The Boy Who Knew Too Much

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Mika tobt sich aus. "The Boy Who Knew Too Much" strotzt nur so vor Ideen und Einflüssen und genau da könnte auch sein Schwachpunkt liegen.

Aufgekratzt, fröhlich und hemmungslos emotional, so stürmte Mika vor zweieinhalb Jahren mit "Life in Cartoon Motion" die Charts. Dem einen oder anderen war das ein wenig zu viel des Guten, doch die Mehrheit war begeistert von seinen fluffigen Ohrwürmern - und eh man sich versah, besetzte der gebürtige Libanese im britischen Pop die Lücke, die George Michael und Robbie Williams hinterlassen hatten.
Nicht nur die kommerziellen Erwartungen an das zweite Album sind also enorm, sodass es kaum überraschen dürfte, dass der 26-jährige auf Veränderungen bestenfalls im Kleinen setzt. "The Boy Who Knew Too Much" ist laut Mika eine Auseinandersetzung mit den Teenager-Jahren eines Lebens, und genauso klingen die neuen Songs auch: Nach totaler Ausgelassenheit und Unbeschwertheit, die nur hin und wieder von ein bisschen melancholischem Herzschmerz durchbrochen wird, nach Hormonen und Spielerei, nach ziemlich viel von allem und das bitte sofort.

Stilvolle Zurückhaltung ist Mikas Sache noch immer nicht, dafür ist er auch auf Platte viel zu sehr Rampensau. Musikalisch hat er seine Fühler in wirklich alle Richtungen ausgestreckt. Die Einflüsse reichen von Freddie Mercury und Queen bis hin zu Michael Jackson und Calypso-Beats - wo immer sich ein Effekt erhaschen lässt, wird das auch getan. Singt Mika beispielsweise von einer "bottle of wine" hört man im Hintergrund das Geräusch eines Korkens.

Mika - We Are Golden


Ansonsten gibt es natürlich jede Menge Falsett-Einlagen, Geigen, Chöre, rhythmisches Geklatsche und Geschnippse sowie "Uuuhhs" oder "Ooohhhs" ohne Ende. Der Vorteil daran: wie in jedem vollgestopften Jugendzimmer hat man kaum die Möglichkeit, sich auch nur eine Minute zu langweilen. "The Boy Who Knew Too Much" macht mit seinem sympathisch-glamourösen, detailverliebten und selbstbewusst exaltierten Pop einfach Spaß, zumal mit dem elektronisch angehauchten "Rain", dem rührenden "Touches You", der ersten Single "We Are Golden" und allerlei anderen gleich eine ganze Reihe Songs echtes Hit-Potential haben.

Ganz unproblematisch ist die Sache allerdings auch nicht. Mitunter sind Album und Songs nämlich derart überfrachtet und werden von chaotischer Heiterkeit und dick aufgetragenen Show-Einlagen so
dominiert, dass man darin den echten Mika fast vergeblich sucht. Die putzigen Geschichten, die er in den sehr originellen, meist humorvollen Texten erzählt, handeln von den verschiedensten Charakteren, aber einen wirklich persönlichen Touch entwickeln sie nur selten. Pubertätstypische Identitätsschwankungen und eine überbordende Phantasie? Vielleicht. Aber wenn Mika nicht aufpasst, geht er irgendwann in zu viel Künstlichkeit und Theatralik unter.

Patrick Heidmann

Lablel: Universal
VÖ: 18.09.09.

Tracklist:
01. We Are Golden
02. Blame It On The Girls
03. Rain
04. Dr. John
05. I See You
06. Blue Eyes
07. Good Gone Girl
08. Touches You
09. By The Time
10. One Foot Boy
11. Toy Boy
12. Pick Up Off The Floor
13. We Are Golden


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