Schall und Wahn

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Mit "Schall Und Wahn" legen Tocotronic erneut das beste Album ihrer Karriere hin und erschaffen ein freudvolles ‚Ja' als Gegenentwurf zum euphorischen ‚Nein' des Vorgängers "Kapitulation".
(Foto: Jan Timme)

Immer wieder erwartet man den Rückschritt, das Konsolidieren, die nicht so umwerfende Tocotronic-Platte. Für viele gab es nach dem 2007 veröffentlichten Opus Magnum "Kapitulation" keine offenen Fragen mehr. Dieses Meisterstück verbrüderte die ruppigen Anfangstage mit dem symphonischem Pop der letzten Jahre. Vielleicht überrascht es deswegen, dass Dirk von Lowtzow, Arne Zank, Jan Müller und Rick McPhail mit "Schall Und Wahn" ein noch perfekteres Studioalbum vorlegen. Der Abschluss ihrer so genannten "Berlin-Trilogie".

Im Gegensatz zur gewollten Gleichförmigkeit und Homogenität der beiden Vorgänger, schlittert "Schall Und Wahn" immer wieder von einem Extrem ins nächste: Wenn die Gitarren Pause haben, drängeln sich Streicher in den Vordergrund; wenn sich Stille in Lärm verflüchtigt, erheben laute Chöre ihre Stimmen und dazu nölt, jubiliert, fasziniert Dirk von Lowtzows nahezu perfekter Gesang. Das schrecklich Schöne daran: Tocotronic wirken über die gesamte Distanz dieses famosen Liedermarathons so leichtfüßig, als gelinge ihnen das ganz nebenbei.

Eine Vermutung, deren Bestätigung sich textlich durchaus finden lässt: "Was du auch machst/ Mach es nicht selbst/ Auch wenn du dir/ Den Weg verstellst", lautet die erste Passage der aktuellen Single "Mach Es Nicht Selbst" - ein Stück, das Lowtzow im Dämmerzustand während eines Urlaubs am Comer See geschrieben hat. Wie bezeichnend, wenn auch nur eine von vielen Anekdoten für diese unbeschreiblichen Songs. Was so ziemlich das Einzige ist, was mit jeder neuen Tocotronic-Platte schwerer wird: Erfolgreiche Bemühungen, um Worte für das zu finden was die Band musikalisch und inhaltlich veranstaltet.

Doch über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen, stellte Frank Zappa einst fest. Recht hat er, "Schall Und Wahn" mutet wie der Turm zu Babel an und ist dank Mystik und Mythos unerklärbar. Tocotronic kann dies egal sein, ihr neuntes Album ist einmal mehr ihr bestes.

Marcus Willfroth

Wer sich die neue Scheibe gern live anhören möchte, hat an folgenden Daten die Möglichkeit: 

Tocotronic auf Tour:

22.01.2010 Hamburg - Uebel & Gefaehrlich
03.03.2010 Bremen - Schlachthof
04.03.2010 Koeln - E Werk
05.03.2010 Saarbruecken - Garage
06.03.2010 Offenbach - Capitol
07.03.2010 Zuerich - Rote Fabrik
09.03.2010 Freiburg Alter - Gueterbahnhof
10.03.2010 Stuttgart LKA - Longhorn
11.03.2010 Heidelberg - Halle 02
12.03.2010 Dortmund - FZW
13.03.2010 Hamburg - Grosse Freiheit 36
24.03.2010 Duesseldorf - Zakk Halle
25.03.2010 Wuerzburg - Posthalle
26.03.2010 Muenchen - Tonhalle (Kulturfabrik)
27.03.2010 Graz - Orpheum
29.03.2010 Wien - Arena
31.03.2010 Linz - Posthof
01.04.2010 Erlangen - E-Werk
02.04.2010 Leipzig - Conne Island
14.04.2010 Hannover - Capitol
15.04.2010 Magdeburg - Factory
16.04.2010 Dresden - Alter Schlachthof
17.04.2010 Berlin - Astra Kulturhaus

»Hier geht es zu den Tickets.

VÖ: 22.01.10

Label: Vertigo/Universal

Tracklist:
01. Eure Liebe Tötet Mich
02. Ein Leiser Hauch Von Terror
03. Die Folter Endet Nie
04. Das Blut An Meinen Händen
05. Macht Es Nicht Selbst
06. Bitte Oszillieren Sie
07. Schall Und Wahn
08. Im Zweifel Für Den Zweifel
09. Keine Meisterwerke Mehr
10. Stürmt Das Schloss
11. Gesang Des Tyrannen
12. Gift

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sarahjevo
sarahjevo vor 857d 1h 

Das beste an Tocotronic ist doch, dass sie selbst nicht genau wissen was sie da fabrizieren. Das ist Punk auf dem höchsten Adult-level!

Und so kommt dann der unverkennbare Tocotronic-Klang zustande...Unwissenheit schützt vor Überheblichkeit!

 

antworten

sergey
sergey vor 883d 21h 

Songs of musicians Tocotronic are penetrated by surprising optimism. 

antworten

claudia.jogschies
claudia.jogschies vor 884d 13h 

"Was so ziemlich das Einzige ist, was mit jeder neuen Tocotronic-Platte schwerer wird: Erfolgreiche Bemühungen, um Worte für das zu finden was die Band musikalisch und inhaltlich veranstaltet."

Verdammt gut getroffen!

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