Rosenrot

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Fast genau ein Jahr nach „Reise, Reise“, dem letzten Album des schwermetalligen Rockkabaretts aus Berlin, veröffentlichen die Brachialromantiker um Sänger Till „Hulk“ Lindemann ein weiteres Album. Um es vorab zu sagen: „Rosenrot“ ist faktisch die Resteverwertung des Vorgängers. Das Cover wurde der Japan-Edition von „Reise, Reise“ entliehen, die Songs stammen größtenteils noch aus den recording sessions zu eben jener Scheibe.
Also sollte man keine Quantensprünge im bandeigenen Kosmos erwarten. Was allerdings auffällt ist der geringe Anteil, den die Klangspielereien von Keyboarder Christian Lorenz am Gesamtsound diesmal haben. Es dominieren eindeutig die wie immer meterdicken, gigantischen Gitarrenwände. Dazu kommt, dass die lyrischen Ambitionen Lindemanns weiter in den Vordergrund gerückt wurden. Dies hat nun zur Folge, dass das Ganze hier und da etwas ins Lächerliche driftet oder wie im peinlichen Duett mit Texas-Sängerin Spiteri voll in die Hose geht.

Davon abgesehen servieren Rammstein wieder die solide Kost, für die sie weltweit so gemocht werden. Die der Bonusedition beiliegenden DVD mit diversen Livemitschnitten zeigt, wie Fans in Frankreich, Japan oder dem UK unterm knallharten Riffing der deutschen Rockmaschine durchdrehen. Kein Wunder bei Songs wie „Zerstören“ oder auch dem Titelstück „Rosenrot“, welche trotz all ihrer Bösartigkeit einen unglaublich sexy Drive besitzen. Aber auch „Mann gegen Mann“ oder „Benzin“ haben wieder die Durchschlagskraft eines Bunkerbrechers. Andere wie „Wo bist Du?“ oder „Spring“ sind bis knapp unter die Oberkante mit Pathos beladen. Aber das kennen wir ja bereits. Ebenso die textlichen Fragwürdigkeiten, die sich heuer im spanisch gesungenen „Te Quiero Puta!“ („Ich will Dich, Schlampe!“) kulminieren. Texte wie diesen und auch alle anderen aus Tills blutender Feder kann man versuchen zu verstehen, muss man aber nicht. Obwohl man manchmal schon ganz gerne möchte!
Nichts desto trotz bliebt „Rosenrot“ ein Zwischenalbum, dass die Wartezeit aufs nächste gut zu verkürzen weiß. Es ist ein typisches Rammstein-Machwerk, und wenn wir ehrlich sind, müssen wir doch zugeben: Etwas anderes wollen wir auch gar nicht hören!


Text: Sven Hartig
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