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The Death Set
The Death Set: "Einige Wodkas, und dann geht das schon" – The Death Set im motor.de-Interview
The Death Set-Sänger Johnny Siera und Gitarrist Daniel Walker schwärmen im Interview von großen Hallen, Hochprozentigem und der Bodenständigkeit der Beatsteaks.

(Foto: Kai Butterweck)
Welche aufstrebende Band träumt nicht davon, in einer proppenvollen 10.000er Halle spielen zu dürfen? Eine Bühne, die ungefähr fünfmal so groß ist wie der heimische Proberaum, eine PA, die problemlos ein ganzes Stadion beschallen könnte und massenhaft verschwitzte und erwartungsvolle Leiber vor der Bühne: Die Down Under-Punks von The Death Set können davon ein Lied singen, denn seit Anfang November tourt das Trio mit den Beatsteaks durch die größten Hallen unserer Republik. Zum krönenden Abschluss bittet die Berliner Max-Schmeling-Halle zum zweitägigen Stelldichein der beiden Combos. Kurz nach dem Soundcheck für den ersten Abend der beiden Shows führen uns Sänger Johnny Siera und Gitarrist Daniel Walker durch die verwinkelten Katakomben der Location. Über Umwege gelangen wir in den kleinen, aber feinen "Dressing-Room" der Wahl-New Yorker und plaudern über die aktuelle Tour, die Macht der Masse und Eigeninitiative.
motor.de: Der Soundcheck ging ziemlich lange. Gab's Probleme?
Johnny: Nein, nicht wirklich. Bei so einer Größenordnung wie auf dieser Tour schiebt sich meist alles immer ein wenig nach hinten. Sorry, dass du warten musstest.
motor.de: Kein Problem. Ihr wart vor knapp zwei Monaten bereits zu Gast in Berlin und habt im Comet-Club ordentlich Gas gegeben. Das heute hier ist aber schon eine andere Baustelle, oder?
Johnny: Absolut. Das ist natürlich kein Vergleich. Als wir das erste Mal heute in die Halle kamen, dachte ich, es erschlägt mich. Bisher waren auf der Tour schon einige dicke Dinger dabei, aber die Halle hier schlägt das alles um Längen.
motor.de: Die Halle ist nicht nur groß, sie wird zudem bis unters Dach gefüllt sein. Kriegt man es da auch ein bisschen mit der Angst zu tun?
Daniel: Nun ja, du darfst es dir zumindest nicht anmerken lassen (lacht).
Johnny: In erster Linie ist es eine Ehre für uns, hier spielen zu dürfen. Das gehört normalerweise nicht zu unserem Alltag. Angst ist, glaube ich, das falsche Wort, aber man sollte schon den nötigen Respekt haben.
The Death Set – "Chew It Like A Gun Gum"
motor.de: Wie meinst du das?
Johnny: Ich glaube, dass niemand heute Abend eine Karte gekauft hat, um uns zu sehen. Die Leute sind da, weil sie die Beatsteaks lieben, ganz klar. Das ist auch völlig in Ordnung, versteh mich nicht falsch, aber dementsprechend spielt es nur eine untergeordnete Rolle, wer oder was eine Stunde vorher auf der Bühne Radau macht. Wir machen uns da ehrlich gesagt nicht mehr so verrückt, weil wir wissen, dass es weniger an uns persönlich liegt. Jede andere Band hätte dieselbe Ausgangslage. Vorher einige Wodkas, und dann geht das schon (lacht). Wenn die Leute Lust haben, dann feiern sie die Vorspeise, und es wird ein geiler Abend für uns. Wenn nicht, dann dulden sie uns und warten auf den Hauptgang, auch gut (lacht).
motor.de: Wie würdet ihr denn die Vorspeise beschreiben?
Daniel: Wir werden versuchen in dieser halben Stunde alles aufzufahren, was uns zur Verfügung steht. Punkrock, Beats, Samples, gute Laune: Das ganze Programm halt.
motor.de: Eine Hälfte Ramones und eine Hälfte Beastie Boys?
Johnny: Dem will ich nichts hinzufügen. Wer fühlt sich nicht geschmeichelt, wenn man mit derartigen Bands verglichen wird. Dennoch denke ich, dass wir uns im Vergleich zu unseren Anfangstagen auch weiterentwickelt haben. Natürlich geht es immer noch um rotzige Zweiminüter, aber wir haben uns vor allem hinsichtlich der Arrangements auf dem neuen Album auf ziemlich viel Neues eingelassen.
motor.de: Auch inhaltlich seid ihr auf "Michel Poiccard" neue Wege gegangen. Der Grund dafür war allerdings alles andere als erfreulich.
Johnny: Der Tod von Beau [Ex-Gitarrist, starb 2009 an einer Überdosis Drogen, Anmerkung d. Red.] hat uns natürlich übel zugesetzt. Gerade ich hatte lange Zeit mit der Situation zu kämpfen. Es war uns ein Bedürfnis ihm etwas zurückzugeben, und so war es von Anfang an klar, dass wir die Thematik in einigen Songs aufgreifen würden. Das hat uns auch unheimlich geholfen den ganzen Scheiß zu verarbeiten. Natürlich hätten wir uns auch einfach auflösen können, aber davon wäre Beau auch nicht wieder zurückgekommen. Er hätte es nie gewollt, da bin ich mir ganz sicher.
The Death Set – "Slap Slap Slap Pound Up Down Snap"
motor.de: Lasst uns nochmal auf die aktuelle Tour zurückkommen. Wie ist das Verhältnis zwischen euch und den Beatsteaks?
Daniel: Die Jungs sind einfach klasse. Sie helfen uns, wo sie können und machen es uns wirklich so einfach, wie es nur irgendwie geht.
Johnny: Wir hängen vor den Shows viel miteinander rum. Dafür sind wir auch sehr dankbar. Ich meine, die wissen genau, wie es in uns gerade aussieht; schließlich haben sie vor Jahren Ähnliches erlebt, als sie noch im Vorprogramm spielten. Sie sind sehr, sehr umgänglich. Da lässt keiner den Rockstar raushängen.
motor.de: Wie kam es eigentlich zu der Tour?
Daniel: Der Ausgangspunkt liegt schon einige Jahre zurück. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es einer von den Jungs selber war oder jemand aus ihrem Umfeld. Auf jeden Fall haben sie uns live gesehen und waren ziemlich angetan. Scheinbar hat es dann noch einige Jahre Bedenkzeit erfordert, aber nun sind wir ja hier. Nur das zählt (lacht).
motor.de: Ihr nehmt relativ viel selber in die Hand. Euer Umfeld ist ziemlich überschaubar. Steckt da eine bewusste Attitüde dahinter?
Johnny: Wenn du jetzt diese typische DieHard-DIY-Sache meinst, dann muss ich verneinen. So verbohrt und mit Scheuklappen behaftet sind wir nicht. Dennoch will ich gar nicht verleugnen, dass es schon von Vorteil sein kann, wenn man ein gewisses Maß an Kontrolle behält. Du musst dich halt nicht mit tausenden anderen Leuten, Meinungen und Möglichkeiten auseinandersetzen, sondern weißt am Abend genau, was du gemacht hast und wen du möglicherweise in den Arsch treten musst: In der Regel nämlich nur dir selber. Wir sind ja auch keine Major-Band. Das alles lässt sich noch ganz gut alleine regeln.
motor.de: Heute und morgen geht's noch mit den Beatsteaks zur Sache. Danach spielt ihr noch einige kleinere Shows in Europa, bevor ihr dann Anfang 2012 für sechs Gigs nach Australien fliegt. Habt ihr schon einen Plan, wie es danach weitergeht?
Johnny: Es wird definitiv erst einmal eine Pause geben, denke ich. Wie lange waren wir in diesem Jahr unterwegs, Daniel?
Daniel: Puh, ich glaube mindestens sechs Monate.
Johnny: Das sollte fürs Erste reichen (lacht). Wir brauchen unbedingt Zeit, um die Akkus wieder aufzuladen.
motor.de: Dann wollen wir hoffen, dass die verbliebene Restenergie für heute und morgen noch reicht, und wünschen euch viel Spaß und ein "offenes" Publikum hier in Berlin.
Johnny: Das wäre klasse.
Daniel: Dank dir.
Interview: Kai Butterweck
(Foto: Kai Butterweck)
Welche aufstrebende Band träumt nicht davon, in einer proppenvollen 10.000er Halle spielen zu dürfen? Eine Bühne, die ungefähr fünfmal so groß ist wie der heimische Proberaum, eine PA, die problemlos ein ganzes Stadion beschallen könnte und massenhaft verschwitzte und erwartungsvolle Leiber vor der Bühne: Die Down Under-Punks von The Death Set können davon ein Lied singen, denn seit Anfang November tourt das Trio mit den Beatsteaks durch die größten Hallen unserer Republik. Zum krönenden Abschluss bittet die Berliner Max-Schmeling-Halle zum zweitägigen Stelldichein der beiden Combos. Kurz nach dem Soundcheck für den ersten Abend der beiden Shows führen uns Sänger Johnny Siera und Gitarrist Daniel Walker durch die verwinkelten Katakomben der Location. Über Umwege gelangen wir in den kleinen, aber feinen "Dressing-Room" der Wahl-New Yorker und plaudern über die aktuelle Tour, die Macht der Masse und Eigeninitiative.
motor.de: Der Soundcheck ging ziemlich lange. Gab's Probleme?
Johnny: Nein, nicht wirklich. Bei so einer Größenordnung wie auf dieser Tour schiebt sich meist alles immer ein wenig nach hinten. Sorry, dass du warten musstest.
motor.de: Kein Problem. Ihr wart vor knapp zwei Monaten bereits zu Gast in Berlin und habt im Comet-Club ordentlich Gas gegeben. Das heute hier ist aber schon eine andere Baustelle, oder?
Johnny: Absolut. Das ist natürlich kein Vergleich. Als wir das erste Mal heute in die Halle kamen, dachte ich, es erschlägt mich. Bisher waren auf der Tour schon einige dicke Dinger dabei, aber die Halle hier schlägt das alles um Längen.
motor.de: Die Halle ist nicht nur groß, sie wird zudem bis unters Dach gefüllt sein. Kriegt man es da auch ein bisschen mit der Angst zu tun?
Daniel: Nun ja, du darfst es dir zumindest nicht anmerken lassen (lacht).
Johnny: In erster Linie ist es eine Ehre für uns, hier spielen zu dürfen. Das gehört normalerweise nicht zu unserem Alltag. Angst ist, glaube ich, das falsche Wort, aber man sollte schon den nötigen Respekt haben.
The Death Set – "Chew It Like A Gun Gum"
motor.de: Wie sich bisher herausgestellt hat, kann das ja mitunter auch ganz gut funktionieren. In eurem Tour-Tagebuch habt ihr beispielsweise vom Gig in Offenbach geschwärmt. Wie sieht es heute aus? Habt ihr ein gutes Gefühl?
motor.de: Wie meinst du das?
Johnny: Ich glaube, dass niemand heute Abend eine Karte gekauft hat, um uns zu sehen. Die Leute sind da, weil sie die Beatsteaks lieben, ganz klar. Das ist auch völlig in Ordnung, versteh mich nicht falsch, aber dementsprechend spielt es nur eine untergeordnete Rolle, wer oder was eine Stunde vorher auf der Bühne Radau macht. Wir machen uns da ehrlich gesagt nicht mehr so verrückt, weil wir wissen, dass es weniger an uns persönlich liegt. Jede andere Band hätte dieselbe Ausgangslage. Vorher einige Wodkas, und dann geht das schon (lacht). Wenn die Leute Lust haben, dann feiern sie die Vorspeise, und es wird ein geiler Abend für uns. Wenn nicht, dann dulden sie uns und warten auf den Hauptgang, auch gut (lacht).
motor.de: Wie würdet ihr denn die Vorspeise beschreiben?
Daniel: Wir werden versuchen in dieser halben Stunde alles aufzufahren, was uns zur Verfügung steht. Punkrock, Beats, Samples, gute Laune: Das ganze Programm halt.
motor.de: Eine Hälfte Ramones und eine Hälfte Beastie Boys?
Johnny: Dem will ich nichts hinzufügen. Wer fühlt sich nicht geschmeichelt, wenn man mit derartigen Bands verglichen wird. Dennoch denke ich, dass wir uns im Vergleich zu unseren Anfangstagen auch weiterentwickelt haben. Natürlich geht es immer noch um rotzige Zweiminüter, aber wir haben uns vor allem hinsichtlich der Arrangements auf dem neuen Album auf ziemlich viel Neues eingelassen.
motor.de: Auch inhaltlich seid ihr auf "Michel Poiccard" neue Wege gegangen. Der Grund dafür war allerdings alles andere als erfreulich.
Johnny: Der Tod von Beau [Ex-Gitarrist, starb 2009 an einer Überdosis Drogen, Anmerkung d. Red.] hat uns natürlich übel zugesetzt. Gerade ich hatte lange Zeit mit der Situation zu kämpfen. Es war uns ein Bedürfnis ihm etwas zurückzugeben, und so war es von Anfang an klar, dass wir die Thematik in einigen Songs aufgreifen würden. Das hat uns auch unheimlich geholfen den ganzen Scheiß zu verarbeiten. Natürlich hätten wir uns auch einfach auflösen können, aber davon wäre Beau auch nicht wieder zurückgekommen. Er hätte es nie gewollt, da bin ich mir ganz sicher.
The Death Set – "Slap Slap Slap Pound Up Down Snap"
motor.de: Lasst uns nochmal auf die aktuelle Tour zurückkommen. Wie ist das Verhältnis zwischen euch und den Beatsteaks?
Daniel: Die Jungs sind einfach klasse. Sie helfen uns, wo sie können und machen es uns wirklich so einfach, wie es nur irgendwie geht.
Johnny: Wir hängen vor den Shows viel miteinander rum. Dafür sind wir auch sehr dankbar. Ich meine, die wissen genau, wie es in uns gerade aussieht; schließlich haben sie vor Jahren Ähnliches erlebt, als sie noch im Vorprogramm spielten. Sie sind sehr, sehr umgänglich. Da lässt keiner den Rockstar raushängen.
motor.de: Wie kam es eigentlich zu der Tour?
Daniel: Der Ausgangspunkt liegt schon einige Jahre zurück. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es einer von den Jungs selber war oder jemand aus ihrem Umfeld. Auf jeden Fall haben sie uns live gesehen und waren ziemlich angetan. Scheinbar hat es dann noch einige Jahre Bedenkzeit erfordert, aber nun sind wir ja hier. Nur das zählt (lacht).
motor.de: Ihr nehmt relativ viel selber in die Hand. Euer Umfeld ist ziemlich überschaubar. Steckt da eine bewusste Attitüde dahinter?
Johnny: Wenn du jetzt diese typische DieHard-DIY-Sache meinst, dann muss ich verneinen. So verbohrt und mit Scheuklappen behaftet sind wir nicht. Dennoch will ich gar nicht verleugnen, dass es schon von Vorteil sein kann, wenn man ein gewisses Maß an Kontrolle behält. Du musst dich halt nicht mit tausenden anderen Leuten, Meinungen und Möglichkeiten auseinandersetzen, sondern weißt am Abend genau, was du gemacht hast und wen du möglicherweise in den Arsch treten musst: In der Regel nämlich nur dir selber. Wir sind ja auch keine Major-Band. Das alles lässt sich noch ganz gut alleine regeln.
motor.de: Heute und morgen geht's noch mit den Beatsteaks zur Sache. Danach spielt ihr noch einige kleinere Shows in Europa, bevor ihr dann Anfang 2012 für sechs Gigs nach Australien fliegt. Habt ihr schon einen Plan, wie es danach weitergeht?
Johnny: Es wird definitiv erst einmal eine Pause geben, denke ich. Wie lange waren wir in diesem Jahr unterwegs, Daniel?
Daniel: Puh, ich glaube mindestens sechs Monate.
Johnny: Das sollte fürs Erste reichen (lacht). Wir brauchen unbedingt Zeit, um die Akkus wieder aufzuladen.
motor.de: Dann wollen wir hoffen, dass die verbliebene Restenergie für heute und morgen noch reicht, und wünschen euch viel Spaß und ein "offenes" Publikum hier in Berlin.
Johnny: Das wäre klasse.
Daniel: Dank dir.
Interview: Kai Butterweck
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