Die Kehrseite der Medaille

Alben von The Kooks

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Für The Kooks-Sänger Luke Pritchard hätte der Erfolg seiner Band auch gerne etwas langsamer vonstatten gehen können. Das hätte ihm mitunter den einen oder anderen Verlust erspart, verrät er uns im Interview.

In unzähligen verschwitzten Proberäumen weltweit machen sich neben dem Verlangen nach kreativer Auslebung auch der Wunsch und die Gier nach öffentlicher Anerkennung, Ruhm und Ehre breit. Das Leben eines Popstars zu führen, steht nicht selten ganz oben auf dem Wunschzettel vieler Heranwachsender, wenn es um die berufliche Selbstverwirklichung geht. Dort erst einmal angekommen, entpuppt sich das Leben als öffentliche Person aber bisweilen als ziemlich zwiespältiges Vergnügen. Neben all den gesellschaftlichen Vorzügen verlangt der rote Teppich auch allerlei Opfer und labt sich an Entbehrungen. Luke Pritchard, Sänger der englischen Indie-Pop-Rocker von The Kooks, kennt beide Seiten der Medaille, wie er uns im Interview verrät: "Ich will mich nicht beklagen. Es gibt so viele großartige Bands, die es trotz aller Bemühungen nie ins Rampenlicht schaffen und für all ihre Mühen und Entbehrungen belohnt werden. Wir haben auch viel Glück gehabt und ich fühle mich geehrt ein Teil des Ganzen zu sein. Dennoch ist es manchmal auch hart und du musst Entscheidungen treffen, mit denen du nie gerechnet hättest."

The Kooks – "Junk Of The Heart (Happy)"

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Eine dieser Entscheidungen war der Rauswurf von Bassist Max Rafferty im Jahr 2008, welcher dem Druck der Maschinerie nicht mehr gewachsen schien: "Max hatte seinerzeit mit vielen Dämonen zu kämpfen und es ging einfach nicht mehr. Es war irgendwann offensichtlich, dass er sich selbst und die Disziplin, die es benötigt, um professionell zu arbeiten, nicht mehr in Einklang bringt. So hatten wir gar keine andere Wahl", erklärt der Frontmann der Briten. Diese Phase habe den Kopf der Band seinerzeit sehr mitgenommen, zumal es sich bei besagtem Kollegen nicht nur um einen Mitstreiter, sondern auch um einen engen Freund gehandelt hat. Pritchard selber verlor sich einige Jahre später ebenso in den schattigen Gassen der Glitzerwelt. Die Verführungen seien einfach zu groß gewesen, berichtet er reumütig und mit ernstem Unterton.

Und so ging es dem Lockenkopf eine Zeitlang mehr um Partys, Bewusstseinserweiterung und die Maxime "sehen und gesehen werden". Insbesondere diese Phase, aus der sich der Kooks-Chef nur schwer wieder befreien konnte, diente als Grund-Inspiration für das aktuell dritte Album der Band "Junk Of The Heart". Während die beiden Vorgänger nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch Frohsinn verbreiten, beschäftigt sich das Drittwerk der Insulaner vermehrt mit düsteren Thematiken. Für Pritchard habe das Album gar einen selbsttherapeutischen Ansatz: "Ich habe in den letzten Jahren abseits der Band nicht immer eine schöne Zeit gehabt. Vor allem beziehungstechnisch gab es viele emotionale Höhen und Tiefen. Liebe und Schmerz hängen oft so nah beieinander. Außerdem habe ich mir viele Gedanken über das Leben an sich gemacht. Die Tatsache, dass es nicht immer um Resultate gehen muss, sondern die Reise im Vordergrund steht. Das war mir nicht immer bewusst, aber nur so kannst du das Leben richtig genießen."

The Kooks – "Pop Up Tour" (Doku)

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Beziehungsstress, vaterloses Aufwachsen und sich im Sumpf abseits des Geschehens zu verlieren, bilden das inhaltliche Fundament auf "Junk Of The Heart", und dennoch sprüht das Album vor Positivität, denn der textlichen Schwere wurden keinesfalls Landschaften in Moll zur Seite gestellt, vielmehr hellen die neuerlichen Dub- und Elektro-Elemente auf dem Album den bewährt beschwingten musikalischen Background noch zusätzlich auf. Diese grundlegende Heiterkeit ist vielleicht auch ein Beleg dafür, warum es die Band mittlerweile auch in den Staaten zu Ruhm und Anerkennung gebracht hat. Für den Sänger hat der Erfolg seiner Combo in Übersee allerdings andere, eher fundamentale Gründe: "Es ist schade, dass so wenige Bands aus unserer Heimat den Sprung schaffen. Viele richtig gute Bands hier, die große Hallen füllen, machen sich aber auch nicht die Mühe in den Staaten wieder bei null anzufangen. Du kannst nicht erwarten, nur weil du auf der Insel gerade angesagt bist, dass du in Texas genauso viele Leute zu deinen Konzerten lockst."

Er selbst habe keinerlei Probleme damit, sich woanders nochmals an die Anfangstage erinnern zu lassen. Ganz im Gegenteil: "Ich persönlich finde diesen Kontrast sehr inspirierend, wenn du die Möglichkeit hast, die Zeit nochmal zurück zu drehen und praktisch an die Wurzeln erinnert wirst, während du als erfolgreicher Act in der Heimat plötzlich vor zweihundert Leuten in der Fremde Gas geben musst", berichtet Pritchard. Dass die Band mittlerweile fast weltweilt die großen Hallen füllt, war in der kurzen Zeitspanne seit Gründung der Band im Jahr 2004 weder zu erwarten noch geplant gewesen. Das Quartett aus Brighton wollte eher behutsam und mit Bedacht wachsen.

(Foto: Deirdre O Callaghan/EMI)

Stattdessen packte die Industrie-Maschine die Jungs bereits nach einem halben Jahr beim Schopfe und präsentierte der Öffentlichkeit voller Vorfreude ihre neueste Entdeckung. Für einen kurzen Moment nimmt die Stimme von Pritchard brüchige Züge an und der Engländer verfällt fast in Wehmut: "Neben all den Privilegien mussten wir auch viele Opfer bringen und nicht jeder kam damit klar. Ich weiß nicht, aber wenn sich alles etwas langsamer entwickelt hätte, wäre Max vielleicht heute noch in der Band, wer weiß?"

Kai Butterweck

VÖ: 09.09.11

Label: EMI

Tracklist:
1. Junk of the Heart (Happy)
2. How'd You Like That
3. Rosie
4. Taking Pictures of You
5. Fuck The World Off 
6. Time Above The Earth
7. Runaway
8. Is It Me 
9. Killing Me
10. Petulia 
11. Eskimo Kiss
12. Mr. Nice Guy


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^-^ vor 264d 21h 

bei dieser 'doku' klingt alles viel tiefer als sonst ô.o

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