No Line On The Horizon

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Vielschichtig, fassettenreich und schwer zu fassen: Nach gut dreißig Jahren Bandgeschichte steuern U2 neue musikalische Horizonte an.

Der bereits ausgekoppelte Vorbote "Get On Your Boots" weist den Weg: Schwer eingängig verlangt der Titel mehrmaliges Hören, so wie das gesamte Album "No Line On The Horizon". Mit ihrer zwölften Studio-LP versuchen die Iren dem Dilemma zu entgehen, trotz etablierten Sounds und Bandkonzeptes, etwas Kreatives und Neuartiges zu schaffen.

U2 - Get On Your Boots

Vier Jahre wurde experimentiert, aufgenommen und verworfen. Zwischenzeitlich ging Produzent Rick Rubin samt zweijähriger Studioarbeit über Bord. Stattdessen wandte man sich an das alt bewährte Produzenten-Duo Brian Eno und Daniel Lanois, die schon bei den Klassikern "The Joshua Tree" oder "Achtung Baby" ihre Finger im Spiel hatten. Dennoch sind es nur entfernte Erinnerungen an die Meilensteine der Rockband, die man auf "No Line On The Horizon" findet, obwohl sich jeder Song unterscheidet.

Titel- und Eröffnungstrack beispielsweise ist ein mit sphärischer Elektronik vollgestopftes Auf-und-Ab. Bono peitscht sich selbst zu Höchstleistungen bei dem Stück an, das eindeutig Brian Enos Handschrift trägt. Selbiges gilt auch für "Moment Of Surrender". U2 liefern die Spuren für Enos Experiment Elektronika und Soul zu kombinieren.

Mit "Unknown Caller" oder dem etwas banalen "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight" kommen erstmals Referenzen an Vergangenes zum Vorschein, was maßgeblich The Edges Delay-Gitarre geschuldet ist. Hier liegt auch das größte Hit-Single-Potential der Scheibe. Ruhigster und gleichzeitig langweiligster Moment der neuen U2-Scheibe ist das winterschläfrige "White As Snow". "Cedars Of Lebanon" beendet "No Line On The Horizon" - ruhig, sphärisch und ebenso aufwendig abgemischt wie die restlichen 10 Tracks.

Fazit: "No Line On The Horizon" in seiner Gesamtheit zu erfassen, verlangt ein intensives Studium des Albums. Die vielschichtigen, stellenweise überproduzierten Songs werden sich selbst treue Fans hart erarbeiten müssen und auch beim zehnten Mal Hören noch Neues entdecken. Mangelnde Kreativität kann man U2 durch die instrumentale und stimmliche Experimentierfreude nicht vorwerfen. Hier und da etwas mehr Minimalismus hätte dem Album aber gut getan.

Kai-Uwe Weser

VÖ: 27.02.2009

Label: Island (Universal)

Tracklist:
01. No Line On The Horizon
02. Magnificent
03. Moment of Surrender
04. Unknown Caller
05. I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight
06. Get On Your Boots
07. Stand Up Comedy
08. Fez - Being Born
09. White As Snow
10. Breathe
11. Cedars Of Lebanon
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