164 online
- Melt! Festival
- The Shins
- Michael Kiwanuka
- Various Artists
- Die Ärzte
- Santigold
- Tenacious D
- Hot Chip
- Totally Enormous Extinct Dinosaurs
- Greenville Festival
- Simian Mobile Disco
- Young Man
- Here We Go Magic
- Die Selbstkritik der Woche
- Dossier: Echo-Verleihung
- Grimes
- Nicolas Jaar
- MS Dockville
- Marbert Rocel
- Damon Albarn
- Sufjan Stevens
- iamamiwhoami
- We Are Augustines
- Enno Bunger
- Giana Factory
- Tanlines
- IAMDYNAMITE
- Soulsavers
- Best Coast
- Beach House
- Soulsavers
- Beyoncé
- 2Raumwohnung
- Adele
- Abba
- Wizo
- Soko
- Wolf Parade
- SebastiAn
- The Kooks
- 1990s
- A
- Neil Young
- The Ting Tings
- Slipknot
- Taylor Swift
- Annie
- Winson
- The Last Shadow Puppets
- Jennifer Rostock
- Katy Perry
- Basia Bulat
- Machine Head
- Die Ärzte
- The Black Atlantic
- Wir sind Helden
- Lil Wayne
- Angus & Julia Stone
- Simple Plan
- Mount Eerie
Tomte
Tomte: Heureka!
"Er macht auf Bruce Springsteen!" raunte mir ein unbekannter Mitgebrachter auf einem Tomte-Konzert vor gut zweieinhalb Jahren zu. Was er damit sagen wollte? Keine Ahnung!
Lobte oder disste er damit den Tomte-Sänger Thees Uhlmann? Sah er da den Geschichten singenden Hemdshochkrempler mit Working-Class-Stallgeruch? Oder doch eher den Musiker mit den Rock-Weisheiten für die Generation "Ü 50"? Noch bevor ich den Konzertflüsterer fragen konnte, was er genau meinte, war er schon wieder in der Menge verschwunden.
Bis dato wollte sich Springsteen'eskes bei der Tomte-Lektüre nicht wirklich aufblitzen. Wenn wir unser Kofferradio aufdrehten und Tomte-Songs über Sprite, Bastarde und Mofas durch die WG-Küche schallten, dann war das für uns eher der Vorläufer von dem, was später einmal Nu-Rave transportieren wollte: Der Soundtrack zum Ungestümen.
Erst mit dem 2006er "Buchstaben über der Stadt", Tomtes viertem Album und zugleich Durchbruchswerk, sollte sich das ändern. Hier sang ein verliebter, aber zweifelnder Mann "Die ganze Zeit von Dir". Ein Hauch von Boss - nein, nicht das Duftwässerchen, sondern Springsteen - lag vielleicht wirklich in der Luft, doch wir wollten ihn nicht riechen.
Mit "Heureka!" kommt jetzt also das fünfte Werk. Der Titel erinnert an die alte Politik-Lehrerin in der elften Klasse, die abwechselnd jenes "Heureka!" mit dem Ausruf "Disco!" in die Klasse schallen ließ, wenn sie über eine unserer Antworten erstaunt war. Ihre verbale Begeisterung erstaunte uns dann wiederum noch mehr. Nach "Heureka!" - einem freudigen Ausruf also, wenn eine schwere Aufgabe gelungen gelöst wurde - benennen Thees und seine Truppe zusammengefasst ihre 12 neuen Songs. Und natürlich drängt sich damit der Verdacht auf, dass "Buchstaben über der Stadt" rückblickend vielleicht jene schwere Aufgabe war und mit "Heureka!" jetzt die Erleichterung herausposaunt wird. Und in der Tat geht es im Vergleich zum Vorgängeralbum weitaus weniger zweifelnd, weniger nachdenklich, dafür weitaus gelöster, weitaus unbeschwerter zu. Fast schon so, als suche Thees' Truppe die bewusste Abgrenzung zur gedanklichen und musikalischen Wuchtigkeit von "Buchstaben über der Stadt".
Biografisch ließe sich die neue Euphorie auf "Heureka!" leicht zurechtspekulieren: Uhlmann wurde Vater, lebt jetzt in Berlin und die Band hat sich personell neu sortiert. Alles Ansätze für eine Interpretation, alles Möglichkeiten. Wenn Thees im Stück "Wie sieht's aus in Hamburg?" die Interpol'sche Frage "How Are Things On The Westcoast?" ummünzt, lassen die Neu-Berliner und Ex-Hamburger Tomte vielleicht zum ersten Mal die eigene Band-Vergangenheit zu. Doch "Heureka!" auf den Umzug von einer Großstadt in die andere zu reduzieren, ist dann doch ein bisschen zu einfach. Vielleicht greift da eher ein altersweiser - ja, schlimmes Wort - Blick auf die Möglichkeit das Leben doch noch umarmen zu können. Auch wenn ein Song wie "Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören", die Molltöne herbeizaubert, so herrscht dennoch eine unterschwellige Ansage zum Weitermachen, die mehr ist als dumpfe Durchhalte-Parole. Der Zweifel, der "Buchstaben über der Stadt" so dominierte wird Nebensache. Lebensbejahung: Ja; Lebensumarmung: Möglich.
Manche werden in der Lebensbejahung Kitsch und Pathos sehen. Und wenn im Song "Küss mich wach Gloria" der Vergleich "Du=Beil" "Ich=Wald" fällt, wird die Schmerzgrenze durchaus kurz touchiert, überschritten wird sie allerdings niemals. Dafür ist Uhlmann zu geschickt. Pathos ja, Peinlichkeit nein.
Tomte - Der letzte große Wal
Wenn Thees zur Single "Der letzte große Wal" ansetzt, besingt er sich selbst. Ein letzter Emotional-Mann, der mit der Klampfe bewaffnet der hibbeligen Nu-Ravigkeit trotz und die frohe Kunde des eigentlich ganz okayen Lebens auch ohne Sirenengeheul zu vermelden weiß. So gesehen: Er macht also vielleicht wirklich auf Springsteen. Das gilt übrigens - bevor irgendwelche Fragen aufkommen, wie der Rezensent das hier meint, ob er also lobt oder disst - als Lob.
Das gesamte Album kann übrigens derzeit auf der Tomte-Myspace-Seite gehört werden.
Heiko Reusch
Label: Grand Hotel van Cleef/Indigo
VÖ: 10.10.2008
Tracklist:
01. Heureka
02. Wie ein Planet
03. Der letzte große Wal
04. Wie siehts aus in Hamburg
05. Voran Voran
06. Küss mich wach, Gloria
07. Es ist so, dass du fehlst
08. & ich wander
09. Du bringst die Stories (ich bring den Wein)
10. Das Orchester spielt einen Walzer
11. Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören 12. Dein Herz sei wild
Bis dato wollte sich Springsteen'eskes bei der Tomte-Lektüre nicht wirklich aufblitzen. Wenn wir unser Kofferradio aufdrehten und Tomte-Songs über Sprite, Bastarde und Mofas durch die WG-Küche schallten, dann war das für uns eher der Vorläufer von dem, was später einmal Nu-Rave transportieren wollte: Der Soundtrack zum Ungestümen.
Erst mit dem 2006er "Buchstaben über der Stadt", Tomtes viertem Album und zugleich Durchbruchswerk, sollte sich das ändern. Hier sang ein verliebter, aber zweifelnder Mann "Die ganze Zeit von Dir". Ein Hauch von Boss - nein, nicht das Duftwässerchen, sondern Springsteen - lag vielleicht wirklich in der Luft, doch wir wollten ihn nicht riechen.
Mit "Heureka!" kommt jetzt also das fünfte Werk. Der Titel erinnert an die alte Politik-Lehrerin in der elften Klasse, die abwechselnd jenes "Heureka!" mit dem Ausruf "Disco!" in die Klasse schallen ließ, wenn sie über eine unserer Antworten erstaunt war. Ihre verbale Begeisterung erstaunte uns dann wiederum noch mehr. Nach "Heureka!" - einem freudigen Ausruf also, wenn eine schwere Aufgabe gelungen gelöst wurde - benennen Thees und seine Truppe zusammengefasst ihre 12 neuen Songs. Und natürlich drängt sich damit der Verdacht auf, dass "Buchstaben über der Stadt" rückblickend vielleicht jene schwere Aufgabe war und mit "Heureka!" jetzt die Erleichterung herausposaunt wird. Und in der Tat geht es im Vergleich zum Vorgängeralbum weitaus weniger zweifelnd, weniger nachdenklich, dafür weitaus gelöster, weitaus unbeschwerter zu. Fast schon so, als suche Thees' Truppe die bewusste Abgrenzung zur gedanklichen und musikalischen Wuchtigkeit von "Buchstaben über der Stadt".
Biografisch ließe sich die neue Euphorie auf "Heureka!" leicht zurechtspekulieren: Uhlmann wurde Vater, lebt jetzt in Berlin und die Band hat sich personell neu sortiert. Alles Ansätze für eine Interpretation, alles Möglichkeiten. Wenn Thees im Stück "Wie sieht's aus in Hamburg?" die Interpol'sche Frage "How Are Things On The Westcoast?" ummünzt, lassen die Neu-Berliner und Ex-Hamburger Tomte vielleicht zum ersten Mal die eigene Band-Vergangenheit zu. Doch "Heureka!" auf den Umzug von einer Großstadt in die andere zu reduzieren, ist dann doch ein bisschen zu einfach. Vielleicht greift da eher ein altersweiser - ja, schlimmes Wort - Blick auf die Möglichkeit das Leben doch noch umarmen zu können. Auch wenn ein Song wie "Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören", die Molltöne herbeizaubert, so herrscht dennoch eine unterschwellige Ansage zum Weitermachen, die mehr ist als dumpfe Durchhalte-Parole. Der Zweifel, der "Buchstaben über der Stadt" so dominierte wird Nebensache. Lebensbejahung: Ja; Lebensumarmung: Möglich.
Manche werden in der Lebensbejahung Kitsch und Pathos sehen. Und wenn im Song "Küss mich wach Gloria" der Vergleich "Du=Beil" "Ich=Wald" fällt, wird die Schmerzgrenze durchaus kurz touchiert, überschritten wird sie allerdings niemals. Dafür ist Uhlmann zu geschickt. Pathos ja, Peinlichkeit nein.
Tomte - Der letzte große Wal
Wenn Thees zur Single "Der letzte große Wal" ansetzt, besingt er sich selbst. Ein letzter Emotional-Mann, der mit der Klampfe bewaffnet der hibbeligen Nu-Ravigkeit trotz und die frohe Kunde des eigentlich ganz okayen Lebens auch ohne Sirenengeheul zu vermelden weiß. So gesehen: Er macht also vielleicht wirklich auf Springsteen. Das gilt übrigens - bevor irgendwelche Fragen aufkommen, wie der Rezensent das hier meint, ob er also lobt oder disst - als Lob.
Das gesamte Album kann übrigens derzeit auf der Tomte-Myspace-Seite gehört werden.
Heiko Reusch
Label: Grand Hotel van Cleef/Indigo
VÖ: 10.10.2008
Tracklist:
01. Heureka
02. Wie ein Planet
03. Der letzte große Wal
04. Wie siehts aus in Hamburg
05. Voran Voran
06. Küss mich wach, Gloria
07. Es ist so, dass du fehlst
08. & ich wander
09. Du bringst die Stories (ich bring den Wein)
10. Das Orchester spielt einen Walzer
11. Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören 12. Dein Herz sei wild
Links






Schöne Rezension, aber wenn man Kritik an diesem Meisterwerk übt, dann aber auch bitte richtig:
Die Vergleiche Du=Beil Ich= Wald stammen nicht aus dem Song "Küss mich wach Gloria" sondern aus dem zu recht kritisierten "Es ist so das du fehlst"
antworten