Paradise

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Hoch die trüben Tassen! Nach dem dynamisch betitelten ersten Longplayer machen sich Slow Club auf "Paradise" in düsteren Gefilden zu schaffen.

Das Bild, das Slow Club auf ihrem zweiten Longplayer vom Paradies zeichnen, ist kein gewöhnliches – der Tod, der ja unweigerlich vor dem Betreten des christlichen Endzieles steht, ist ein fixer Bestandteil der Texte und verhindert damit jedwede Assoziation von Federball spielenden Engeln, Bier-Flatrates und Schokobrunnen. Slow Club bauen ihren Garten Eden aus schwarz gefärbter Zuckerwatte. Erstmal holpert die Platte aber fröhlich los. Bevor wir fröhlich mitholpern können, müssen jedoch zunächst die wichtigsten Fakten in den Mix geschmissen werden: Nachdem die Band Lonely Hearts offensichtlich nicht mehr mit dem Paradoxon zwischen Combo-Namen und geselligem Bandbeisammensein leben konnte, enstand 2006 im 'Auferstanden aus Ruinen'-Style der Slow Club.

Die beiden Bandmitglieder Charles Watson und Rebecca Taylor fühlen sich scheinbar nicht nur in ihrem Moshi Moshi-Label-Umfeld so pudelwohl, dass sie gleich mit Tilly And The Wall auf Tour gingen, sondern begeistern darüber hinaus auch die nordamerikanische Lebensmittelszene. So wurde einer ihrer Songs von Ritz Crackers für einen Spot genutzt, ein anderer lud dazu ein, in die kaloriengewaltige Welt von Lay's Chips einzutauchen. Kein Wunder, dass es danach kein Halten mehr gab und so erschien 2009 "Yeah so". Schwups, willkommen in der Jetzt-Zeit und somit schnell zurück zu dem von Luke Smith produzierten "Paradise". Opener/Singleauskopplung "Two cousins" hört sich ein bisschen so an, wie eine Liebeshochzeit zwischen Flaming Lips-Pop und Polyphonic Spree-Pomp.

Slow Club – "Two Cousins"


Der Rest der Platte rauscht dann (im positivsten Sinne der Bezeichnung "rauschen") an einem vorbei – immer wieder ertappt man sich dabei, wie man ein bisschen zu lange aus dem Fenster guckt. Den Texten zu folgen scheint fast unmöglich – die Indie-Pop Meditation über das Leben und den Tod lädt ein zu einer Reise ins persönliche Alles und Nichts. Derjenige, der es jedoch schafft seinen Blick zurück vom Fenster und auf den Computerbildschirm zu steuern, wird während des Hörens das Gefühl nicht los, dass eine Kirchengruppe mit einer starken Folk-Vorliebe die totale Entschleunigung geübt hat. Manche stimmlichen Hickser erinnern an Kate Bush auf starken Tranquilizern; manche Backgroundchöre an die entspannte Zwillingsband von den Futureheads, "Horses Jumping" erinnert an ein (sicher niemals stattgefundenes) Zusammentreffen von Paul Heaton und einem betrunken-melancholischen Leonard Cohen.

Sängerin Rebecca Taylor singt in "You, Earth or Ash" "I can only be your canvas" – das Klassenziel scheint erreicht. Dass die Platte trotzdem nicht in die Ödnis führt, mag daran liegen, dass es zwischendurch immer wieder mal rumpelt in der Slow Club-Kiste. Am Ende bleibt demnach eine Platte, die verschroben genug ist um interessant zu bleiben und glatt genug um... aber das hatten wir ja schon. Watson hat die Platte wie folgt zusammengefasst: "Cocks, fannies and death." Falls er damit meint, dass das Album twee as fuck ist, na dann hat er recht - Grobklötze müssen im Slow Club vor der Tür bleiben.

Friederike Steinert

VÖ: 09.09.11

Label: Moshi Moshi

Tracklist:
01. Two Cousins
02. If We’re Still Alive 

03. Never Look Back 

04. Where I’m Waking 

05. Hackney Marsh

06. Beginners 

07. You, Earth Or Ash 

08. Gold Mountain 

09. The Dog

10. Horses Jumping

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