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Speech Debelle
Speech Debelle: Freedom Of Speech

"I live for the message" rappt – oder vielleicht doch besser: singt; aber da kommen wir auch gleich drauf – die noch junge Londonerin über einen gar nicht fett in Szene gesetzten, quasiakustischen Beat und ein paar simple melodische Sound-Sprengsel. Es ist die Botschaft dieses sehr, sehr guten Albums, das sich abseits jeglicher HipHop-Status-Diskussion und natürlich auch fernab von allem emanzipiert, was am HipHop der letzten zehn Jahre so ätzend widerwärtig geworden ist: die dickeierige Selbstrefenzialität, das krampfhafte Mehr-höher-weiter-teurer. Oder das unerträglich Billige, die immergleiche Klischeeaufwärmung, die nur noch funktioniert, wenn man sie ins Groteske überdreht. Es ist nicht mal ein Anti-Konzept, sondern einfach nur der Rückgriff auf klassische Tugenden des Genres, das hier plötzlich wieder als Spiegel von echten Leben, echten Sorgen, echten Menschen funktioniert. Consciousness HipHop – es gibt die Begrifflichkeit dafür natürlich schon seit vielen Jahren – ist schon seit einiger Zeit dabei, sich wieder bemerkbar zu machen, eben noch hatten die unverwüstlichen The Roots wieder vorgelegt. Die Zeiten sind auch danach.
Speech Debelle – "Studio Backpack Rap"
"Freedom Of Speech" ist – drei Jahre nach dem etwas unversehens gleich mit dem als gediegene Edel-Auszeichnung angesehenen Mercury Prize ausgestatteten Debüt – ein Album, das sich vollends auf den Alltag bezieht und dessen Inhalte sich aus ihm speisen. Einer Lebenswirklichkeit also, die noch nicht vergessen hat, was Thatcher für "einfache Leute" und Working-class-Bewusstsein bedeutet hat, nämlich den eisenhart gewollten politischen Genickbruch. Eine Realität, die mit Krise und Londoner Banken-Lobby gerade wieder kurz vor einem ähnlichen gesellschaftlichen Abgrund zu stehen scheint, wie damals in den Achtzigern. Es gibt sogar den Riot-Song auf "Freedom Of Speech", allerdings wurde "Blaze Up A Fire" lange vor eben jenen geschrieben, noch ein Zeichen dafür, dass man Speech Debelle genau zuhören sollte.
Speech Debelle – "I'm With It"
Das Tolle an ihrem Album ist indes, dass es alles andere als apokalyptisch oder verzweifelt klingt. Es ist durchweg melodisch grundsolide und mit deutlichem 80er-Bezug akzentuiert, sehr unaufdringlich instrumentiert, in jedem Moment stilsicher und klassisch aufgeräumt. Selten wird es wirklich laut, wütend, böse. Meist erzählt es einfach seine Geschichten von verflossenen Liebschaften und TV-Wahnsinn, von Öl-Krise und Musikmachen. Debelle agiert als Rapperin jederzeit souverän, hat aber obendrein genügend stimmliches Potenzial, um sich über den reinen Flow des gesprochenen Wortes noch ein Stück hervorzuheben, jeglichen Anflug von Gleichförmigkeit zu vermeiden und ihren Stücken auch noch eine wirkliche Seele einzuhauchen. Sehr menschlich wirken ihre Songs, auf eine sehr selbstverständliche Art, unpeinlich und unangestrengt. Als ob das alles so einfach wäre. Das ist die große Kunst.
Augsburg
VÖ: 10.2.2012
Label: Big Dada / Rough Trade
Tracklist:
01. Studio Backpack Rap
02. Live for the Message
03. Blaze up a Fire feat. Roots Manuva and Realism
04. Elephant
05. X Marks the Spot
06. Angel Wings
07. Shawshank
08. I'm With It
09. The Problem
10. Collapse
11. Eagle Eye feat. Realism
12. Sun Dog



