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R.E.M.
R.E.M.: Collapse Into Now
Es ist ein gutes Album, tatsächlich ihr Bestes seit langem – aber so richtig wichtig ist es nicht.

Das beste R.E.M.-Album seit zwanzig Jahren sei das, lässt die Plattenfirma schon mal sicherheitshalber verlauten, und ja, das kann man sogar so sagen. Die Plattenfirma lässt allerdings aus, dass die letzten zwanzig Jahre R.E.M. nicht eben die Zeit war, in der die Band überhaupt noch wirklich Bemerkenswertes zu bieten hatte. Statt musikalischer Relevanz gab es halt den vorgegebenen Weg, den eine mehr oder weniger saturierte Stadionrockband nun mal geht: Die Alben dienen als Futter einer mitgealterten Fangemeinde – einer sehr großen, weltweiten und inzwischen sicher auch mehrheitlich relativ gut situierten Fangemeinde – und als Lockstoff für die nächste Welttournee. Festzuhalten bleibt: Die Messlatte für dieses neue Album liegt also nicht besonders hoch.
R.E.M. - "Collapse Into Now" (Trailer)
Es ist in der Tat kein schlechtes Album, schon gar nicht, wenn man es mit der Liga-Konkurrenz – sagen wir mal: U2 – vergleicht. R.E.M. machen hier wieder sehr konzentriert das, was sie vor Zeiten groß gemacht hat. Es sind schlicht und einfach gute Songs, getrieben von Peter Bucks immer noch sehr unprätentiöser und allzeit im Dienste des Songs agierender Gitarre. Michael Stipe hat diese unauffällig sonore Magie in seiner Stimme, seine Art des Gesangs ist wieder ein wenig stärker auf den eigentlichen Song fokussiert, es gibt weniger Effekte, weniger Brimborium im Sound und einige wirklich gute Hooklines, die ja immer noch das Maß aller Dinge im R.E.M.-Genre sind.
Das Problem mit diesem früher mal als College-Rock bezeichneten Genre ist aber auch offensichtlich, gerade weil „Collapse Into Now“ an das erste Bandjahrzehnt gemahnen will: Es ist nicht so beständig, wie das ganz wenige andere hinbekommen, es unterliegt einer ästhetischen Erosion; jedes dieser neuen Alben, so gut sie im Einzelfall wie diesem auch gemacht sind, löst zuallererst einen Nostalgieeffekt aus, beschwört im Geist ein „Losing My Religion“ herauf. Dieses neue Werk wird in einem halben Jahr aus dem individuellen Musikfundusgedächtnis gelöscht sein, weil dort eben nicht genug Platz ist für ein neues R.E.M.-Album, das nicht mächtig genug ist, um gegen die Geister der Vergangenheit und den Mythos der damaligen Jugend anzutreten.
In den Berliner Hansa-Studios aufzunehmen, gehört zu diesen Mythen, es gemahnt an das Berlin eines David Bowie und Iggy Pop, eines, in dem die Einstürzenden Neubauten wichtig waren, Nick Cave und die Songs von Patti Smith. Aber dieses Berlin war eine isolierte Insel, in den Schattenbereichen der Mauer angesiedelt, mit Narrenfreiheit, musikalisch und ideologisch durchfurcht von einer Wirklichkeit, die mit dem Heute nichts mehr gemein hat. Unmengen von Gästen haben sich R.E.M. eingeladen, Peaches – auch in Berlin „entdeckt“ –, Eddie Vedder, Hidden Cameras’ Joel Gibb, gar Patti Smith selbst. Es gibt die tiefschürfende Ballade, den herzergreifenden Schmachter, das losstürmende Indie-Stück, den klassischen Collegerock-Song, es gibt alles, was man von R.E.M. kennt und noch einmal, ja: Es ist so etwas wie ein gutes Album. Aber wen interessiert das noch?
Augsburg
VÖ: 4.3.2011
Label: Warner
Tracklist:
1. Discoverer
2. All the Best
3. Überlin
4. Oh My Heart
5. It Happened Today
6. Every Day Is Yours to Win
7. Mine Smell Like Honey
8. Walk It Back
9. Alligator Aviator Autopilot Antimatter
10. That Someone Is You
11. Me, Marlon Brando, Marlon Brando and I
12. Blue

Das beste R.E.M.-Album seit zwanzig Jahren sei das, lässt die Plattenfirma schon mal sicherheitshalber verlauten, und ja, das kann man sogar so sagen. Die Plattenfirma lässt allerdings aus, dass die letzten zwanzig Jahre R.E.M. nicht eben die Zeit war, in der die Band überhaupt noch wirklich Bemerkenswertes zu bieten hatte. Statt musikalischer Relevanz gab es halt den vorgegebenen Weg, den eine mehr oder weniger saturierte Stadionrockband nun mal geht: Die Alben dienen als Futter einer mitgealterten Fangemeinde – einer sehr großen, weltweiten und inzwischen sicher auch mehrheitlich relativ gut situierten Fangemeinde – und als Lockstoff für die nächste Welttournee. Festzuhalten bleibt: Die Messlatte für dieses neue Album liegt also nicht besonders hoch.
R.E.M. - "Collapse Into Now" (Trailer)
Es ist in der Tat kein schlechtes Album, schon gar nicht, wenn man es mit der Liga-Konkurrenz – sagen wir mal: U2 – vergleicht. R.E.M. machen hier wieder sehr konzentriert das, was sie vor Zeiten groß gemacht hat. Es sind schlicht und einfach gute Songs, getrieben von Peter Bucks immer noch sehr unprätentiöser und allzeit im Dienste des Songs agierender Gitarre. Michael Stipe hat diese unauffällig sonore Magie in seiner Stimme, seine Art des Gesangs ist wieder ein wenig stärker auf den eigentlichen Song fokussiert, es gibt weniger Effekte, weniger Brimborium im Sound und einige wirklich gute Hooklines, die ja immer noch das Maß aller Dinge im R.E.M.-Genre sind.
Das Problem mit diesem früher mal als College-Rock bezeichneten Genre ist aber auch offensichtlich, gerade weil „Collapse Into Now“ an das erste Bandjahrzehnt gemahnen will: Es ist nicht so beständig, wie das ganz wenige andere hinbekommen, es unterliegt einer ästhetischen Erosion; jedes dieser neuen Alben, so gut sie im Einzelfall wie diesem auch gemacht sind, löst zuallererst einen Nostalgieeffekt aus, beschwört im Geist ein „Losing My Religion“ herauf. Dieses neue Werk wird in einem halben Jahr aus dem individuellen Musikfundusgedächtnis gelöscht sein, weil dort eben nicht genug Platz ist für ein neues R.E.M.-Album, das nicht mächtig genug ist, um gegen die Geister der Vergangenheit und den Mythos der damaligen Jugend anzutreten.
Augsburg
VÖ: 4.3.2011
Label: Warner
Tracklist:
1. Discoverer
2. All the Best
3. Überlin
4. Oh My Heart
5. It Happened Today
6. Every Day Is Yours to Win
7. Mine Smell Like Honey
8. Walk It Back
9. Alligator Aviator Autopilot Antimatter
10. That Someone Is You
11. Me, Marlon Brando, Marlon Brando and I
12. Blue
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