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Razorlight
Razorlight: Slipway Fires
Irgendwie war das abzusehen. Als Meister der Übertreibung ist Frontbarde Johnny Borrell wohl der letzte, der bei seinem dritten Album auf tonnenweise Dramatik, Theatralik und Chorgesänge verzichten würde. Höher, schneller, weiter – doch unterm Strich landen Razorlight mit dem überambitionierte „Slipway Fires“ ungebremst im Nirgendwo.

Dreh- und Angelpunkt der neuen, von Borrell im Vorfeld der Veröffentlichung selbst schon großspurig abgefeierten Platte ist wohl ihre Vorhersehbarkeit: Vorhang auf für ein musikalisches „das musste ja so kommen“. Auf „Slipway Fires“ gibt man sich nicht mehr mit süßlichen, hypermelodischen Pop-Rockmelodien und latentem Indie-Charme zufrieden, sondern setzt gleich auf die ganz hohen Zähler, welche da beispielsweise wären: Eine theatralische Pianoballade namens „Wire To Wire“ mit Plastik-Herzschmerzflair, die die Reaktion des Hörers nicht nur aufgrund von Johnnys inbrünstig vorgetragenem Gesang, sondern auch durch einen emotionsgeladen Chor irgendwo in der Grauzone zwischen echter Anteilnahme und Fremdschamgänsehaut ansiedeln dürfte.
Razorlight - Wire To Wire
Beim zweiten Track „Hostage Of Love“ blitzen hingegen kurzzeitig altbekannte Klanggewohnheiten wieder auf. Und auch auf textlicher Ebene fühlt man sich bei diesem Stück an schadenfroh belächelte Wendungen wie „I met a girl/She asked me my name/I told her what it was“ aus der Single „Somewhere Else“ erinnert. “For telling my story I have been crucified” heißt es da mit der biblischen Anmaßung eines hoffnungslosen Egozentrikers.
Noch unterhaltsamer wird es dann beim Song „North London Trash“ und Johnnys „hot-bodied girlfriend, who makes the cameras flash“ oder Miss „Burberry Blue Eyes“, die unweigerlich Erinnerungen an Teenie-Highschool-Komödien weckt, in denen die Liebe des reichen Töchterchens für den verwegenen Taugenichts mit Rockstar-Appeal einfach irgendwann entflammen muss. Zu rührend. Doch Johnny meint es ernst. Wohl auch die Glam-Pop-Nummer „Tabloid Lover“, die in ihrer Aufgesetztheit alles in allem das irritierendste Stück der gesamten Platte darstellen dürfte.
Razorlight - Tabloid Lover
Während man sich in England zum Teil wirklich böse über die Arroganz des Hauptverantwortlichen Borrell echauffiert, sollte man das ganze Razorlight-Paket aber mit dem nötigen Humor betrachten können. In seiner Naivität, all das Dargebotene vollkommen ernst zu nehmen, wirken Johnny und seine Platte schon wieder irgendwie drollig und ungewollt komisch. Musikalisch versuchte er wohl, seine Jungs in U2-esque Stadionbrachialdimensionen zu prügeln. Nur wäre das im Grunde doch gar nicht nötig gewesen. Es ist gewiss keine Lüge, zu behaupten, dass Menschen, die Razorlight schon immer mit ganzem Herzen zugetan waren, sich auch mit dieser Veröffentlichung arrangieren werden. Doch will man das?
Christine Stiller
VÖ: 20.2.09
Label: Universal
Tracklist "Slipway Fires":
01. Wire to Wire
02. Hostage of Love
03. You and the Rest
04. Tabloid Lover
05. North London Trash
06. 60 Thompson
07. Stinger
08. Burberry Blue Eyes
09. Blood for Wild Blood
10. Monster Boots

Dreh- und Angelpunkt der neuen, von Borrell im Vorfeld der Veröffentlichung selbst schon großspurig abgefeierten Platte ist wohl ihre Vorhersehbarkeit: Vorhang auf für ein musikalisches „das musste ja so kommen“. Auf „Slipway Fires“ gibt man sich nicht mehr mit süßlichen, hypermelodischen Pop-Rockmelodien und latentem Indie-Charme zufrieden, sondern setzt gleich auf die ganz hohen Zähler, welche da beispielsweise wären: Eine theatralische Pianoballade namens „Wire To Wire“ mit Plastik-Herzschmerzflair, die die Reaktion des Hörers nicht nur aufgrund von Johnnys inbrünstig vorgetragenem Gesang, sondern auch durch einen emotionsgeladen Chor irgendwo in der Grauzone zwischen echter Anteilnahme und Fremdschamgänsehaut ansiedeln dürfte.
Razorlight - Wire To Wire
Beim zweiten Track „Hostage Of Love“ blitzen hingegen kurzzeitig altbekannte Klanggewohnheiten wieder auf. Und auch auf textlicher Ebene fühlt man sich bei diesem Stück an schadenfroh belächelte Wendungen wie „I met a girl/She asked me my name/I told her what it was“ aus der Single „Somewhere Else“ erinnert. “For telling my story I have been crucified” heißt es da mit der biblischen Anmaßung eines hoffnungslosen Egozentrikers.
Noch unterhaltsamer wird es dann beim Song „North London Trash“ und Johnnys „hot-bodied girlfriend, who makes the cameras flash“ oder Miss „Burberry Blue Eyes“, die unweigerlich Erinnerungen an Teenie-Highschool-Komödien weckt, in denen die Liebe des reichen Töchterchens für den verwegenen Taugenichts mit Rockstar-Appeal einfach irgendwann entflammen muss. Zu rührend. Doch Johnny meint es ernst. Wohl auch die Glam-Pop-Nummer „Tabloid Lover“, die in ihrer Aufgesetztheit alles in allem das irritierendste Stück der gesamten Platte darstellen dürfte.
Razorlight - Tabloid Lover
Während man sich in England zum Teil wirklich böse über die Arroganz des Hauptverantwortlichen Borrell echauffiert, sollte man das ganze Razorlight-Paket aber mit dem nötigen Humor betrachten können. In seiner Naivität, all das Dargebotene vollkommen ernst zu nehmen, wirken Johnny und seine Platte schon wieder irgendwie drollig und ungewollt komisch. Musikalisch versuchte er wohl, seine Jungs in U2-esque Stadionbrachialdimensionen zu prügeln. Nur wäre das im Grunde doch gar nicht nötig gewesen. Es ist gewiss keine Lüge, zu behaupten, dass Menschen, die Razorlight schon immer mit ganzem Herzen zugetan waren, sich auch mit dieser Veröffentlichung arrangieren werden. Doch will man das?
Christine Stiller
VÖ: 20.2.09
Label: Universal
01. Wire to Wire
02. Hostage of Love
03. You and the Rest
04. Tabloid Lover
05. North London Trash
06. 60 Thompson
07. Stinger
08. Burberry Blue Eyes
09. Blood for Wild Blood
10. Monster Boots
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