To The Treetops!

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Überlebensgroß und überambitioniert: Was die norwegischen Indie-Pop-Newcomer da auf ihrem epischen Debütalbum auffahren, reicht bei manch anderer Band gleich für eine ganze Karriere.

(Foto: APPARATET, Propeller Recordings)

Das Team kann nur so stark sein, wie die Summe seiner einzelnen Mitglieder. Eine Hand hilft der anderen und bei einer Band, die Team Me heißt, wird diese Einstellung ja quasi impliziert. Umso interessanter ist es, dass besagte Gruppierung erst zu einer Einheit reifen musste und sich vielleicht immer noch mitten in diesem Prozess befindet. Der Grund dürfte bei Frontmann Marius Hagen zu suchen sein, welcher vor gut zwei Jahren eigene Solosongs bei einem Radio-Wettbewerb einschickte. Soweit so gewöhnlich, doch Hagen nahm die Teilnahmebedingungen – es durften nur komplette Bands teilnehmen – nicht so genau. Und als der Musiker mit seinem damaligen Pseudo-Projekt Team Me auf einmal im Finale stand, musste er in relativ kurzer Zeit eine komplette Künstlerschar auf die Beine stellen – ein Glück, dass man als Kreativschaffender ja meist ein oder zwei Bekannte kennt, die diverse Instrumente beherrschen. Und so feierte das zusammengewürfelte Kollektiv seine Premiere in eben jenem Finale im Jahr 2010.

Team Me - "Show Me"

Dass dies alles offensichtlich so reibungslos vonstatten geht und die Band sich auf den Vorschusslorbeeren durch internationale Festivals wie das US-amerikanische SXSW oder das hiesige Reeperbahn Festival tragen lässt, liegt vor allem an ihrer Qualität. "To The Treetops!" ist der Soundtrack zum Enthusiasmus, der das Sextett von allen Seiten zu umgeben scheint. Der erste Langspieler präsentiert sich als überambitioniertes, aufwendig orchestriertes und ausgereiftes Sammelsurium gewaltiger Pop-Hymnen, welche man in dieser souveränen Qualität von einer Newcomer-Band selten hört. Den verhaltenen, nebeltrunkenen Keyboard-Spielereien des Openers "Riding My Bicycle (From Ragnvalsbekken To Sorkedalen)" lässt die Band allein innerhalb dieses siebenminütigen Opus ein Feuerwerk an Ideen und Elementen folgen.

Kein Lied, in dem die Gruppe nicht chorale Überpräsenz zeigt, Glockenspiel, Streicher und Piano gegen Gitarrenwände ankämpfen lässt, welche sich im Wechselspiel mit intimen, typisch skandinavischen Singer/Songwriter-Momenten präsentieren. Gerade das noch eine Minute längere "Favourite Ghost" präsentiert sich als aufgeladene Symphonie, die erst weit nach der Hälfte doch noch zum Bombast-Monster mutiert. Und dennoch verfallen diese epischen Hymnen auch immer wieder in eingängige Pop-Songs. Auf "Show Me" wird dies am deutlichsten, besonders da Hagens Organ gerade hier sehr stark an Michael Angelakos von den US-Synthie-Hippies Passion Pit erinnert. Aber gelegentlich ertappt sich der Musikfreund auch dabei, musikalische Referenzen an die dänischen Kollegen Mew oder die kanadischen Genre-Überväter Arcade Fire genauso wahrzunehmen, wie an Landsmann Einar Stray, der – ganz unüberraschend – natürlich auch zum Freundes- und Fördererkreis von Team Me zählt.

Team Me - "With My Hands Covering Both Of My Eyes I Am Too Scared To Have A Look At You Now"

Die zehn melodieverliebten Indie-Pop-Wunder scheinen ihre Einflüsse aus allen Genres und Facetten zu ziehen – etwas Folk hier, leichte Elektronik-Anliehen da, sogar ein Banjo und diverse verworrene Post Rock-Soundwände sind zu finden. Alles ist möglich, nichts scheint die träumerischen Phantasie-Welten des skandinavischen Sechsers zu erschüttern – es ist eine gesunde, formvollendete Naivität, die sich mit einer gewissen wohltuenden Melancholie paart und die Team Me auf diesem Werk in vollem Maße zelebrieren.

Das ist dann teilweise für den Hörer auch an der Grenze des Zumutbaren, denn auf Dauer mangelt es dem Überangebot von musikalischen Elementen dann doch etwas an der nötigen Abwechslung oder Ausgewogenheit. Und die Frage, was einem solchen Debüt eigentlich noch musikalisch folgen soll, getraut sich wohl niemand ernsthaft zu beantworten. Es ist ein überladener, höchst eigensinniger Balanceakt zwischen naiv-jugendlichem Leichtsinn und choralen Pop-Konstrukten, den die Norweger hier abliefern. Dass dieses Team dabei vielleicht gelegentlich etwas zu sehr in die ein oder andere Richtung taumelt, verzeiht man ihm dabei von ganzem Herzen — sie stehen ja auch erst am Anfang.


Norman Fleischer

VÖ: 24.02.12

Label: Propeller Recordings/Soulfood

Tracklist:


01. Riding My Bicycle (From Ragnvalsbekken To Sorkedalen)
02. Show Me
03. Patrick Wolf & Daniel Johns
04. Weathervanes and Chemicals
05. Fool
06. Dear Sister
07. Favourite Ghost
08. Looking Thru The Eyes of Sir David Brewster
09. With My Hands Covering Both Of My Eyes I Am Too  
      Scared To Have A Look At You Now
10. Daggers


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