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American Ghetto

Alben von Portugal.The Man

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Schon wieder die. Mittlerweile ist man es von Portugal. The Man gewohnt, im Jahrestakt neue Alben serviert zu bekommen. Ungewöhnlich ist aber, dass die Qualität unter der Veröffentlichungswut nicht leidet.

Gefühlt ist man mit „The Satanic Satanist“ noch nicht ganz durch. Zu viele Sound-Schichten, zu viele Details, zu viele Hooks, die noch nicht gebührend abgefeiert sind, haben Portugal. The Man vor nicht einmal zwölf Monaten auf Platte gepresst. Jetzt folgt mit „American Ghetto“ bereits der Nachfolger und wird interessanterweise per Netzveröffentlichung gleichzeitig auf sämtliche Zielgruppen losgelassen. Schön basisdemokratisch überlässt die Band die Meinungsführerschaft zum Album also nicht im Vorhinein bemusterten Schreiberlingen, sondern ballert einfach raus, was sie hat. Und das ist – man ist fast verführt zu sagen: „wie gewohnt“ – Qualitätsware, die mit Indie-Rock von der Stange so viel zu hat wie meine Oma mit Indie-Rock.

Das „American Ghetto“ aus Sicht eines Alaska-Aussiedlers: Portugal. The Man sind vor einiger Zeit nach Portland/Oregon umgezogen und wenn man den elegischen Songs auf ihrer fünften Langspielplatte glauben darf, dann ist nicht das blutige Pflaster von South Central und nicht die überkandidelte Laberpulver-Welt von Manhattan die irdische Hölle, sondern all jene Orte, an denen die amerikanische Mittelschicht ein Leben in ewiger Ambitionslosigkeit führt. Mit der Arroganz des Künstlers hat das allerdings wenig zu tun, denn der Blick der Band schweift durchaus liebevoll durch ein Heer aus Lethargikern, jugendlichen Soldaten und Job-Opfern. Portugal. The Man setzen auf Inhalt, vielleicht ist „American Ghetto“ deshalb auch weniger melodieselig ausgefallen als sein Vorgänger. Es wirkt, als hätte die Band, nachdem sie auf dem letzten Album noch auf der Suche nach dem perfekten Refrain war, ihr Augenmerk nun auf die perfekte Strophe verlegt. Die Eingängigkeit der Lieder mag hin und wieder darunter leiden, dem Fluss des Albums steht dieser Fokus allerdings gut zu Gesicht. Und mit dem Schlussstück „When The War Ends“ warten Portugal. The Man dann doch mit einem veritablen Hit auf, der die Italo-Disco ins amerikanische Ghetto transportiert.



Musikalisch gerät „American Ghetto“ so zu einer typischen Portugal. The Man-Veröffentlichung, zur Quersumme der bisherigen Alben: irgendwie flirrend vor Ideen, gleichzeitig bodenständig wie ein Lastwagen voll Holzfäller, rund und kantig zugleich und schräg genug, um nicht in pathetischen Kitsch abzudriften.

Timo Richard

VÖ: 04.06.2010

Label: Defiance Records/CARGO

Tracklist:
01. The Dead Dog
02. Break
03. 60 Years
04. All My People
05. 1000 Years
06. Fantastic Pace
07. The Pushers Party
08. Do What We Do
09. Just A Fool
10. Some Men
11. When The War Ends

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