Rather Ripped

Alben von Sonic Youth

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Huh? Erzählte Kim Gordon (Bass, Gitarre & Gesang) vor einiger Zeit noch scherzhaft anlässlich eines Interviews und das damals gerade neu hinzugestoßene, fünfte Sonic Youth-Mitglied Jim O'Rourke betreffend, dieser sei zunächst nur auf Probe dabei, "um zu sehen, ob er gut ist", so ist im Infozettel zum neuen Album nur lakonisch vermerkt, die Band bestünde diesmal wieder aus ihrer "nucleus formation". Also Gordon samt Göttergatte Thurston Moore (Gitarre & Gesang), Steve Shelley (Drums) und Lee Ranaldo (Gitarre & Gesang).
Sei's drum, in jedem Fall wirken die zwölf neuen Songs - anders als der Titel suggeriert - keineswegs besonders abgerissen oder reduziert. Klingen, ehrlich gesagt, vielmehr wie eh und je - zumindest was die regulären Sonic Youth-Veröffentlichungen betrifft. Es scheint so, als würden die einstigen Experimentalpioniere ihrer Leidenschaft für das Ausloten der musikalischen Schmerz- und sonstigen Grenzen eher auf den obskuren Releases und bei Seitenprojekten frönen. Also gewissermaßen eine Aufteilung der Erwartungserfüllungen - Sonic Youth sind Krach, aber auch Pop. Denn das, was auf "Rather Ripped" genau wie auf eigentlich allen Alben der Band aus den letzten ca. 15 Jahren zu hören ist, klingt zwar anders als alles andere - außerhalb von Sonic Youth. Jedoch: Innerhalb ihres eigenen Klangkosmos hingegen wirken die vier erstaunlich veränderungsresistent, beinahe schon konservativ. Um es mal salopp zu sagen (und bei der Gelegenheit gleich noch mit einem anderen Vorurteil aufzuräumen): Es wäre leichter, den Unterschied zwischen einem Ramones-Song von 1977 und einem von 1985 zu erkennen, als zu sagen, ob sich unter dem Dutzend Stücke auf "Rather Ripped" nicht doch das eine oder andere Outtake aus "Dirty" (1992) oder "Murray Street" (2002) befindet. Dieselben Gitarrenflächen, dieselben luftigen kleinen Melodien und - zugegeben weniger, aber dennoch - dieselben krachigen Parts. Es scheint, als wäre diesmal mehr Betonung auf Kim Gordons eigenwillig lasziv-schiefen Gesang gelegt worden, aber das wär's auch schon, was als "anders" auffällt. Sonic Youth 2006 - eine Band, ihren Platz gefunden hat und offensichtlich bequem findet. Ist doch okay, oder?

Text: Torsten Hempelt
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