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Polarkreis 18
Polarkreis 18: Frei
Über Polarkreis 18 kann man sich streiten. Seit jeher. Mit dem neuen Album wird es aber auch schwer für die hartnäckigsten Fans und Freunde des Sextetts.
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Das neue Werk der Band lehnt sich an Franz Schuberts Winterreise an und sei laut eigenen Aussagen ihre bisher reifeste Schöpfung (motor.de Interview). Der winterliche Leitfaden der Band, an dem sämtliche Songs aufgehängt werden, ist unverkennbar. Liebevolle Klavierklänge, weihnachtlich-verschneite Dezemberstimmung. Wenige gehauchte Worte, bei denen sich die Nackenhaare bersten. Hin und wieder eine Stimme aus der Ferne, die sehnsüchtig um Wärme bangt. Und neben all dem die ansteckende Energie der Band - die sich vor allem in der Vorab-Single "Unendliche Sinfonie" zeigt. All das - leider eher seltene Wimpernschläge der neuen Platte.
Polarkreis 18 - Unendliche Sinfonie
Die Band wanderte seit ihrem Erstling vom exzentrischen Postrock über großartige Popentwürfe zu Elektropop zum Mitklatschen. Das euphorische Schlagzeug vermisst man schon seit der letzten Platte, verschlungen von den so genannten großen Emotionen. Das einst einzigartig Bizarre an dieser Band wird verwischt von ungemütlichen 90er Chartbeats. Schwer kann man sich den Frontmann hier noch wie gewohnt ballerinenhaft leicht und flink tänzelnd vorstellen. Außerdem: Klang Felix Räubers Stimme bereits auf "The Colour of Snow" hin und wieder gequält, war es doch unglaublich treffend, hemmungslos und faszinierend. Auf "Frei" und vor allem dem gleichnamigen Song überschreitet das Goldkehlchen jedoch die ohrenbetäubende Grenze zum Schreihals. Irritiert ist man auch vom exzessiven Changieren zwischen der deutschen und englischen Sprache, hinter der eigentlich eine gute Idee steckt. Aber was unter anderem dem Stück "Allein, Allein" die richtige Würze verlieh, muss nicht überall als Patentrezept gelten. Eine versalzene Suppe.
Versucht man die Kompositionen jenseits des eigenen Geschmackskonservatismus und den Bezug auf die Vorgängerplatten zu beurteilen, wird es nicht minder schwierig, negative Kritik außen vor zu lassen. Natürlich, noch immer existiert jede Menge Potential für großes Songschreibertum, noch immer ist Felix Räubers Stimme unverkennbar, zugleich lieblich und dramatisch. An dieser Stelle sollte lobend erwähnt werden, wie variabel sich der Sänger auf "Frei" zeigt: Nicht nur die bekannten Tenorklänge, auch ein den meisten unbekanntes Gesicht seiner Gesänge, nämlich die tieferen Lagen, stehen seiner Stimme ausgezeichnet. Die Brotkrumen für überzeugende Melodien sind gestreut, jene finden aber erst nach mehrmaligem Hören den Weg ans Tageslicht. Weniger erschüttert und verklärt sieht man die Platte also erst nach mehreren Durchläufen. Nichtsdestotrotz ist bei der Gratwanderung zwischen grandiosem Pophimmel und forcierter Kantenabsäbelei Vorsicht geboten – zu rund wirkt das Produkt, beinahe temperamentlos, ordinär und abgegriffen. Neben aller negativen Kritik enthält "Frei" allerdings einige sich wohlklingend in die Ohrmuschel schleichende Songs, leider jedoch machen diese nicht einmal die Hälfte der Tracks aus. Als Anspieltipps seien unter anderem "Unendliche Sinfonie" und "Small Space Between" empfohlen.
Polarkreis 18 - Dreamdancer
Trotz einiger Lichtblicke ist dieses Album eindeutig zu wenig für eine solch grandiose Band. Was man auf der letzten Platte schon hat erkennen können, aber aufgrund von Wahnsinns-Pop-Pathos-Melodien meist noch verziehen hat, entkleidet sich mit "Frei" vollkommen aus seinem kompromisslos exzentrischen, so brillant variabelen und flirrenden Kostüm. Oder um das Ganze nochmal auf die erste Platten zu beziehen: Es hat sich wohl endgültig ausgetraumtänzelt. Schade.
VÖ: 26. 11. 2010
Label: Universal
Tracklist:
01. Frei
02. Unendliche Sinfonie
03. All That I Love
04. Deine Liebe
05. Evergreen
06. Letting Go
07. Small Space Between
08. Sleep Rocket
09. Dark And Grey
10. Elegie
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Das neue Werk der Band lehnt sich an Franz Schuberts Winterreise an und sei laut eigenen Aussagen ihre bisher reifeste Schöpfung (motor.de Interview). Der winterliche Leitfaden der Band, an dem sämtliche Songs aufgehängt werden, ist unverkennbar. Liebevolle Klavierklänge, weihnachtlich-verschneite Dezemberstimmung. Wenige gehauchte Worte, bei denen sich die Nackenhaare bersten. Hin und wieder eine Stimme aus der Ferne, die sehnsüchtig um Wärme bangt. Und neben all dem die ansteckende Energie der Band - die sich vor allem in der Vorab-Single "Unendliche Sinfonie" zeigt. All das - leider eher seltene Wimpernschläge der neuen Platte.
Polarkreis 18 - Unendliche Sinfonie
Die Band wanderte seit ihrem Erstling vom exzentrischen Postrock über großartige Popentwürfe zu Elektropop zum Mitklatschen. Das euphorische Schlagzeug vermisst man schon seit der letzten Platte, verschlungen von den so genannten großen Emotionen. Das einst einzigartig Bizarre an dieser Band wird verwischt von ungemütlichen 90er Chartbeats. Schwer kann man sich den Frontmann hier noch wie gewohnt ballerinenhaft leicht und flink tänzelnd vorstellen. Außerdem: Klang Felix Räubers Stimme bereits auf "The Colour of Snow" hin und wieder gequält, war es doch unglaublich treffend, hemmungslos und faszinierend. Auf "Frei" und vor allem dem gleichnamigen Song überschreitet das Goldkehlchen jedoch die ohrenbetäubende Grenze zum Schreihals. Irritiert ist man auch vom exzessiven Changieren zwischen der deutschen und englischen Sprache, hinter der eigentlich eine gute Idee steckt. Aber was unter anderem dem Stück "Allein, Allein" die richtige Würze verlieh, muss nicht überall als Patentrezept gelten. Eine versalzene Suppe.
Polarkreis 18 - Dreamdancer
Trotz einiger Lichtblicke ist dieses Album eindeutig zu wenig für eine solch grandiose Band. Was man auf der letzten Platte schon hat erkennen können, aber aufgrund von Wahnsinns-Pop-Pathos-Melodien meist noch verziehen hat, entkleidet sich mit "Frei" vollkommen aus seinem kompromisslos exzentrischen, so brillant variabelen und flirrenden Kostüm. Oder um das Ganze nochmal auf die erste Platten zu beziehen: Es hat sich wohl endgültig ausgetraumtänzelt. Schade.
Elli Eberhardt
VÖ: 26. 11. 2010
Label: Universal
Tracklist:
01. Frei
02. Unendliche Sinfonie
03. All That I Love
04. Deine Liebe
05. Evergreen
06. Letting Go
07. Small Space Between
08. Sleep Rocket
09. Dark And Grey
10. Elegie
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