Strange Weekend

Alben von Porcelain Raft

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Ein Album wie ein Zeitraffer: mit "Strange Weekend" versucht Porcelain Raft den eigenen Erinnerungen nachzuspüren und erkürt dabei die Formlosigkeit zu einer Maxime, die zum Träumen einlädt.

(Foto: Maria Scalera)

Es ist Selbstvergessenheit, die der Rastlosigkeit innewohnt und alles wie einen flüchtigen Moment erscheinen lässt. Seit mittlerweile 27 Jahren verschlägt es Mauro Remiddi aus seiner gebürtigen Heimat Italien in die äußeren Hemisphären des europäischen Kontinents und mit ihnen in die der eigenen musikalischen Identität. Wie das Drehbuch zu einem Fantasy-Film mutet es mitunter an, wenn man von Exkursen im Zirkus, Klezmer-Musik und der Neuinterpretation nordkoreanischer Traditionals liest.

Er verkörpert den Geist eines zeitgenössischen Peter Pan – warum sollte sich lediglich einer Facette der eigenen Persönlichkeit verschrieben werden, wenn die Pluralität der Möglichkeiten doch so nahe liegt? Der Assoziation folgend, ist Porcelain Raft – sein neuer Alias – ein weiterer Baustein in einer Gesamtheit, deren Gestalt sich bisher nur schemenhaft darstellen lässt. Ihm deshalb weniger Bedeutung beizumessen, würde jedoch von Leichtsinn zeugen, denn bekanntlich – das Klischee sei verziehen – ist der Weg das Ziel.

Porcelain Raft - "Unless You Speak From Your Heart"


"Strange Weekend" fällt in diesem Gedankenspiel allerdings etwas aus der Rolle, stellt es doch weniger einen Teil des Weges als eher gedankenversunkenes Nachsinnen über selbigen dar. Es ist der kurzweilige Versuch einer Reflexion der eigenen Erinnerung – wie beim Blick aus dem Fenster eines fahrenden Zugabteils mangelt es dabei an Fokus, doch genau dieser Effekt macht den Reiz des Eindrucks aus. "A beautiful picture you always wanted to draw" beschreibt es Remiddi treffend in "Picture", einem unprätentiösen Pop-Song, der zwischen holpernden Schlagzeug-Beats und opulenten Synthesizer-Flächen mäandert.

Den geradezu rasanten Gegenpol dazu bildet die erste Auskopplung "Unless You Speak From Your Heart", deren charakteristisch leiernde Orgel, zusammen mit hallgetränkten Feedback-Schleifen und dem charismatisch androgynen Gesang, ein Paradebeispiel für sympathisch entrückten Dream-Pop darstellt. Das einem Gros der Titel zugrunde liegende Prinzip ist temporäre Entschleunigung, die jedoch nie dem Stillstand verfällt und den Songs eine Art amorphe Gestalt verleiht. Der mentale Effekt ist gleichermaßen cineastisch wie irritierend – die Musik ruft wahre Bilderfluten wach, dennoch lässt sich keines klar herauskristallisieren. Es ist wie die Suche nach einem präzisen Moment im Kontinuum.

Porcelain Raft - "Strange Weekend" (Komplettstream)


Genauer betrachtet ist exakt dieser Mangel an konkreter Gestalt die große Stärke des Albums, denn er bewegt den Hörer auf der Suche nach Trennschärfe dazu, die Musik mit imaginären Details und Emotionen zu füllen und macht ihn somit zum immanenten Bestandteil der Remiddi'schen Gedankenwelt.


Robert Henschel

VÖ: 27.01.2012

Label: Secretly Canadian / Cargo

Tracklist:
01. Drifting In And Out
02. Shapeless & Gone
03. Is It Too Deep For You?
04. Put Me To Sleep
05. Backwords
06. Unless You Speak From Your Heart
07. The End Of Silence
08. If You Have A Wish
09. Picture
10. The Way In



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