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Smashing Pumpkins
Smashing Pumpkins: Zeitgeist
Nein, gewartet hat die Welt wohl nicht auf dieses offiziell sechste Studioalbum der Smashing Pumpkins. Auch ohne groß mit dem Titel zu kalauern, wird bereits bei den ersten Tönen des brachialen Wuchtrockers "Doomsday Clock" klar: Die Neunziger-Alternative-Dinosaurier passen nicht so recht in die neue Zeit und vermutlich wollen sie das auch gar nicht. "You and me go back/ To places I don't know to kill", singt Corgan dann in "Tarantula", der aktuellen Single. Und da der Mann noch nie ein Freund halber Sachen war, geht er eben auch die ganze Distanz. Den ganzen verdammten Weg zurück bis zu jenem schicksalhaften Tag im Mai 2000, als Corgan die Konsequenzen aus der kreativen, kommerziellen und zwischenmenschlichen, von allerlei Katastrophen garnierten Talfahrt zog, die seine Band in den Jahren davor ereilt hatte. Es gab damals nicht mehr besonders viele Leute, die den Smashing Pumpkins noch eine Träne nachweinten.

Wie immer wird nun fast sieben Jahre später viel über die Gründe gerätselt. Geld und 'einfach-mal-wieder-mit-den-Kollegen-eine-gute-Zeit-haben' scheiden aus. Letztere sind bekanntlich außer Jimmi Chamberlin gar nicht dabei. Der 'Eine-gute-Zeit-haben'-Begriff des erratischen Multimillionärs Billy Corgan dürfte sich von dem der meisten Leute dramatisch unterscheiden. Was den manischen Vielarbeiter vielmehr wurmt sind: der nach gescheiterten Nachfolgeprojekten drohende Bedeutungsverlust und die Nichtwürdigung seines Lebenswerks. Letzteres stellt er anderen in Rechnung - den Medien, James Iha, D'Arcy, eigentlich allen außer sich selbst, Chamberlin und seinen Fans. Corgan sieht sich mit Vorliebe als unverstandenes Genie. Weshalb er konsequenterweise nur den alten Männerfreund Jimmy Chamberlin auf diese Reise eingeladen hat. Mit dem genialischen Drummer, dessen Spiel ebenso wie Corgans quäkige Stimme initial für den Pumpkins-Sound steht, zog er sich letzten Sommer zurück, um zu Ende zu bringen, wofür ihnen beiden einst die Kraft fehlte.
Man muss Rückschau halten, denn "Zeitgeist" sehnt sich nach der guten alten Zeit. Einer Zeit der überschaubaren politischen Fronten und Modelle. Einer Welt also, die inzwischen ebenso in den Wirren der Neuzeit versunken ist wie jene keiner weiteren Erklärung bedürftige, in einem blutroten Meer versinkende Freiheitsstatue vom Albumcover. "Zeitgeist" 'funktioniert' - in den Koordinaten der ausgehenden Neunzigerjahre. Mit "7 Shades Of Black", "Neverlost" oder auch "Come On Let's Go", in dem sich Corgan abermals "back home" wünscht, gelingen emotional aufrichtig geführte Pumpkins-Trademarks. Überhaupt: Mangelnde Leidenschaft kann man der Rumpfband nicht vorwerfen. Mit Hingabe und sakraler Andacht gelang Corgan und Chamberlin ein wahres Smashing Pumpkins-Album, das viel besser ist als erwartet und trotzdem relativ überflüssig. Jeder der zwölf Songs ist Ton-gewordene Wiederholung, sich im Wesentlichen orientierend am brachialen Rock der härteren "Mellon Collie"-Passagen und des letzten Werks "Machina, The Machines Of God". Es fehlt das filigrane Element, das diese Band auch immer auszeichnete. Und die zart-akzentuierte Gitarre James Ihas. Stattdessen regieren der Bombast des ehemaligen Queen-Produzenten Ry Thomas Bakers. Es lärmt, es dröhnt, es donnert. Jede Lücke wird geschlossen, Schicht um Schicht werden Gitarrenspuren aufgetragen, noch das kleinste Schlupfloch in "Bring The Light" mit einem Achtziger Heavy-Metal-Solo des einstigen Scorpions-Gitarristen Uli John Roth zugestopft. Am Ende ist es wie so oft in solchen Fällen: eine Nostalgieplatte. Aber eine, die man ihren Machern abnimmt. Immerhin.
Text: Torsten Groß
VÖ: 06.07.2007
Label: Warner
Tracklist:
01.: Doomsday Clock
02.: 7 Shades Of Black
03.: Bleeding The Orchid
04.: That's The Way [My Love Is]
05.: Tarantula
06.: Starz
07.: United States
08.: Neverlost
09.: Bring The Light
10.: [Come On] Let's Go!
11.: For God And Country
12.: Pomp And Circumstances

Wie immer wird nun fast sieben Jahre später viel über die Gründe gerätselt. Geld und 'einfach-mal-wieder-mit-den-Kollegen-eine-gute-Zeit-haben' scheiden aus. Letztere sind bekanntlich außer Jimmi Chamberlin gar nicht dabei. Der 'Eine-gute-Zeit-haben'-Begriff des erratischen Multimillionärs Billy Corgan dürfte sich von dem der meisten Leute dramatisch unterscheiden. Was den manischen Vielarbeiter vielmehr wurmt sind: der nach gescheiterten Nachfolgeprojekten drohende Bedeutungsverlust und die Nichtwürdigung seines Lebenswerks. Letzteres stellt er anderen in Rechnung - den Medien, James Iha, D'Arcy, eigentlich allen außer sich selbst, Chamberlin und seinen Fans. Corgan sieht sich mit Vorliebe als unverstandenes Genie. Weshalb er konsequenterweise nur den alten Männerfreund Jimmy Chamberlin auf diese Reise eingeladen hat. Mit dem genialischen Drummer, dessen Spiel ebenso wie Corgans quäkige Stimme initial für den Pumpkins-Sound steht, zog er sich letzten Sommer zurück, um zu Ende zu bringen, wofür ihnen beiden einst die Kraft fehlte.
Man muss Rückschau halten, denn "Zeitgeist" sehnt sich nach der guten alten Zeit. Einer Zeit der überschaubaren politischen Fronten und Modelle. Einer Welt also, die inzwischen ebenso in den Wirren der Neuzeit versunken ist wie jene keiner weiteren Erklärung bedürftige, in einem blutroten Meer versinkende Freiheitsstatue vom Albumcover. "Zeitgeist" 'funktioniert' - in den Koordinaten der ausgehenden Neunzigerjahre. Mit "7 Shades Of Black", "Neverlost" oder auch "Come On Let's Go", in dem sich Corgan abermals "back home" wünscht, gelingen emotional aufrichtig geführte Pumpkins-Trademarks. Überhaupt: Mangelnde Leidenschaft kann man der Rumpfband nicht vorwerfen. Mit Hingabe und sakraler Andacht gelang Corgan und Chamberlin ein wahres Smashing Pumpkins-Album, das viel besser ist als erwartet und trotzdem relativ überflüssig. Jeder der zwölf Songs ist Ton-gewordene Wiederholung, sich im Wesentlichen orientierend am brachialen Rock der härteren "Mellon Collie"-Passagen und des letzten Werks "Machina, The Machines Of God". Es fehlt das filigrane Element, das diese Band auch immer auszeichnete. Und die zart-akzentuierte Gitarre James Ihas. Stattdessen regieren der Bombast des ehemaligen Queen-Produzenten Ry Thomas Bakers. Es lärmt, es dröhnt, es donnert. Jede Lücke wird geschlossen, Schicht um Schicht werden Gitarrenspuren aufgetragen, noch das kleinste Schlupfloch in "Bring The Light" mit einem Achtziger Heavy-Metal-Solo des einstigen Scorpions-Gitarristen Uli John Roth zugestopft. Am Ende ist es wie so oft in solchen Fällen: eine Nostalgieplatte. Aber eine, die man ihren Machern abnimmt. Immerhin.
Text: Torsten Groß
VÖ: 06.07.2007
Label: Warner
Tracklist:
01.: Doomsday Clock
02.: 7 Shades Of Black
03.: Bleeding The Orchid
04.: That's The Way [My Love Is]
05.: Tarantula
06.: Starz
07.: United States
08.: Neverlost
09.: Bring The Light
10.: [Come On] Let's Go!
11.: For God And Country
12.: Pomp And Circumstances
Links
Tattooine
vor 1819d 6h
Ne, die Platte is schon ok. Doomsday Clock, That´s the way oder Starz sind echt schöne Songs. Klar, die Jungs bleiben bei ihren Leisten aber das können sie sich auch leisten :-)
hans.erdmann
vor 1819d 7h
Schade, dabei fühlte sich die durch Smashing Pumpkins Lieder ausgelöste Gänsehaut Mitte der Neunziger oft so gut an.




ich war ja nie richtig fan, fand sie trotzdem gut und daher meine frage: muss man die nun im regal haben oder nicht?
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