Lovetune For Vacuum

Alben von Soap&Skin

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    Tragik, die fesselt: Soap&Skin erzählt in dreizehn Elektronika-Klavierstücken von Weltschmerz und Sehnsucht.

    Bereits das Cover von „Lovetune For Vacuum“ offenbart eine düstere geheimnisvolle Anja Plaschg alias Soap&Skin. Ihre Songtexte sind –nicht gleich augenscheinlich– auf der Innenseite der Papphülle verborgen. Als wolle die österreichische Songwriterin ihren Seelenzustand, den sie zwar offenherzig vertont, dennoch verstecken.

    Sanft tragen Klaviermelodien den Hörer in den ersten Song der Platte. Eine zarte Frauenstimme flüstert zerbrechlich „I Lay On The Floor“. Langsam nähert man sich ihr. Mit plötzlicher Wucht verrät sie, wonach sie sucht - dem Mond, der Nacht, der Welt des Traumes. Eben noch düster, wird der Stimme gleich im nächsten Lied „Cry Wolf“ eine andere Facette verliehen. Untermalt von E-Piano, Akkordeon und leichtem Hintergrundklingeln singt sie in Höhen, die einem Gänsehaut verschaffen.

    Immer wählt Soap&Skin das richtige Instrumentenkostüm für ihre Zeilen: Schnelles Wippen der Finger auf den Tasten des Klaviers und dunkle Schläge in “Thanatos“ oder Kontrabass mit Cello und der Forderung „Extinguish me“, die einem das Herz in der Brust schnüren. In ihrem imposanten Stück „Marche Funébre“ bedient sie sich sogar einer der berühmtesten Klaviersonaten Frédéric Chopins', dem Trauermarsch.

    Es folgen Zeilen übers Vergraben und Ersticken - dieses junge Mädchen liefert sich aus. Sie entblößt sich dem Hörer mit jedem Wort, was sie haucht. Es entsteht Nähe, die von Minute zu Minute wächst. Selbst die Instrumentalpassagen und der plötzliche Einbruch wellenartigen Elektrogefrickels schildern ihre verborgene Sehnsucht. Die Melodien sprechen Bände, es braucht nicht viel mehr. In “Spiracle” schreit sie „I still beg please help me“. Wie gern möchte man ihr helfen. Und zugleich nicht. Weil in ihrem Leiden gleichzeitig ihr größtes Potential liegt. Woher dieser Unmut zum Leben rührt, mag man sich fragen. Erschreckend authentisch klingen die Bitterkeit, das Elend und die Gedanken an den Tod.

    Soap&Skin - Spiracle



    Neben dem noch immer zerbrechlichen Kind liegt auch eine selbstbewusste Frau in dieser melancholischen Stimme. Eine 18-Jährige, die von Liebe, Körperlichkeit und ihrem inneren Verlangen erzählt. Soap&Skin klingt als wäre sie ein ganzes Orchester, wenn sie inbrünstig eigens verfasste Zeilen vom Wahnsinn singt. Manchmal erinnert ihre klare Stimme in Kombination mit dem Piano an Cat Power. Doch ihre Musik ist experimenteller, wirrer, lauter. Immer tiefer verstrickt sie sich in ihrem Geräuschkonstrukt. Die obskuren Tonsequenzen winden sich ineinander, die minimalistische Elektronik umspinnt den Hörer und lässt sein Kopfkino arbeiten. Wie eine vertonte Traumsequenz wirkt der finale Track “Brother Of Sleep“ durch Rauschen und Vogelgezwitscher.

    Von der Klavieruntermalung zu Beginn bis zu den finalen elektronischen Spinnenweben fesseln die 13 Stücke auf „Lovetune For Vacuum“. Sie steigern die Hoffnungslosigkeit, in die man versetzt wird. Es scheint, als laufe diese junge Frau nicht weg, sondern als wachse sie an ihrem Schmerz und dem Zweifel, der an ihr nagt. Erst der Paukenschlag zum Schluss erinnert daran, dass die Nacht und eine dreiviertel Stunde exzessive Traurigkeit zu Ende sind.

    Jasmin Hollatz


    Soap&Skin - Lovetune For Vacuum

    VÖ:
    13.03.2009

    Label: PIAS Recordings (Rough Trade)

    Tracklist:
    01. Sleep
    02. Cry Wolf
    03. Thanatos
    04. Extinguish Me
    05. Turbine Womb
    06. Cynthia
    07. Fall Foliage
    08. Spiracle
    09. Mr. Gaunt Pt 1000
    10. Marche Funèbre
    11. The Sun
    12. DDMMYYYY
    13. Brother Of Sleep
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