Tunnel Blanket

Alben von This Will Destroy You

Empfohlen von

Diesen Artikel bei Facebook empfehlen:

Tags

1 Link zu diesem Artikel

  • Google
    35 Klicks
Beklemmend, düster und wehmütig – schlichtweg der vertonte Untergang. This Will Destroy You liefern mit "Tunnel Blanket" einen Brocken von Album ab, an dem sich der Eine oder Andere mit Sicherheit verschlucken wird.

Das 2005 in Texas gegründete Postrock-Quartett sorgte 2008 mit dem selbstbetitelten Debüt mächtig für Aufsehen und erspielte sich schnell eine große Bekanntheit im Genre. Nun, drei Jahre später, steht der Nachfolger mit dem Titel "Tunnel Blanket" in den Startlöchern. Auch auf ihrem zweiten Werk bleiben die US-Amerikaner ihrer Linie treu und fordern dem Hörer alles ab. Minutenlanges Gedröhne, bedrückende Soundwände und zähe Arrangements an der Grenze zur Unkenntlichkeit - "Tunnel Blanket" ist kein Album, das man mal eben im Vorbeigehen hört, sondern vielmehr ein depressiver Soundtrack, den man erst einmal verstehen und dann vor allem gut verdauen muss. Hier ist nichts glattgebügelt oder geschönt – diese Musik hinterlässt seelische Spuren.

Den Einstieg zum Opener "Little Smoke" markiert ein getragenes Synthie-Intro, bevor sich der Song zu einer mächtigen Wand aus dunklen Melodien aufbäumt, die sich zäh in die Gehörgänge fräst. Die sehr gelungene Produktion von John Congleton, der bereits mit Künstlern wie Modest Mouse und Explosions In The Sky gearbeitet hat, sorgt gleichzeitig für die nötige Wucht und Atmosphäre.

Nachdem der Auftakt nach etwa zwölf Minuten verklungen ist, folgt mit "Class Realms" ein eher ruhiges und stimmungsvolles Synthie-Stück, welches - mit verschiedenen Samples und sanften Gitarren angereichert – fast schon Filmmusik-Charakter hat. Und schon wieder bekommt man einen dicken Kloß im Hals, während man von den klagenden und wehleidigen Melodien der Texaner davongetragen wird.

This Will Destroy You - "Little Smoke"


Das folgende "Communal Blood" verströmt dann doch so etwas wie zarten Optimismus und ist wohl der erste wirkliche "Song" auf der Platte, der sich über verschiedene Themen hinweg langsam zu einer majestätischen Postrock-Nummer entwickelt. Im Anschluss driftet die Band mit "Reprise" wieder in Richtung Soundtrack-Gefilde, bevor es bei "Killed The Lord, Left For The New World" wieder etwas abwechslungsreicher und zügiger voran geht. Alle aufkeimende Hoffnung wird dann jedoch vom vorletzten Track "Black Dunes" zunichte gemacht, der die Brachialität und die beklemmende Anfangstimmung der Platte wieder aufleben lässt und klar macht, dass es hier nicht um die schönen, sondern eher um die unschönen Seiten des Lebens geht.

"Tunnel Blanket" liefert weder Hits, noch irgendwelche Innovationen in einem ohnehin schon gesättigten Genre. Und dennoch grenzt sich dieses Album sehr deutlich von den jüngsten Veröffentlichungen verwandter Bands wie Mogwai oder Explosions In The Sky ab. TWDY ist es gelungen, Stimmungen einzufangen und eine Atmosphäre zu schaffen, wie sie keine andere Band erzeugen kann. Sicherlich wird man der Platte mangelnde Abwechslung oder fehlende Struktur vorwerfen. Den Kern der Sache trifft "Tunnel Blanket" dennoch – und ist noch dazu eine eindringliche Liebeserklärung an die Traurigkeit.

Anton Kostudis


VÖ: 13.05.2011

Label: Monotreme Records

Tracklist:

01. Little Smoke
02. Glass Realms
03. Communal Blood
04. Reprise
05. Killed The Lord, Left For The New World
06. Osario
07. Black Dunes
08. Powdered Hand


Share/Bookmark

Kommentar schreiben

Dein Name:
Bitte den nebenstehenden Sicherheitscode hier eingeben: