Remastered

Alben von Can

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    Future Days / Soon Over Babaluma / Unlimited Edition / Landed

    Als ich vor einigen Jahren einmal mit meinem Vater in einem Plattenladen in London stand, fiel ihm ein Rubrik-Schild mit der Aufschrift "Krautrock" ins Auge. Obschon relativ musikinteressiert und -wissend, war ihm dieses Wort unbekannt und so vermutete er hinter der Kategorie doch eher eine Beleidigung als das, was tatsächlich damit gemeint war - nämlich ein Sammelbegriff für einige eigentlich recht unterschiedliche (Rock-)Bands der späten Sechziger und Siebziger, denen zwei Dinge gemein waren: ihre (mehr oder weniger) deutsche Herkunft und Genre-Grenzen sprengende Experimentierfreudigkeit. Neben Neu!

    und Faust zählen natürlich vor allem Can zu den Gruppen, deren Alben sich für gewöhnlich in dergestalt beschrifteten Fächern tummeln, und wenn man einmal ehrlich ist, stellt "Krautrock" tatsächlich keine Beleidigung dar - ist diese Musik doch außer vereinzelten NDW-Ausnahmen (Nenas Nummer-Zwei-Hit mit "99 Luftballons" in den USA sowie die allseits anerkannte Genialität von Trio) und der besonders in Amerika verbreiteten irrigen Annahme, David Hasselhoff sei deutsch, der wesentlichste Beitrag zur Popkultur, den das Land Goethes und Max Goldts vorzuweisen hat.

    Nachdem nun im vergangenen Jahr bereits die ersten vier Can-Alben in remasterter Form wiederveröffentlicht wurden, folgen am 8. August die Werke fünf bis sieben ("Future Days" von 1973, "Soon Over Babaluma" von 1974 und "Landed" von 1975) sowie das Outtakes- und Testflug-Sammelsurium "Limited Edition", um diverse Bonustracks erweitert - als "Unlimited Edition". Ein guter Zeitpunkt, sich einmal kurz mit diesen Pionieren zu beschäftigen...

    Die Kölner Band bestand im Kern aus Jaki Liebezeit, Irmin Schmidt, Holger Czukay und dem inzwischen verstorbenen Michael Karoli. Phasenweise begleitet von den Vokalisten Michael Mooney (auf der ersten LP von 1969, "Monster Movie") und Damo Suzuki (bis 1973 dabei), deren Namen immerhin die Band The Mooney Suzuki zu wiederum ihrem inspirierten, deren Aufgabe - der Gesang - hingegen im Can-Kosmos eher die Rolle eines weiteren Instruments denn die des Mittelpunktes der Aufmerksamkeit spielten, schufen die vier Musik, deren Einfluss bis heute weithin spürbar ist.

    So ließen es sich bei der Echo-Preisverleihung an Can für deren Lebenswerk im Jahre 2003 John Frusciante und Flea von den Red Hot Chili Peppers nicht nehmen, dem verdutzten Publikum von ihrer Begeisterung für die Kölner - und besonders Frusciantes Bewunderung für die Gitarrenarbeit Karolis - zu künden; die weiteren Lobredner beinhalteten Brian Eno, Damon Albarn (Blur) - und aus irgendwelchen Gründen Marius Müller Westernhagen.

    Doch auch in der gutsortierten Indie-Plattensammlung finden sich die Beweise: Vergleicht doch einmal "Spray" vom "Future Days"-Album mit dem Quasi-Instrumental "Lighten Up" von der großartigen '92er Beastie Boys-LP "Check Your Head". Oder ein beliebiges Tortoise-Album eurer Wahl. Ganz zu schweigen von den per se schon experimentelleren Vertretern des Indie-Rock wie Sonic Youth oder Yo La Tengo. Vieles davon wäre wohl ohne die vorhergehende Neugier von Czukay, Schmidt, Liebezeit und Karoli nicht denkbar; loteten sie doch in ihrem 'Inner Space'-Studio die Möglichkeiten der Studiotechnik aus, loopten und verfremdeten, schnitten und bastelten. Da durften Stücke auch schon mal 20 Minuten dauern, auf Improvisationen basieren oder einfach Versuche sein. Natürlich bat John Peel zur Session, natürlich wurden Vergleich zu Pink Floyd gezogen. Statt wie letztere zu ihren eigenen Denkmälern zu mutieren, beschritten die Mitglieder von Can auch nach dem Ende der Band weiterhin mehr oder minder innovative Wege - aber das ist eine andere Geschichte und kann z.B. hier verfolgt werden: www.spoonrecords.com. Wesentlich ist, dass die hier behandelten vier Alben - genauso natürlich wie ihre vier Vorgänger - wesentlicher Bestandteil der Rock-Geschichte sind, so blöd sich solche Sätze auch immer anhören.

    Wenngleich die klassisch ausgebildeten Kölner Musiker auf ihren Werken zumeist natürlich um einiges schwerer zugänglich sind als die Alternative-Größen der Neunziger - zum einen findet man immer Einstiegsmöglichkeiten, wie zum Beispiel den Titelsong der "Future Days" oder das ebenfalls Bandnamen stiftende "Moonshake", die auch Freunden des wiedererkennbaren Songs gefallen dürften. Und zum anderen ist es doch immer interessant, woher die eigenen Favoriten der jüngeren Zeit ihre Anstöße und Inspirationen bezogen haben, oder nicht?

    Text: Torsten Hempelt

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