Years Of Refusal

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Das ruppigste Morrissey-Album seit zehn Jahren ist weder so düster, wie von den einen befürchtet, noch so zuversichtlich, wie von den anderen erhofft. Nie war Morrissey seinen Anfangstagen näher als jetzt. Gut? Schlecht? Willkommen jedenfalls für jene, die ihn seit jeher für einen Grenzgänger halten!

Über die Musik dieses Mannes zu schreiben, ist wie zu Architektur tanzen - ein seltsames Unterfangen. Doch "Years Of Refusal", sein neuntes Studioalbum, macht es dem Rezensenten leichter. Diesmal holt Morrissey nicht zum großen Rundumschlag aus, sondern begleicht offene Rechnungen nur mit sich selbst: "I was wasting my time/ trying to fall in love/ disappointment came to me and booted me and bruised and hurt me", singt der zölibatäre Pop-Maestro im unwiderstehlichen "That's How My People Grow Up".
Überhaupt ist die Fließgeschwindigkeit der Songs stark angestiegen und wenn Morrissey seit den Smiths jemals ein Album auf den Punkt brachte, dann "Years Of Refursal". Die Gitarren preschen bereits beim Opener "Something Is Squeezing My Skull" nach vorn und kühlen sich erst im letzten Drittel wieder ab. So gerät "It's Not Your Birthday Anymore" zu einem Monstrum aus hallenden Licks, schmetternden Drums und genau die Art von Melancholie zu der nur Morrissey in der Lage ist: Gefühle wie ein Teenager zu haben und sie mit der Weisheit eines alten Mannes ausdrücken.

Morrissey - I'm Throwing My Arms Around Paris


Ob damit eine neue Schaffensperiode eingeleitet wird oder jemand seinen jugendlichen Elan reaktiviert, bleibt abzuwarten. Ganz sicher ist, dass "Years Of Refursal" ein Kapitel im Schaffen dieses Ausnahmekünstlers aufschlägt, das sich sowohl mit einer Rückbesinnung zu dem was war, als auch mit dem Blick auf das, was noch kommen könnte, beschäftigt. Ergänzt durch einen Hauch von Flüchtigkeit und Unvollendetheit, der so nur selten bei Morrissey zu finden war. Bislang zumindest.

Selbst wenn es verfrüht, überhastet oder gar hochnäsig klingt: Dieses Album gehört schon jetzt zu den Besten des Jahrgangs 2009 und die Konkurrenz wird freilich schwer daran zu knabbern haben. Morrissey dieser Tage künstlerisch, kreativ und musikalisch eins draufzusetzen, scheint schier unmöglich, er dirigiert mit Zauberhand.

Marcus Willfroth

VÖ: 13.02.08

Label: Decca/Polydor/Universal

Tracklist:
01. Something Is Squeezing My Skull
02. Mama Lay Softly On The Riverbed
03. Black Cloud
04. I'm Throwing My Arms Around Paris
05. All You Need Is Me
06. When I Spoke To Carol
07. That's How People Grow Up
08. One Day Goodbye Will Be Farewell
09. It's Not Your Birthday Anymore
10. You Were Good In Your Time
11. Sorry Doesn't Help
12. I'm OK By Myself
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