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Metallica
Metallica: Some Kind of Monster - Eine Band zwischen Psychocouch und Kamera
Einer Band wochenlang dabei zuzusehen, wie sie im Studio an neuen Songs arbeitet, erscheint auf Anhieb nicht als das spannendste Prinzip für einen Dokumentarfilm, selbst wenn es sich bei der Band um die Heavy-Metal-Legende Metallica handelt.
Doch die Arbeit am später „St. Anger“ betitelten Album würden nicht wie üblich verlaufen, so viel stand schon vorher fest. Nach dem ziemlich unerwarteten und unharmonischen Ausstieg des Bassisten Jason Newstedt hatte das Management den verbleibenden Metallica-Mitgliedern James Hetfield, Lars Ulrich und Kirk Hammett den Psychologen Phil Towle vor die Nase gesetzt.
Plötzlich über Gefühle reden zu müssen blieb aber nicht das einzige Problem der Rocker. Die Arbeit an neuen Songs hatte gerade so richtig begonnen, da beschloss Hetfield spontan, seine Alkoholprobleme in den Griff zu kriegen. Ein Jahr lang begab er sich in den Entzug und brach den Kontakt zu seinen Kollegen beinahe komplett ab. Metallicas Zukunft stand ernsthaft auf dem Spiel. Die Filmemacher Joe Berlinger und Bruce Sinofsky (die u.a auch "Brother’s Keeper“ inszenierten) und Therapeut Towle wichen den Metallica-Jungs aber nicht von der Seite und blieben auch am Ball, als Hetfield irgendwann wieder aus der Versenkung auftauchte.
Schließlich sollte ja noch ein neues Album aufgenommen und ein neuer Bassist gefunden werden.
Die Band hat „Metallica: Some Kind of Monster“ mitproduziert, daher kann man davon ausgehen, dass der Film nur einen Bruchteil der ausgetragenen Konflikte zeigt. Dennoch werden hier mit erstaunlicher Offenheit zahllose Monster bekämpft. Nicht nur der eigene, schier unermessliche Ruhm, der Alkohol oder die kontrovers diskutierte, von Ulrich angestrengte Klage gegen die Tauschbörse Napster reiben die Bandmitglieder auf. Auch die eigenen Egos krachen gewaltig aufeinander. Denn speziell Hetfield und Ulrich erweisen sich im Verlauf der Therapie nicht nur als aufbrausende, beinharte Rocker, sondern mindestens ebenso exzentrische Sensibelchen. Wie die beiden es all die Jahre ohne Therapeuten miteinander ausgehalten haben, kann man sich kaum vorstellen. Genauso überraschend ist allerdings ihr Mut, sich an diesem entblößenden und ehrlichen Filmexperiment zu beteiligen. Und es sind nicht nur Metallica-Fans, die das zu schätzen wissen sollten. Denn „Metallica: Some Kind of Monster“ ist nicht nur ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen der Band, sondern auch eine spannende Beobachtung zwischenmenschlicher Konflikte und die Schwierigkeiten kreativer Teamarbeit.
Text: Patrick Heidmann




