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Tunng
Tunng: ...And Then We Saw Land
Folk und Electronica passen nicht zusammen? Tunng beweisen mit ...And Then We Saw Land einmal mehr das Gegenteil.

Vorbei die alten Zeiten. Vorbei die Zeiten, in denen elektronische Musik noch Scooter hieß, und im Wesentlichen aus dem hysterischen Schreien in ein Megaphon bestand. Vorbei die Zeiten, in denen der gestandene Rocker den Mann an den Turntables noch als drogensüchtigen, untalentierten Computerfreak verspottete. Vorbei die Zeit von männlichen Schlaghosen, „Hyper Hyper“ und Technohass.
Heute durchzucken röhrenjeanstragende Indiegören ihre Nächte in den Berliner Nachtclubs, tauschen Bands wie Bloc Party oder Muse Gitarre gegen Synthesizer. Elektronisch ist das neue Independent. Nicht selten endet dabei der Flirt von Indie und Electro mit dem bösen Erwachen. So schafften es beispielsweise die Global Deejays, mit ein paar drögen Beats selbst Scott McKenzies „San Francisco“ zum Dorfdisco-Mitgröhl-Schlager zu verwursten. Und „Indie“-Bands wie Cobra Starship hätten wohl lieber noch ein paar Jahre in der Musikschule das Gitarrespielen gepaukt, anstatt ihren Sound mit klebrigem Synthiebrei zu überziehen. Nicht so Tunng.
Das Sextett aus London beweist mit ihrem vierten Album „And then we saw land“, wie man im 21. Jahrhundert musiziert. Gekonnt kombinieren Tunng kunstvoll geschachtelte Samples mit Lagerfeuergitarre und spielerischen Folk-Melodien. Das klingt so eigen, dass die englische Presse für Tunng sogar eine neue Musikgattung erfand: „Folktronica“. Der Stilbruch ist perfekt ausbalanciert, nie wirken die elektronischen Sounds erzwungen oder aufdringlich, alles fügt sich zu einem großen Ganzen, als seien Folk und Electronica schon immer für einander bestimmt. Und auch die typischen 80er-Synthie-Sounds lassen Tunng im Schrank und experimentieren lieber mit gesampleten Kuckucksuhren und Flughafenansagen.
Frontman Sam Genders klingt dabei ein wenig wie „E“ von den Eels, der versehentlich anstatt zum Whiskey zu heißer Milch mit Honig gegriffen hat. Seine Melodien - meist mit einer weiblichen Zweitstimme unterlegt – sind fast kindlich einfach und poppig, aber wollen einem, einmal gehört, kaum mehr aus dem Kopf.
Am stärksten sind Tunng dann, wenn die elektronischen Samples zu tragenden Melodien werden und mit den folkigen Gitarrensounds und eingängigen Gesängen zu verschmelzen scheinen, wie beim herrlich stampfenden „Sashimi“ oder dem spielerischen „Santiago“. Dagegen wirkt die erste Single „Hustle“ fast etwas züchtig und konsverativ, so ganz ohne die vielfältigen elektronischen Klangwelten.
Zu bunt wird einem bei all dem Stilbruch und Experimentieren also maximal das Cover der CD. Im Gegenteil: Tunng hätte sogar gern noch etwas dicker auftragen können. Dann hätten sich wohl sogar Scooter ehrfürchtig vor den sechs Folktronicern verneigen müssen.
Juliane Sondermeyer
VÖ: 26.03.2010
Label: Full Time Hobby
Tracklist:
01. Hustle
02. It Breaks
03. Don't Look Down Or Back
04. The Roadside
05. October
06. Sashimi
07. With Whiskey
08. By Dusk They Were In The City
09. These Winds
10. Santiago
11. Weekend Away

Vorbei die alten Zeiten. Vorbei die Zeiten, in denen elektronische Musik noch Scooter hieß, und im Wesentlichen aus dem hysterischen Schreien in ein Megaphon bestand. Vorbei die Zeiten, in denen der gestandene Rocker den Mann an den Turntables noch als drogensüchtigen, untalentierten Computerfreak verspottete. Vorbei die Zeit von männlichen Schlaghosen, „Hyper Hyper“ und Technohass.
Heute durchzucken röhrenjeanstragende Indiegören ihre Nächte in den Berliner Nachtclubs, tauschen Bands wie Bloc Party oder Muse Gitarre gegen Synthesizer. Elektronisch ist das neue Independent. Nicht selten endet dabei der Flirt von Indie und Electro mit dem bösen Erwachen. So schafften es beispielsweise die Global Deejays, mit ein paar drögen Beats selbst Scott McKenzies „San Francisco“ zum Dorfdisco-Mitgröhl-Schlager zu verwursten. Und „Indie“-Bands wie Cobra Starship hätten wohl lieber noch ein paar Jahre in der Musikschule das Gitarrespielen gepaukt, anstatt ihren Sound mit klebrigem Synthiebrei zu überziehen. Nicht so Tunng.
Das Sextett aus London beweist mit ihrem vierten Album „And then we saw land“, wie man im 21. Jahrhundert musiziert. Gekonnt kombinieren Tunng kunstvoll geschachtelte Samples mit Lagerfeuergitarre und spielerischen Folk-Melodien. Das klingt so eigen, dass die englische Presse für Tunng sogar eine neue Musikgattung erfand: „Folktronica“. Der Stilbruch ist perfekt ausbalanciert, nie wirken die elektronischen Sounds erzwungen oder aufdringlich, alles fügt sich zu einem großen Ganzen, als seien Folk und Electronica schon immer für einander bestimmt. Und auch die typischen 80er-Synthie-Sounds lassen Tunng im Schrank und experimentieren lieber mit gesampleten Kuckucksuhren und Flughafenansagen.
Frontman Sam Genders klingt dabei ein wenig wie „E“ von den Eels, der versehentlich anstatt zum Whiskey zu heißer Milch mit Honig gegriffen hat. Seine Melodien - meist mit einer weiblichen Zweitstimme unterlegt – sind fast kindlich einfach und poppig, aber wollen einem, einmal gehört, kaum mehr aus dem Kopf.
Am stärksten sind Tunng dann, wenn die elektronischen Samples zu tragenden Melodien werden und mit den folkigen Gitarrensounds und eingängigen Gesängen zu verschmelzen scheinen, wie beim herrlich stampfenden „Sashimi“ oder dem spielerischen „Santiago“. Dagegen wirkt die erste Single „Hustle“ fast etwas züchtig und konsverativ, so ganz ohne die vielfältigen elektronischen Klangwelten.
Zu bunt wird einem bei all dem Stilbruch und Experimentieren also maximal das Cover der CD. Im Gegenteil: Tunng hätte sogar gern noch etwas dicker auftragen können. Dann hätten sich wohl sogar Scooter ehrfürchtig vor den sechs Folktronicern verneigen müssen.
Juliane Sondermeyer
VÖ: 26.03.2010
Label: Full Time Hobby
Tracklist:
01. Hustle
02. It Breaks
03. Don't Look Down Or Back
04. The Roadside
05. October
06. Sashimi
07. With Whiskey
08. By Dusk They Were In The City
09. These Winds
10. Santiago
11. Weekend Away
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