Future This

Alben von The Big Pink

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Das Zweitalbum mit Top-Produzent und einfachem Konzept: mehr Hymne, deutlichere Hits, größere Bühne.

Ein bisschen mehr Mühe hätten sich The Big Pink mit dieser ersten Single aus dem Zweit-Album denn vielleicht doch geben können. "Hit The Ground (Superman)" ist ein ganz offensiv formulierter Wiedergänger des – durchaus als Indie-Smash-Hit katalogisierten – "Dominos" von vor drei Jahren. Da gaben sie mit ihrem Debüt "A Brief History Of Love" einen formidablen Einstand in die britischen Musikgegebenheiten, überraschten mit einem unverfroren lustvollen und simplen Noise-Appeal, der es sogar schaffte, das ja eigentlich endgültige Soundkonzept der seligen Jesus & Mary Chain nochmal ein ganz klein wenig aufzubohren. (Und lieferten mit dem immer noch umwerfenden "Velvet" überdies auch noch einen der wirklich schönsten verstörenden Songs des Jahres 2009 ab.)

"Hit The Ground" jedenfalls, ist also im Prinzip eine Fortschreibung, nur, dass hier das Hymnische keine untergründige Verheißung, sondern offen ausgestellter Wille ist. Es soll hoch hinausgehen, dafür steht schon der Name des neuen Produzenten. Paul Epworth dürfte der derzeit wohl angesagteste (und nicht zuletzt teuerste) Mann des Popmusik-Genres auf der Insel sein, mit Adeles "21" geht das Superseller-Album des letzten Jahres auf sein Konto und er ist nicht eben bekannt dafür, dezent zu agieren (was wohlgemerkt kein Vorwurf sein soll). Aber: "Future This" legt es darauf an, jetzt auch wirklich durchzustarten, betont wird – ganz ohrenfällig – vor allem der eingängig funktionierende Teil des Big-Pink-Universums, das Verstörende, Irritierende, stoisch Brodelnde – und letztlich vor allem anderen Faszinierende – wird nur noch im Ausnahmefall zugelassen. So wie beim eigentlich unscheinbar anmutenden "1313", das auf eine untergründige, böse verzerrte Bass-Grummelei zurückgreift und in all seiner seltsam dahertaumelnden Unfertigkeit und dem am Ende doch unentschlossenen Ausflug ins Feedback-Chaos den geheimen Höhepunkt des Albums ausmacht.

The Big Pink – "Hit The Ground" 


Sie würden "verstärkt Einflüsse aus HipHop und elektronischer Musik" verarbeiten, lassen The Big Pink verlauten, das ist natürlich nur das übliche Wortgeklingel für Leute, die immer nach irgendeinem tieferen kreativen Sinn suchen, wenn jemand einfach eine sture Drummachine benutzt, statt eines Schlagzeugers und überdies noch jede Soundritze mit Achtziger-Keyboard-Sequenzen auffüllt. Das war schon immer das Arbeitsprinzip der beiden Londoner, hier noch deutlich konsequenter umgesetzt, dafür wiederum holt man sich ja einen Star-Produzenten. Letztendlich ist "Future This" also eine gewissermaßen logische Nachfolge des Debüts, das dessen Überraschungs-Charme großteils durch eine professionelle Abgeklärt- und Zielgerichtetheit ersetzt. Das kann man schade finden und es hätten sicher auch andere Wege offen gestanden. Aber mal ehrlich: Wer würde an ihrer Stelle nicht lieber auf mehr Erfolg setzen, auf den offensichtlicheren Hit, auf die größere Bühne?


Augsburg


VÖ: 13.1.2012

Label: 4AD / Beggars Group / Indigo

Tracklist:
1. Stay Gold
2. Hit The Ground (Superman)
3. Give It Up
4. The Palace
5. 1313
6. Rubbernecking
7. Jump Music
8. Lose Your Mind
9. Future This
10. 77



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