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Radiohead
Radiohead: The King Of Limbs
Pflichtprogramm für alle Ohren: Thom Yorkes Stimme, Loop-Ästhetik und die charakteristische Radiohead-Atmosphäre.

Es war eine faustdicke Überraschung, als das Quintett aus Oxford ankündigt, sein achtes Studioalbum nur wenige Tage später zu veröffentlichen – als Download. Wie schon beim Vorgänger „In Rainbows” setzen Radiohead zunächst wieder auf die digitale Vermarktung, bevor der Longplayer ab dem 25. März auch physisch und ab dem 9. Mai in einer speziellen Edition, als sogenanntes Newspaper-Album mit zahlreichen Boni erhältlich sein wird. Acht Songs produzierten Radiohead, in alter Tradition gemeinsam mit dem inoffiziellen sechsten Mitglied der Band Nigel Godrich. Seit 1997 und „OK Computer” zeichnet sich dieser nun schon verantwortlich für die wegweisende, charakteristische Soundmischung der Band. Das „nur” acht Songs auf dem Album sind, lässt Spielraum für die Vermutung, dass es eine vollkommene Wiederholung der „In Rainbows“-Prozedur geben könnte und das Gespann um Mastermind Thom Yorke noch einige Titel für eine Fortsetzung von „The King Of Limbs” zurück hält. Aber auch das jetzt vorhandene Material sollte schon ausreichen, um jeden Radiohead-Fan zufrieden zu stellen.
Es beginnt mit der Blüte, dem Hauch der Schönheit, dem Duft – „Bloom”. Ein Klavier ebnet sich den Weg, bevor Yorke-typische, abgehackte Samples und dessen berüchtigte Stimme einsetzen, um Radiohead-Atmosphäre zu verbreiten. Ein Opener, der erahnen lässt, dass vor allem Freunde der „Amnesiac"-Platte von 2001 hier voll auf ihre Kosten kommen werden. Während „Bloom” seine letzen Greifarme ausfährt, deutet ein kurzer Basslauf an, womit „The King Of Limbs” fortfährt: Energie. „Morning Mr. Magpie” grüßt mit Abstoppung, indem das Quintett zunächst keine sphärischen Elemente einsetzt, vielmehr ein stockendes Schlagwerk, eine abgestumpfte Gitarrenlinie und gen Ende folgt dennoch der Überschlag der Hypnotisierung, in Form des übersteuernden Basses.
Radiohead - "Lotus Flower"
Die Türen schließen sich am Ende des knapp fünfminütigen Songs, als „Little By Little” den Fuß dazwischen stellt und den Trance-artigen Zustand an Hand sich aneinander schmiegender Gitarrenlinien in Track drei hinüber rettet. Wacker halten die Saitenklänge, bis es wild wird und „Feral” – der wohl psychedelischste Song des Albums – sein wohliges Unheil treibt; zumindest für Anhänger der experimentellen, elektronischen Tanzmusik. „Lotus Flower” ist dagegen eine detailverliebte Blume, die das Stimmorgan des Sängers in sympathisierende Höhen treibt und den perfekten Übergang in die, mit zerstörerischer Melancholie versehene, zweite Albumhälfte darstellt.
Thom Yorke - "Give Up The Ghost"
Ob, der mit klassischen Instrumenten überhäufte „Codex” oder das durch Soloauftritte Yorkes bekannte „Give Up The Ghost“, welches mithilfe eines Loop-Gerätes nur vom Kopf der Band umgesetzt werden kann, beide strahlen die Radiohead’sche, düstere Stimmung aus. Auch den nicht so schnell erwarteten letzten Track „Seperator” konnte man zuvor schon in einer Live-Soloversion auf YouTube einsehen. Für „The King Of Limbs” wurde er, anders als „Give Up The Ghost“, noch einmal Looper-untauglich überarbeitet. Nicht nur durch das vorhandene Live-Material, auch durch den nahen Draht zu „Eraser“, der Soloplatte Thom Yorkes, ist der persönliche Einfluss des singenden Weltverbesserers auf „The King Of Limbs” nicht von der Hand zu weisen. Ein Beweis dafür, dass dieser eine lebende Legende unter den Audio-Autoren ist. Das neue Radiohead-Album – mal wieder Pflichtlektüre für alle Ohren.
Max Wege
VÖ: 18.2.2011
Label: Eigenvertrieb
Tracklist:
1. Bloom
2. Morning Mr. Magpie
3. Little by Little
4. Feral
5. Lotus Flower
6. Codex
7. Give Up the Ghost
8. Separator

Es war eine faustdicke Überraschung, als das Quintett aus Oxford ankündigt, sein achtes Studioalbum nur wenige Tage später zu veröffentlichen – als Download. Wie schon beim Vorgänger „In Rainbows” setzen Radiohead zunächst wieder auf die digitale Vermarktung, bevor der Longplayer ab dem 25. März auch physisch und ab dem 9. Mai in einer speziellen Edition, als sogenanntes Newspaper-Album mit zahlreichen Boni erhältlich sein wird. Acht Songs produzierten Radiohead, in alter Tradition gemeinsam mit dem inoffiziellen sechsten Mitglied der Band Nigel Godrich. Seit 1997 und „OK Computer” zeichnet sich dieser nun schon verantwortlich für die wegweisende, charakteristische Soundmischung der Band. Das „nur” acht Songs auf dem Album sind, lässt Spielraum für die Vermutung, dass es eine vollkommene Wiederholung der „In Rainbows“-Prozedur geben könnte und das Gespann um Mastermind Thom Yorke noch einige Titel für eine Fortsetzung von „The King Of Limbs” zurück hält. Aber auch das jetzt vorhandene Material sollte schon ausreichen, um jeden Radiohead-Fan zufrieden zu stellen.
Es beginnt mit der Blüte, dem Hauch der Schönheit, dem Duft – „Bloom”. Ein Klavier ebnet sich den Weg, bevor Yorke-typische, abgehackte Samples und dessen berüchtigte Stimme einsetzen, um Radiohead-Atmosphäre zu verbreiten. Ein Opener, der erahnen lässt, dass vor allem Freunde der „Amnesiac"-Platte von 2001 hier voll auf ihre Kosten kommen werden. Während „Bloom” seine letzen Greifarme ausfährt, deutet ein kurzer Basslauf an, womit „The King Of Limbs” fortfährt: Energie. „Morning Mr. Magpie” grüßt mit Abstoppung, indem das Quintett zunächst keine sphärischen Elemente einsetzt, vielmehr ein stockendes Schlagwerk, eine abgestumpfte Gitarrenlinie und gen Ende folgt dennoch der Überschlag der Hypnotisierung, in Form des übersteuernden Basses.
Radiohead - "Lotus Flower"
Die Türen schließen sich am Ende des knapp fünfminütigen Songs, als „Little By Little” den Fuß dazwischen stellt und den Trance-artigen Zustand an Hand sich aneinander schmiegender Gitarrenlinien in Track drei hinüber rettet. Wacker halten die Saitenklänge, bis es wild wird und „Feral” – der wohl psychedelischste Song des Albums – sein wohliges Unheil treibt; zumindest für Anhänger der experimentellen, elektronischen Tanzmusik. „Lotus Flower” ist dagegen eine detailverliebte Blume, die das Stimmorgan des Sängers in sympathisierende Höhen treibt und den perfekten Übergang in die, mit zerstörerischer Melancholie versehene, zweite Albumhälfte darstellt.
Thom Yorke - "Give Up The Ghost"
Ob, der mit klassischen Instrumenten überhäufte „Codex” oder das durch Soloauftritte Yorkes bekannte „Give Up The Ghost“, welches mithilfe eines Loop-Gerätes nur vom Kopf der Band umgesetzt werden kann, beide strahlen die Radiohead’sche, düstere Stimmung aus. Auch den nicht so schnell erwarteten letzten Track „Seperator” konnte man zuvor schon in einer Live-Soloversion auf YouTube einsehen. Für „The King Of Limbs” wurde er, anders als „Give Up The Ghost“, noch einmal Looper-untauglich überarbeitet. Nicht nur durch das vorhandene Live-Material, auch durch den nahen Draht zu „Eraser“, der Soloplatte Thom Yorkes, ist der persönliche Einfluss des singenden Weltverbesserers auf „The King Of Limbs” nicht von der Hand zu weisen. Ein Beweis dafür, dass dieser eine lebende Legende unter den Audio-Autoren ist. Das neue Radiohead-Album – mal wieder Pflichtlektüre für alle Ohren.
Max Wege
VÖ: 18.2.2011
Label: Eigenvertrieb
Tracklist:
1. Bloom
2. Morning Mr. Magpie
3. Little by Little
4. Feral
5. Lotus Flower
6. Codex
7. Give Up the Ghost
8. Separator
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