"Dieser ganze Technik-Kram ist doch für'n Arsch" – The Black Keys im motor.de-Interview

Alben von The Black Keys

Empfohlen von

  • Dieser Artikel wurde noch nicht empfohlen.

Diesen Artikel bei Facebook empfehlen:

Tags

Die Black Keys brauchen nicht viel, um glücklich zu sein, und noch weniger, um Musik zu machen. Im Interview plaudern Dan Auerbach und Patrick Carney über das Leben auf der Überholspur, spartanische Arbeitsbedingungen und Naturtalente.

(Foto: Danny Clinch, Warner Music)

Unterschiedlicher kann man kaum sein. Da ist zum einen dieser hoch aufgeschossene Kerl, der aussieht wie eine neuzeitliche Mischung aus Buddy Holly und Averell, dem größten der Dalton-Brüder. Und zum anderen dieser kleine kauzige und in sich gekehrt wirkende Gegenpart. Patrick Carney und Dan Auerbach sehen auf den ersten Blick wahrlich nicht aus wie zwei Musiker, denen seit knapp zwei Jahren Fans und Kritiker weltweit gleichermaßen zu Füßen liegen. Beim Anblick des Duos entsteht eher der Eindruck von zwei ungleichen Halbbrüdern, die sich nach zwanzig Jahren Trennung wiedergefunden haben.

Als hätte die jahrzehntelange Suche an diesem Abend in einem schicken Berliner Hotel sein Ende gefunden, hängen die beiden wie ein ausgelaugtes und übermüdetes Pärchen in einem Sofa ihres Zimmers. Alle Viere von sich gestreckt und die Blicke gen Decke schweifend. Doch die Black Keys haben einfach nur einen langen Tag hinter sich. Mit langen Tagen kennen die beiden sich mittlerweile aus. So etwas kann, wie im Falle der Black Keys, mitunter auch unangenehme Folgen nach sich ziehen: "Diese ganzen Promo-Termine schlauchen halt ganz schön. Aber sie sind auch enorm wichtig. Als wir uns im Frühjahr dazu entschieden die Tour abzubrechen, standen wir kurz vor dem Burnout. Das war nochmal eine andere Hausnummer", versucht Patrick die momentane Situation herunterzuspielen.

Dass sich die Kräfteeinteilung beim Akron-Zweier noch nicht ganz eingespielt hat, ist aber auch nicht verwunderlich. Nachdem Auerbach und Carney mehr als acht Jahre lang eher unauffällig im Rock-Biz ihre Bahnen zogen, entfachte man vor zwei Jahren mit "Brothers", dem sechsten Output, einen wahren Urknall. Plötzlich wickelte die Welt das Duo in einen roten Teppich und zog sie von einer Award-Veranstaltung zur nächsten. Patrick erinnert sich: "Das war natürlich im ersten Moment alles ganz schön befremdlich. Wir hätten nicht gedacht, dass "Brothers" dermaßen einschlägt. Auf einmal setzt sich ein Rad in Bewegung, das größer ist, als alles was du dir vorher hättest vorstellen können. Dann kamen die Grammys, die schicken Anzüge und all die Promo-Termine. Das war nicht immer einfach, aber letztlich freuen wir uns natürlich über den Erfolg, ganz klar", so der schlaksige Drummer.

The Black Keys – "Lonely Boy"

Mehr Videos von The Black Keys findet ihr auf tape.tv!

Der Umgang mit dem plötzlichen Rampenlicht fällt den beiden noch etwas schwer. Auch während des Interviews herrscht selten Blickkontakt. Die Augenpaare schwirren stattdessen ziellos im Zimmer umher. Das ganze Brimborium interessiert die Zwei nur sekundär. Weniger ist mehr, heißt die Devise im Hause der Black Keys: "Wir brauchen einfach nicht viel. Dieser ganze Technik-Kram in gemieteten Studios beispielsweise ist doch für 'n Arsch. Gib uns einen Raum, ein Drumset, ein paar Verstärker, eine Gitarre, ein 8-Spur-Recorder und fünf Mikros und wir sind glücklich. Ich meine, so haben wir damals angefangen und so klappt es einfach am besten", berichtet Patrick und macht dabei mehr als einmal eine abfällige Handbewegung.

Sänger Dan sieht das ähnlich: "Die High-Tech-Studios sind meiner Meinung nach völlig überbewertet. Versteh mich nicht falsch, in großen Studios sind große Alben entstanden, keine Frage. Aber wenn du dir die Mühe machst und recherchierst, wie und wo Meilensteine entstanden sind, die mit dem neuzeitlichen Kram nichts zu tun haben, dann wirst du feststellen, dass die Leute damals mit genauso wenig Equipment ausgekommen sind wie wir."

Dass weniger manchmal wirklich mehr sein kann, bewiesen die Black Keys erst kürzlich wieder mit der Veröffentlichung ihres ersten Videos zur neuen Scheibe "El Camino". Der Clip zum Song "Lonely Boy" ist nicht nur simpel gestrickt, sondern lässt zudem noch alle Tanz-Choreografen dieser Welt mit der Zunge schnalzen: "Dieser Typ war einfach da", grinst uns Dan an. Und weiter: "Wir fragten ihn, ob er Lust hätte im Clip ein bisschen zu tanzen und dabei seine Lippen zu bewegen, so als würde er mitsingen. Er war einfach unglaublich, ein Naturtalent."

(Foto: Danny Clinch, Warner Music)

Plötzlich herrscht großes Gelächter unter den vormals nahezu autistisch wirkenden Musikern; fast so wie am Drehtag zum besagten Video-Clip. Dan blickt lächelnd zurück: "Es waren ungefähr dreißig Leute hinter der Kamera, die sich bepisst haben vor Lachen, und dieser Typ hat es einfach durchgezogen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Wir haben nur diesen einen 'Take' gemacht, mehr nicht. Es war perfekt."


Kai Butterweck



Share/Bookmark

Kommentar schreiben

Dein Name:
Bitte den nebenstehenden Sicherheitscode hier eingeben: