Rascalize

Alben von The Rascals

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Das Myspace-Profil ist für die meisten Hörer der erste Zugang zu einer neuen Band. Dementsprechend repräsentativ sollte der Internetauftritt gestaltet sein. Ein paar nette Fotos zur Visualisierung, einige ausgewählte Songs für einen ersten Höreindruck, noch ein paar Videos, Blogeinträge, anstehende Shows und vor allem viele virtuelle Freunde - fertig ist der neue, heiße Scheiß.
Hier heißt der The Rascals und wartet mit dem üblichen Profil auf. Man kommt aus Wirral, gleich bei Liverpool. Die Haare trägt man hübsch gescheitelt um die jungen Gesichter. Die Bio verweist auf die Vorgängerband The Little Flames und Auftritte mit den Arctic Moneys, The Coral und The Zutons. Zu den Seitenprojekten gehören die viel gelobten Last Shadow Puppets. Irgendwie scheinen die Jungs aus dem Norden alles richtig zu machen und dennoch will der Funke beim Betrachten und Behören des Rascals-Profils nicht so richtig überspringen. Doch wer jetzt vorschnell urteilt, verpasst, was der durchgestylte Myspace-Account nicht zu fassen vermag: das Debut der Engländer.

Der rhythmuslastige Opener „Rascalize“ nimmt langsam aber sicher, mit ins dunkel-psychedelische Rockreich der Rascals. Wie Sirenen heulen die „Uh-Ah-Uhs“ von Sänger Miles Kane in die Nacht, während das Beat-Boot gen Mersey gesteuert wird. Dort reitet das „Bond Girl“ gerade auf den Wellen der 50er Surf-Gitarre, wahrscheinlich auf der Flucht vor ihrem Ehemann („Does Your Husband Know That Your're On The Run“). Diese wilde Flucht erinnert ein wenig an Batman, ein Fakt, der nicht nur den Na-Na-Na-Na-Bass geschuldet, sondern auch dem hallenden Höhlenklang zu verdanken ist. Immer schwankend zwischen Nähe und Ferne, psychotisch und vollkommen bei Verstand, arbeiten sich die Anfang 20-Jährigen durch ihren Trip in die düsteren Gefilde der melodischen Rockmusik. Die Single „Freakbeat Phantom“ kommt da eher ungewöhnlich besonnen daher. Nur wenig von dem stark verzerrten 50er Gitarrensound, fast vollkommen ohne den bandtypischen Raumklang und auch sonst eher berechnend, wirkt sie fast wie ein schlecht gewählter Ausreißer. Ähnliches kann man auch von „Out Of Dreams“ sagen.

The Rascals - Phantom Freakbeat


Da wären wir wieder bei der Myspace-Seite. Die wirkt dank der Single und eben jenem „Out of Dreams“ von der musikalischen Zusammenstellung flach und lässt vom letzten Track des Albums „I'll Give You Sympathy“ abgesehen, nur einen Blick auf die eher schwächeren, gefälligeren Stücke der Platte zu. Zu wenig von den treibenden Rhythmus, den psychedelischen Melodien und den ach so wunderbaren Surfgitarren. Denn sonst ist „Rascalize“ ein wirklich schöner aber unanständig düsterer Bastard aus den Arctic Monkeys, Razorlight und den Raveonettes, der entstanden ist, während sich die Beatles mit The Cure und den Horrors zum Nachmittagstee getroffen haben. Earl Grey und Fish&Chips werden da vielleicht nicht neu erfunden und der britische Indierock erst recht nicht, aber mitreißen können die drei Lausbuben allemal. Auch wenn man das von der Internetrepräsentanz her nicht erwartet.

Anna-Christin Voigt

VÖ: 29.08.2008

Label: Deltasonic Records

Tracklist:
01. Rascalize
02. Out Of Dreams
03. Bond Girl
04. The Glorified Collector
05. Fear Invicted Into The Perfect Stranger
06. Does Your Husband Know You Are On The Run
07. I’d Be Lying To You
08. Freakbeat Phantom
09. People Watching
10. Stockings To Suit
11. How Do I End This?
12. I’ll Give You Sympathy

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