Letters & Signs Part One

Alben von Northern Lite

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Bekannt sind sie für ihr Zusammenspiel aus Rock und Techno. Diese Verbindung ist mittlerweile nichts Untypisches, Northern Lite schaffen es aber trotzdem, untypische Töne anzuschlagen.

Einen Dichter als Inspiration für sein Album zu nehmen ist eine hilfreiche Sache, solange man die Philosophie des Schreibers versteht und umsetzen kann. Northern Lite haben in William Blake ihren Helden gesehen. „Er hat schon sehr früh die dunklen verwinkelten Gassen der menschlichen Psyche auf eine sehr philosophische Art unter die Lupe genommen,“ und das sei beeindruckend, meint Songwriter Andreas Kubat. Blake habe den Schmerz, den die Welt heute ins sich trägt, eins zu eins umgesetzt. Northern Lite fühlen sich also verstanden, auch wenn Blakes Thesen 200 Jahre alt sind.
Mit „Letters & Signs Part One“ haben die Erfurter nach eigenen Angaben eine Bewusstseinserweiterung durchgemacht – nun wissen sie, wer sie sind und was sie wollen. Ein erwachsenes Gefühl sei nun da, welches zu einer „Detailansicht der letzten Jahre“ sowie zu einer entsprechenden Realisierung der Vergangenheit geführt habe.
Vor diesem philosophischen und selbstreflexiven Hintergrund präsentieren die Herren ihr sechstes Album, bei dem sie ganz raffiniert die Gitarren in Verbindung mit dem Synthesizer setzen und eine nahezu ergreifende Harmonie binnen der zehn Songs produzieren. Der Hörer darf sich von unterschiedlichen Abstimmungen der Klänge beeindrucken lassen und eine Dosis Techno auch außerhalb der Tanzfläche genießen.
In Northern Lite steckt dadurch ein bisschen Fischerspooner und die Düsterkeit von DJ Hell – mit dieser Platte zeigt die Band das Desolate im Techno-Rock auf.

Northern Lite - Letters & Signs


Mit hymnischen Melodien in „All For Myself“ beginnt der Part One von „Letters Of Signs“. Man könnte annehmen, es sei ein Abschiedssong und jemand würde sich gleich die Brücke herunter stürzen. Diskrepant zur eingänglichen Stimmung folgen im nächsten Song („Bill Gates“) die Lyrics:
Bill Gates will save the world for us/Gimme Sex/Gimme Drugs/Gimme Rock'n'Roll/A beautiful body and a deathless soul/Heading for a fall?/I can't hear it anymore/I got no idea why you care at all."
Aber wieso bloß sollte Bill Gates die Welt retten?
Frontmann Kubat spielt dabei auf folgenden Umstand an: „Gates sowie einige andere schwerreiche Jungs stecken jedes Jahr Milliarden z.B. in die Krebsforschung oder in die Forschung an der kalten Fusion, welche alle Energieprobleme auf der Erde mit einem Schlag lösen würde. Es geht um die trügerische Sicherheit, in der man sich ob der technischen Errungenschaften der Neuzeit wähnt. Dieses '... wird doch alles gut, in 10 Jahren kann man sekundenschnell Organe klonen, der Krebs wird besiegt sein und alles funktioniert mit Solarzellen - also was soll ich mich noch darum kümmern?'" Die Antwort darauf weiß wohl niemand so recht. So lautet die Message dieses Songs: Weder Bill Gates noch irgendwer sonst kann uns die Verantwortung für die Zukunft abnehmen.

Prägnant bei der LP ist also die obskure emotionale Auseinandersetzung mit der Welt und sich selbst („Letters & Signs“) sowie die Frage nach dem Land der Träume ("The Land Of Dreams").
Die Platte geht - trotz gewolltem Ziel, die Vielschichtigkeit auf zwei Alben auszubreiten - nicht in eine Richtung, sondern hat rockige Pop-Frequenzen wie in „Hole“, weist aber auch ruhigere musikalische Momente wie in „Letters & Signs“ auf.

Resümierend kann man sagen, Northern Lites sechstes Album glänzt mit einer subversiven und schüchternen Instrumental-Attitude. Sie sind avantgardistisch in ihrem Tun, driften vom Weg des alltäglichen Rocks ab und bauen ihre musikalische Elemente zu einem eigenen Ganzen zusammen. "Part Two" der Letters & Sings wird dann wohl im nächsten Jahr erscheinen und wesentlich cluborientierter sein.

Franzi Finkenstein


VÖ: 18.09. (im Handel erhältlich ab dem 25.09.)
Label: una Music

Tracklist:

01. Letters & Signs
02. The Sick Rose
03. The Land Of Dreams
04. Gimme Your Number
05. Warrior Song
06. Why Do We Stay
07. Bill Gates
08. Flame
09. Hole
10. All For Myself

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