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Neil Young
Neil Young: Le Noise
Planet of sound: (endlich) wieder ein beeindruckendes Werk vom Altmeister der zornigen Gitarre. Intim und zartfühlend, laut und grollend.

Neue Alben von Neil Young bedingen immer eine zwiespältige Vorfreude. Zu unberechenbar ist, was da am Ende zu hören sein wird. Zu viel Belangloses mischte sich all die Jahre zwischen die immer rarer anmutenden Höhepunkte. Mit viel gutem Willen ließen sich zwar auch aus den letzten drei, vier Alben noch verliebenswerte Stücke herausfiltern – aber im immerwährend unentschiedenen Kampf zwischen dem naiv anmutenden Folkie mit den all zu simplen Befindlichkeitsstatements und dem zornigen, mit Mauern von Marshall-Amps im Rücken kommunizierenden „Grunge Opa“ (oder den kiloschweren „Archives“-Releases mit ihrer zwar bewundernswerten aber irgendwann auch ermüdenden Vollständigkeits-Attitude) schien es immer weniger Platz für einen neuen großen Wurf zu geben.
„Le Noise“ allerdings ist dieser Wurf. Nicht im Sinne eines herkömmlichen Albums voller Songs, die man ratzfatz mitsingen kann oder die wirklich für die nächste sauteure Openair-Saison taugen, sondern als ebenso abstrakt angelegte wie konkret dröhnende Meditation über den Sound eines Mannes mit einer Gitarre. Genauer: Eines Neil Young mit seiner Gitarre und einem Produzenten, der dann aber eben auch ein Soundwizard wie Daniel Lanois sein muss. Der konnte bisher noch jedem von ihm betreuten Werk seinen eigenen Geist mitgeben, am eindrucksvollsten allerdings, wenn er nicht den Apparat einer Supergroup wie U2 stemmen muss.
Daniel Lanois über die Arbeit an "Le Noise"
Acht eindrucksvolle Tracks – so recht mag der Begriff „Song“ hier nicht passen – liefert Young auf „Le Noise“, das seinem Namen schon insofern gerecht wird, als es in der Tat jedem erzeugtem Geräusch bis zum endgültigen Abebben nachzuspüren scheint. Eine Soundwelt seltsam intimer Gigantomanie wird hier ausgebreitet, eine Art wall of sound aufs pure Eine-Gitarre-Gerüst reduziert. Mit viel Raum, und einer Ruhe, die den tief innewohnenden General-Zorn eines Neil Young noch verstärkt. Sekunden scheinen mitunter zu vergehen, bis wieder ein donnernder Akkord heranrollt, sich verfächert, mit dem eigenen Echo im Clinch liegt und irgendwann ins rein Atmosphärische ausläuft.
Es braucht dazu keine großartigen, lyrisch in Szene gesetzten Botschaften, ein kurz angebundenes „Walk With Me“ oder ein brutal simpel gehaltenes „Someone’s Gonna Rescue You“ reichen. Die einfachen Reime bevorzugt Young ja schon seit Jahren, hier schüttelt es einen allerdings nicht sofort durch bis ins Mark, agiert seine Stimme doch mehr denn je auf einer quasi-instrumentalen Ebene, als integraler Bestandteil des Soundkonzepts. Ausnahme sind vielleicht die durchaus zwingend-anrührenden Balladen „Peaceful Valley“ und „Love And War“, bei denen sich am ehesten noch der gewohnte Neil Young der letzten Jahre Bahn bricht: ein – nun ja – alter, weiser Mann, der noch lange keinen Frieden mit dieser Welt gemacht hat und für den wohl auch die sonst gern gepriesene göttliche Erlösung keine akzeptable Perspektive scheint. „It’s an angry world“ heißt es denn auch gleich darauf und die Gitarre grollt manisch dazu. Man muss dieses Album natürlich laut hören. Sehr laut.
Augsburg
VÖ: 24.10.2010
Label: Reprise/Warner
Tracklist:
1. Walk With Me
2. Sign Of Love
3. Someone’s Gonna Rescue You
4. Love And War
5. Angry World
6. Hitchhiker
7. Peaceful Vally Boulevard
8. Rumblin’

Neue Alben von Neil Young bedingen immer eine zwiespältige Vorfreude. Zu unberechenbar ist, was da am Ende zu hören sein wird. Zu viel Belangloses mischte sich all die Jahre zwischen die immer rarer anmutenden Höhepunkte. Mit viel gutem Willen ließen sich zwar auch aus den letzten drei, vier Alben noch verliebenswerte Stücke herausfiltern – aber im immerwährend unentschiedenen Kampf zwischen dem naiv anmutenden Folkie mit den all zu simplen Befindlichkeitsstatements und dem zornigen, mit Mauern von Marshall-Amps im Rücken kommunizierenden „Grunge Opa“ (oder den kiloschweren „Archives“-Releases mit ihrer zwar bewundernswerten aber irgendwann auch ermüdenden Vollständigkeits-Attitude) schien es immer weniger Platz für einen neuen großen Wurf zu geben.
„Le Noise“ allerdings ist dieser Wurf. Nicht im Sinne eines herkömmlichen Albums voller Songs, die man ratzfatz mitsingen kann oder die wirklich für die nächste sauteure Openair-Saison taugen, sondern als ebenso abstrakt angelegte wie konkret dröhnende Meditation über den Sound eines Mannes mit einer Gitarre. Genauer: Eines Neil Young mit seiner Gitarre und einem Produzenten, der dann aber eben auch ein Soundwizard wie Daniel Lanois sein muss. Der konnte bisher noch jedem von ihm betreuten Werk seinen eigenen Geist mitgeben, am eindrucksvollsten allerdings, wenn er nicht den Apparat einer Supergroup wie U2 stemmen muss.
Daniel Lanois über die Arbeit an "Le Noise"
Acht eindrucksvolle Tracks – so recht mag der Begriff „Song“ hier nicht passen – liefert Young auf „Le Noise“, das seinem Namen schon insofern gerecht wird, als es in der Tat jedem erzeugtem Geräusch bis zum endgültigen Abebben nachzuspüren scheint. Eine Soundwelt seltsam intimer Gigantomanie wird hier ausgebreitet, eine Art wall of sound aufs pure Eine-Gitarre-Gerüst reduziert. Mit viel Raum, und einer Ruhe, die den tief innewohnenden General-Zorn eines Neil Young noch verstärkt. Sekunden scheinen mitunter zu vergehen, bis wieder ein donnernder Akkord heranrollt, sich verfächert, mit dem eigenen Echo im Clinch liegt und irgendwann ins rein Atmosphärische ausläuft.
Es braucht dazu keine großartigen, lyrisch in Szene gesetzten Botschaften, ein kurz angebundenes „Walk With Me“ oder ein brutal simpel gehaltenes „Someone’s Gonna Rescue You“ reichen. Die einfachen Reime bevorzugt Young ja schon seit Jahren, hier schüttelt es einen allerdings nicht sofort durch bis ins Mark, agiert seine Stimme doch mehr denn je auf einer quasi-instrumentalen Ebene, als integraler Bestandteil des Soundkonzepts. Ausnahme sind vielleicht die durchaus zwingend-anrührenden Balladen „Peaceful Valley“ und „Love And War“, bei denen sich am ehesten noch der gewohnte Neil Young der letzten Jahre Bahn bricht: ein – nun ja – alter, weiser Mann, der noch lange keinen Frieden mit dieser Welt gemacht hat und für den wohl auch die sonst gern gepriesene göttliche Erlösung keine akzeptable Perspektive scheint. „It’s an angry world“ heißt es denn auch gleich darauf und die Gitarre grollt manisch dazu. Man muss dieses Album natürlich laut hören. Sehr laut.
Augsburg
VÖ: 24.10.2010
Label: Reprise/Warner
Tracklist:
1. Walk With Me
2. Sign Of Love
3. Someone’s Gonna Rescue You
4. Love And War
5. Angry World
6. Hitchhiker
7. Peaceful Vally Boulevard
8. Rumblin’
Links
emzetka
vor 624d 4h
höre das album jetzt schon zwei tage mehrfach auf npr "probe" ... klingt nach dem ersten neil-young-album seit einer ganzen weile, an dem man nicht so einfach vorbeikommt...




"Neue Alben von Neil Young bedingen immer eine zwiespältige Vorfreude." - treffender hätte man es wohl nich formulieren können. Aber erstaunlich, solch gute Kritik hätte ich bei weitem nicht erwartet! Bin sehr gespannt und danke dem Autor - morgen geht's in den Plattenladen.
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