.

motor.de: Ja, ich kann mich daran erinnern, dass Alanis Morissette einmal dasselbe über das Songschreiben sagte…alllerdings benutzte sie meistens diverse Macken ihrer Exfreunde, die das dann nicht so witzig fanden.
Marit:
Oh, das wusste ich gar nicht, also haben ich und die große Miss Morissette etwas gemeinsam…nicht schlecht!

motor.de: Wie sieht es mit Wünschen und Vorlieben für andere Musiker aus? Gibt es jemand Besonderen, den du im Visier hast, mit dem du gerne arbeiten würdest?
Marit:
Gerade habe ich ein Duett mit dem dänischen Sänger Milow aufgenommen. Es war eine Idee von den Leuten, die um uns arbeiten. Denn unsere Geschichten ähneln sich: Wir beide haben gerade unsere Alben in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht, machen dieselbe Art von Musik und hatten beide großen Erfolg mit unseren ersten Singles. Ursprünglich war es nur eine gute Idee, doch es entwickelte sich zu einer großen Sache, weil einfach die Chemie stimmte.

motor.de: Gibt es in näherer Zukunft auch Pläne mit anderen Künstlern?
Marit:
Ich habe eine Menge Pläne. Es ist zwar wichtig, große Träume zu haben, aber man muss trotzdem realistisch bleiben. Ich schreibe einfach gerne meine Songs selbst, würde aber auch gerne für Filme oder andere Künstler schreiben. Ganz ehrlich, eigentlich würde es mir schon reichen, mir einfach nur meine Gitarre zu schnappen, Make-up aufzulegen und auf die Bühne zu gehen.

motor.de: Bei dem vielen Touren bleibt sicherlich kaum noch Zeit, um neue Songs zu schreiben?
Marit:
Neben dem Fakt, dass ich soweit von meiner Familie entfernt bin, ist das wirklich das Frustrierendste, wenn man auf Tour ist. Ich versuche alle meine Einfälle auf meinem I-Phone festzuhalten. Ich habe ständig Tonnen von Ideen, sei es ein Titel oder eine Melodie. Dann kommt es auf dieses kleine Gerät und bleibt da auch erstmal ein Weilchen.

motor.de: Was würdest du sagen liegt dir mehr? Das Songwriting oder das Tourleben?
Marit:
Nun, in einer perfekten Welt, gäbe es eine perfekte Symbiose von beiden. Ich liebe den Prozess des Songwritings bis zur Aufnahme eines Liedes. Aber zu sehen, wie das Publikum auf meine Songs reagiert, ist auch ein wunderbares Gefühl. Aber ich würde sagen, dass das Songwriting doch eher zu mir passt. So können meine Hörer einfach miterleben wie ich wachse.

motor.de: Dein Lebenslauf wirkt ja ziemlich perfekt. Das fängt schon damit an, dass du mit 5 Jahren begonnen hast, verschiedene Instrumente zu spielen.
Marit:
Hmm, eigentlich habe ich mit 8 Jahren angefangen Instrumente zu spielen. Oder? Moment, nein! Du hast recht, ich habe mit fünf angefangen, mit acht Jahren habe ich mit dem Theaterspielen begonnen.

motor.de: Oh gut, ich dachte schon meine Recherche ist vor dem Baum gelaufen…
Marit:
Nein,du hast recht. Siehst du, soviel zum Thema perfekt.

motor.de: Mit 16 Jahren hast du riesigen Erfolg mit deiner Girlieband M2M in den USA gehabt und nun bist du sehr erfolgreich solo unterwegs. Gibt es eigentlich Dinge in deinem Leben, die nicht immer glatt gelaufen sind? Es liest sich doch alles wie ein Hollywood-Märchen.
Marit:
Natürlich. Sonst hätte ich gar kein Material für meine Songs, die ich schreibe. Würde ich die andere Seite des Lebens nicht kennen, wüsste ich auch gar nicht wie glücklich ich mich gerade jetzt schätzen kann mit dem, was ich tue. Man braucht einfach immer diesen Kontrast. Im Moment versuche ich die Zeit, die ich gerade erlebe, als Abenteuer anzusehen. Alles, was ein Außenstehender mitkriegt, sieht auf dem ersten Blick toll aus. Aber es gibt auch ein paar schwierige und beängstigende Situationen, die so ein Erfolg mit sich bringen. Neben missglückten Collaborationsversuchen, die einfach nicht funktionieren wollten, hatte ich natürlich auch persönliche Niederlagen. Ich lebe im Moment ein ziemlich extremes Leben, es gibt natürlich schwierige Dinge, aber ich konzentriere mich einfach auf das Glück, was ich habe. In meinem Freundeskreis gibt es viele Songwriter, die so gerne das erleben würden, was ich bisher erreicht habe. Wahrscheinlich wären viele gerne an meiner Stelle. Ich weiß auch genau, dass das nicht ewig so weiter geht.

motor.de: Hast du schon einmal versucht deinen erfolglosen Musikerfreunden zu helfen?
Marit:
Nun, ich kann da nicht wirklich viel tun. Das, was du brauchst, ist nicht nur dein Herz für Musik. Ich würde sogar sagen, dass mindestens 50% einfach nur Glück ist. Es hat soviel mit Zufällen zu tun.

motor.de: Du bist ja nun wirklich sehr viel unterwegs und gibst hunderte von Interviews. Ist es nicht anstrengend die immer selben Fragen beantworten zu müssen?
Marit:
Bei den meisten Interviews ist das so, ja. Außer natürlich bei diesem hier, also vielen Dank dafür (lacht).

motor.de: Was für Fragen nerven dich am meisten?
Marit:
Hmm, wenn ich mit anderen Künstlern verglichen werde, ist das nicht schlimm. Aber, wenn es nur um die Gemeinsamkeit meiner Herkunft oder das Alter geht, dann nervt es schon ganz schön. Es ist schwierig jemanden in dieser riesigen Musiklandschaft auf ein Genre festzunageln. Ich finde es eigentlich auch nicht nötig, immer alles und jeden zu kategorisieren. Und immer wieder auf dieses Kleines-Mädchen-Singer/Songwriter-Ding festgelegt zu werden, ist ein bisschen frustrierend. Ach ja – und die Fragen über meinen Freund nerven mich auch. Ich denke, ich gebe sowieso schon soviel über mich durch meine Lieder preis. Das müsste doch eigentlich reichen.

Interview: Geli Megyesi


Marit Larsen in Deutschland:
24.02.2010 Düsseldorf Savoy
26.02.2010 Köln E Werk
28.02.2010 München Ampere
01.03.2010 Stuttgart Theaterhaus
02.03.2010 Mainz Frankfurter Hof
03.03.2010 Offenbach Capitol
07.03.2010 Saarbrücken Garage
08.03.2010 Ulm Roxy
09.03.2010 Nürnberg Hirsch
12.03.2010 Freiburg Jazzhaus
14.03.2010 Basel Volkshaus
15.03.2010 Zürich Härterei

Marit Larsen - If A Song Could Get Me You
VÖ: 14.08.2009

Label: Columbia SevenOne

Tracklist:
01. If A Song Could Get Me You
02. Don't Save Me
03. This Is Me, This Is You
04. Under The Surface
05. Only A Fool
06. Solid Ground
07. Ten Steps
08. This Time Tomorrow
09. I've Heard Your Love Songs
10. The Chase
11. Is It Love
12. Steal My Heart
13. Poison Passion

Share/Bookmark

Kommentar schreiben

Dein Name:
Bitte den nebenstehenden Sicherheitscode hier eingeben: