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Stabil Elite
Stabil Elite: Douze Pouze

(Foto: Alexander Romey)
Neulich auf dem CTM Festival in Berlin: auf einem Podium sitzen neben den Labelbetreibern Christian Borngräber und Jens Strüver auch Sven-Åke Johansson und Hans-Joachim Roedelius. Die Herren sprechen über die erquickende Vergangenheit, über den Underground in Deutschland, über das von Roedelius mitgegründete Zodiak. Aber eben auch über die Gegenwart, die neuen Möglichkeiten und die mannigfaltigen Subkulturen, denen es an einer gewissen Kontur fehle. In Deutschland gäbe es aktuell keinen vergleichbaren kreativen Ort für Kunst und Musik wie das Zodiak – dass alle Herren einen Beinahe-Konsens in dieser Frage herstellen, sollte nicht weiter verwundern. Es wird hier auch gar nicht erst die tölpelhafte Unmanierlichkeit begangen, ein Vergleich aufzustellen. Er würde humpeln und bei den ersten Schritten bereits zusammenbrechen. Es lässt sich dennoch nicht leugnen, dass im Kreativ-Labor Düsseldorf seit Jahren ein Hort für kollaborative Schöpfungskraft gedieh. Der Salon des Amateurs ist vielleicht nicht unbedingt der rechtmäßige Nachfolger des Zodiak, nichtsdestominder hat sich im Nachtcafé unter der Kunsthalle eine einzigartige, weil konvergente Kulturszene entwickelt.
Stabil Elite – "Gold" (2011)
Von den nimmermüden Veteranen Kreidler über den Tausendsassa Stefan Schwander und Eklektikern Von Spar bis hin zu Hauschka und seiner 2011 vertonten Ode an den Club – sie alle werden vom Geist der gemeinsamen Anregung penetriert. Multidirektionale Inspiration mit einer bedeutenden Schnittmenge. Diesem Kreis sind auch Lucas Croon, Martin Sonnensberger und Nikolai Szymanski entsprungen. Im Frühjahr des letzten Jahres erschien ihre EP "Gold", dessen Titelstück den Midas-Mythos in ein Kraut-Pop-Gewand hüllte, mit dem sie ihr geografisches Erbe bereits eindrucksvoll andeuteten. Dieser Tage erscheint nun ihr Debütalbum "Douze Pouze", das seine Füße zwar auf den Nährboden der Vergangenheit stellt, den Blick aber geradeaus statt zurück richtet.
Es ist diese fehlende Larmoyanz gegenüber den Wurzeln und Söhnen ihrer Heimat, die das Songdutzend zum sicherlich besten deutschen Klangmaterial 2012 werden lässt. Obwohl das Trio mit einem beinahe konservativen Traditionalismus die "Düsseldorfer Schule" (Kraftwerk, Neu!, Fehlfarben) paraphrasiert, geraten die Krautkameraden niemals in den Verruf, prätentiös zu sein. Und auch wenn auf den biederen Plätzen bereits Post-Moderne geschrien wird und die Einfältigen nochmals erfolglos den Unterschied zwischen Hommage und Plagiat googeln müssen, werden Stabil Elite gelassen bleiben. Die Erläuterung ihres Schaffens, so könnte man glauben, liefern sie mit der Eröffnung gleich mit: "Drei gerade Zahlen / in neuen Dimensionen / wandern um sich selbst / und wollen sich nicht schonen".
Stabil Elite – "Douze Pouze"
Was nach Dada klingt, wird vielerorts bereits als Retrofuturismus gepriesen. "Douze Pouze" ist weniger ein vermengtes Stil-Konglomerat, vielmehr lassen sie den avantgardistischen Gral der Siebziger und Achtziger in seine Einzelteile zerbrechen, nur um sich danach die Stücke herauszupicken, die mit cooler Verve für ihren "kontrollierte(n) Anbau am Altbau" wiederverwertet werden. So gelingt es den Dreien, krautige Monotonie ("Aether") mit minimalistischen Ideen zu verbinden, bei denen Industrial-Motive auf einem Schaukelstuhl vom Minimoog in Bewegung gesetzt werden ("Expo"). Natürlich liefern sie auf einigen Stücken eher Makro-, denn Mikrozitate von Kraftwerk oder Neu! an, interessant jedoch sind die Nuancen: neben Disco-Motiven, Funk-Schlieren und fernöstlichen Einsprengseln finden sich selbst technoide Electronica-Andeutungen, die jedoch sowohl Richtung Pop als auch gen Tanzfläche schielen.
Es ist gerade der Spagat zwischen der von ihnen aufgegriffenen Vergangenheit und dem restaurations-ähnlichen Transfer in die Jetztzeit, der Neuartigkeit vermittelt. Eingearbeitet in ein Geflecht aus pointierten Analog-Beats beweisen die Düsseldorfer abermals, dass man deutsch singen kann und trotzdem nicht peinlich sein muss. Ihr Debüt brodelt zwischen ekstatischer Synthesizermusik und Stromgitarren, zwischen rudimentärer Lyrik und selbstbewusster Eigenwilligkeit. Koketterie im feinen Zwirn? Warum eigentlich nicht.
Sebastian Weiß
VÖ: 02.03.2012
Label: ITALIC Recordings
Tracklist:
01. Drei Gerade Zahlen
02. Expo
03. Hydravion
04. Rave Maria
05. Milchstraße
06. Agent Orange
07. Wir Kommen Aus
08. Aether
09. Endecomputer
10. Revue
11. Papier
12. Dreiklang
Ich komme aus Düsseldorf und ja, ich bin stolz darauf. Alle klatschen immer Berlin. Berlin, Berlin, Berlin. Alles total toll, sowieso und schon klar.
Ich mag die Worte des Autors (er heißt übrigens Sebastian Weiß) und verstehe den Artikel komplett. Ohne Probleme. Ich liebe Stabil Elite und denke, dass der Artikel der Band und dem Album (und eben nicht nur diesen beiden) mehr als gerecht wird. Welche Fremdwörter sollen das denn bitte sein: Larmoyanz, prätentiös oder Konglomerat? Na aber hallo, das sind alles Wörter, die halt weniger benutzt werden. Und deswegen so beleidigend sein? In Düsseldorf würden wir sagen: Schäm dich!
Hier beschäftigt sich mit deutscher Musik auf hohem Niveau, das ist meine Meinung. Und stimmt Rodrigo, über die Musik haben wir noch nicht gesprochen hier. Auch bescheuert. Dass das einige nicht verstehen oder lieber meckern müssen, ist trivial. Und ridikül. Das stellt "Tragisch" nun wohl wieder vor Probleme, oder?
Damit bin wohl auch ich gemeint, wenn hier jemand schreibt, dass ich auf den biederen Plätzen die Rezension abfeiere. Ähh, ja das tue ich. So wie du den Autor angreifst, finde ich die Besprechung gelungen. Deine Tirade (musst du das jetzt googlen?) haben fast schon laut.de-Niveau. Nun denn.
Wer der deutschen Sprache nicht mächtig ist, wird sich immer aufregen, dass er etwas nicht versteht. Traurig traurig. Ich will hier nicht weiter kommentieren, das hat ohnehin kein Sinn. Es gibt einfach KEIN MEDIUM, KEINES KEINES KEINES, dass sich per Kommentarfunktion mit Musik beschäftigt.
Und wenn ich hier lese, dass man sich eher über einen Stil des Autors aufregt, ohne selbst einen zu haben oder präsentieren zu können/wollen, dann sage ich gute Nacht Musikjournalismus.
Auf den biederen Plätzen wird bereits "blendende Besprechung" und die Einfältigen müssen nochmals erfolglos den Unterschied zwischen Musikjournalismus und intellektueller Prollerei googeln – das Düsseldorfer Trio Stabil Elite hingegen, bleibt gelassen.
Nichts gegen die Band, sie macht großartige Musik, doch was ist mit dem Autor dieses Artikels los?
Kann doch kein Mensch lesen. Dieser pseudo-feuilletonistische Stil vertreibt jegliche Lust auf die Band. Eine Aneinanderreihung von Fremdwörtern und Vergleichen macht noch lange keine gute Rezension aus!
Ich weiß nicht, was ich von denen halten soll. Gold klingt komisch, irgendwie strange. Vielleicht weil es deutsch ist. Sonst kann man ja noch keinen ganzen Song hören, oder? Kenne nur die kurzen Teaser...
Hab das auf der Facebook-Seite von Elite gesehen. Warum postet das die Band nicht selber. Gerade diese Rezension hebt sich doch von den meisten doch ein wenig ab, ja Kraftwerk hier, und andere Klassiker dort. Immer das gleiche, hier wird mal ein Bogen gesponnen, finde ich richtig gelungen. Wie heißt der Autor des Artikels?
Das ist eine blendende Besprechung zu einem blendendem Album. Ich stimme dem Autor zu, das wird sicherlich eines der besten deutschen Alben 2012. Kettcar, Türen, Deichkind? Quatsch, Stabil Elite heißt die Zukunft.





Peinlich!
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