Standing In The Way Of Control

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Dance-Punk, Three-Piece, Minimal-Instrumentierung, klingt bekannt? Betrachtet man die Fakten zum ersten US-Signing des Tocotronic-Labels 'Lado' nur oberflächlich, läuft man Gefahr, The Gossip vorschnell in die Sparte "Trittbrettfahrer-Bands" einzuordnen. Wie falsch man damit läge, zeigt schon die Liste beteiligter Personen und namhafter Unterstützer der Hopefuls aus Washington und Arkansas.

Allein der Name Guy Picciotto hinter den Reglern sollte Garant genug dafür sein, es hier nicht mit konventioneller Post-Punk-Aufwärm-Kost zu tun zu haben. Schließlich hat das Fugazi-Mastermind schon mehr als einmal außergewöhnliche Geschmackssicherheit in der Auswahl seiner Bands bewiesen, nicht zuletzt mit den großartigen Blonde Redhead. Dazu ein Artwork von Sonic Youth's Riot Girl Kim Gordon, Remixe von Le Tigre und Death From Above 1979, Blutsbruder Jordan Blilie in der Verwandtschaft und Touren mit unzähligen weiteren Genre-Größen, sind mehr als sichere Indizien für überdurchschnittliches Talent einer Band. Aber was ist jetzt das Besondere an The Gossip? Nun ja, diese Frage dürfte sich schon beim Erstkontakt mit der Musik erledigen. Eine geballte Ladung waviger Funk trifft hier auf jede Menge Punk-Attitüde, gepaart mit einer powervollen Frauen-Stimme, die so voller Soul ist, dass man glauben könnte, die gute Beth Ditto hätte in Diana Ross- und Aretha Franklin-Platten gebadet. Das Ganze ist so knackig auf den Punkt gespielt und produziert, dass man annehmen muss, jeder, der es schafft, zu dieser Musik stillzuhalten, sei entweder taub oder tot. Dabei deckt das musikalische Spektrum des dritten Full-Lenght-Werkes der Drei nicht nur die groovigen Tanzflächenfüller im Stile der Überhits "Jealous Girls" oder des Titeltracks ab, nein auch einige berührend ruhige Momente wie "Coal To Diamonds" oder "Holy Water" haben sich auf die Platte geschlichen, was den Hörgenuss natürlich nur noch potenziert. Halten wir also fest: auf "Standing In The Way..." verbinden die drei überaus sympathischen Punk-Idealisten, die besten Elemente aus Wave, Soul, Blues und Post-Punk zu einer symbiotischen Form Tanzmusik, die es so noch nicht gegeben haben dürfte, und die genug Substanz hat, den derzeitigen Hype zu überleben. Beste Aussichten also dafür, dass der Band das Kunststück gelingt, langfristig erfolgreich zu werden, ohne sich jemals einen Schritt von ihrer Linie wegbewegt zu haben. Ist ja heutzutage eher selten, Respekt!

Text: Thomas Müller


VÖ: 3. Februar 2006

Label: Lado Musik (SPV)

Trackliste:
01.: Fire with fire
02.: Standing in the way of control
03.: Jealous girls
04.: Coal to diamonds
05.: Eyes open
06.: Your mangeld heart
07.: Listen up !
08.: Holy water
09.: Keeping you alive
10.: Dark lines
11.: Standing in the way of control(le tigre remix) bonus

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